Im Kampf gegen HPV

17. August 2009, 15:45
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Ohne HPV kein Gebärmutterhalskrebs - Eckpfeiler in der Diagnostik bleibt trotzdem der PAP-Test

Der Gebärmutterhalskrebs zählt zu den Krebsformen, deren Auslöser bekannt sind. Humane Papilloma Viren (HPV), auch für die Entwicklung von Feigwarzen verantwortlich, werden mit dieser bösartigen Tumorerkrankung in unmittelbare Verbindung gebracht. Anlass für hitzige Diskussionen gaben die sexuell übertragbaren DNA-Viren zuletzt wegen der HPV-Impfung, die in Österreich seit Oktober 2006 zugelassen ist und deren Impfstoff sich gegen die bekannten High-Risk-Typen 16 und 18 richtet.

Gebärmutterhalskrebs und seine Früherkennung haben in Europa bereits Tradition. George Papanicolaou ist es zu verdanken, dass den Frauen heute unterschiedliche Screeningprogramme zur Verfügung stehen. Der griechische Arzt hat 1928 den PAP-Test erfunden, eine zytologische Untersuchungsmethode, die es erlaubt auffällige Zellveränderungen am Gebärmuttermund frühzeitig nachzuweisen.

Kein organisiertes Screening in Österreich

Dieser Test hat die Welt der Gynäkologen erobert und dem Gebärmutterhalskrebs im Laufe der Jahre viel von seiner Bedrohung genommen. Mit der Entdeckung von Vor- oder Frühstadien ist die Erkrankungshäufigkeit vor allem in den 80er Jahren deutlich gesunken, während der Heilungserfolg bei Ausbruch der Krankheit seinerseits angestiegen ist. Prävention, die belohnt wird, jedoch hierzulande nur von maximal 50 Prozent aller Frauen in Anspruch genommen wird. Der Grund: In Österreich wird Screening opportunistisch gehandhabt. Bei dieser Form der Vorsorge bleibt es den Frauen überlassen, ob sie zum Gynäkologen gehen wollen oder auch nicht. Darüber ob ein organisiertes Screening mit einer dreijährlichen Einberufung der Frauen die Erkrankungshäufigkeit weiter senken würde und ob die Qualität des PAP-Abstriches als Präventivmaßnahme überhaupt ausreicht, wird immer wieder spekuliert. Wirklich in Frage gestellt wurde der PAP-Abstrich aber erst mit der Entwicklung des HPV-Tests.

Viele falsche Befunde

Nicht ganz ohne Grund, denn zweifelsohne hat der PAP-Test, neben seinem erwähnten Erfolg, auch eine bekannt niedrige Sensitivität. Abnahmefehler führten vielfach dazu, dass die Rate falsch negativer Befunde lange Zeit bei 50 Prozent anberaumt wurde. Für die betroffenen Frauen war das mitunter fatal, denn nur jede zweite Frau durfte davon ausgehen, dass ihr Karzinom auch wirklich frühzeitig erkannt wurde. „Diese Zahlen stimmen für Österreich nicht mehr", weiß Edgar Petru, Gynäkologe an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Graz. Dass die Empfindlichkeit heute bereits bei ungefähr 80 Prozent liegt, führt er darauf zurück, dass die Entnahme des entscheidenden Zellmaterials in der Regel nur mehr unter mikroskopischer Sicht (Kolposkopie) erfolgt.

Infektionen großteils harmlos

Eine beachtliche Steigerung, aber längst nicht genug, wenn man bedenkt, was die Diagnose Gebärmutterhalskrebs für die Frau dann schlussendlich bedeutet. Mit der Erfindung des HPV-Tests schien das Problem dann vorerst gelöst. Dem Gentest gelingt zu fast 100 Prozent der Nachweis der verantwortlichen DNA-Viren am Gebärmuttermund. Dieses fantastische Untersuchungsergebnis bleibt allerdings oft ohne jegliche Konsequenz für die Frau. „90 Prozent aller Frauen sind im Laufe ihres Lebens irgendwann mit einer HPV-Infektion konfrontiert", so Petru und sieht hier eine Verunsicherung vieler Frauen. Das Problem: Die Präsenz der Viren geht nicht zwangsläufig mit einer histologischen Veränderung des Gewebes einher. Vielmehr verlaufen die meisten Infektionen mit Humanen Papilloma Viren vollkommen harmlos, konkret sind sogar 80 Prozent aller infizierten Frauen nach spätestens 18 Monaten wieder vollkommen HPV-frei. Nur in etwa drei Prozent aller Fälle persistiert das Virus, um im weiteren Verlauf die Entwicklung eines Zervixkarzinoms zu forcieren. Ein Ersatz für den PAP-Test kann der hochsensitive HPV-Test also folglich nicht sein.

Wie muss jedoch Prävention im Fall von Gebärmutterhalskrebs im Idealfall aussehen? PAP, HPV-Test oder gar beides zugleich? Die Experten sind sich mittlerweile darüber einig, dass aufgrund seiner erwähnt "niedrigen" Sensitivität der PAP alleine nicht der Weisheit letzter Schluss ist, jedoch zumindest gewährleistet, dass die gesundheitsbewusste Frau einmal jährlich den Gynäkologen aufsucht. Nur dann hält der PAP-Abstrich nämlich auch was er verspricht: Den Gebärmutterhalskrebs frühzeitig zu erkennen.

HPV-Test ab dem 30. Lebensjahr

Dem HPV-Test dagegen gewinnt Petru vor allem als ergänzende Untersuchung bei Frauen ab dem 30. Lebensjahr einiges ab: "Ein unklarer Abstrich, konkret ein PAP III, rechtfertigt immer den HPV-Test", weiß er und hält sich hier streng an die Leitlinien, die auch die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, allgemein hin empfiehlt. Die Integration einer HPV-Testung in das reguläre Vorsorgeprogramm scheint damit zwar noch nicht begründet, im Einzelfall macht sie aber auf jeden Fall Sinn. (Regina Philipp, derStandard.at, 17.08.2009)

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    Die meisten Infektionen mit Humanen Papilloma Viren verlaufen vollkommen harmlos: 80 Prozent aller infizierten Frauen sind nach spätestens 18 Monaten wieder vollkommen HPV-frei.

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    Ein PAP III rechtfertigt einen HPV-Test

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