Engel ohne Genehmigung

18. August 2009, 09:30
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Neue Holzskulptur im Salzburger Festspielbezirk

Salzburg - Es wäre nicht Salzburg, gebe es hierorts nicht alljährlich eine Erregung über ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Meist werden die Debatten zur Festspielzeit vom Zaun gebrochen; just so, als wollten Lokalmedien und -politik einer möglichst breiten Weltöffentlichkeit die Provinzialität Salzburgs vor Augen führen.

Diesen Festspielsommer ist es lange ruhig geblieben. Bis dann ausgerechnet die "Freunde des Salzburger Adventsingens" für die übliche Empörung sorgten. Der Förderverein ließ im Festspielbezirk - nahe des lange Zeit vom Kleinformat heftig bekämpften Pavillons von Anselm Kiefer - eine Holzstatue des deutschen Bildhauers Andreas Kuhnlein aufstellen. Die Statue mit Friedenstaube und Wegweiser in verschiedenste Länder der Erde soll auf das Schicksal von Migranten hinweisen.

Für Empörung sorgte diesmal jedoch nicht das Objekt selbst (wie etwa 2003, als die Darstellung eines nackten Mannes mit erigiertem Penis auf Anordnung des Bürgermeisters wieder entfernt werden musste), sondern schlicht die Tatsache, dass die Adventsinger für ihren Holzengel keine Bewilligung eingeholt haben.

Vor allem die Gralshüter des Salzburger Kunstverständnisses im Kulturbeirat sind sauer. Sie waren entgegen den Gepflogenheiten nicht befragt worden. Jetzt dürfte die Skulptur das von ihr thematisierte Schicksal vieler Migranten ereilen: Ein bisschen darf sie noch bleiben, dann muss sie fort. (neu, DER STANDARD/Printausgabe, 18.08.2009)

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