Millionen-Verlust

Wienerberger schließt 26 Werke

18. August 2009, 17:38
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    grafik: apa

Seit Jahresende 2008 hat der Baustoffkonzern bereits 2.000 Arbeitsplätze abgebaut, der Sparkurs wird weiter verschärft

Wien - Seinen Start an der Spitze des weltgrößten Ziegelherstellers Wienerberger hat sich der gebürtige Kärntner Heimo Scheuch wahrscheinlich angenehmer vorgestellt. Die Wirtschaftskrise hat dem 42-Jährigen, der seit 1996 für den Baustoffkonzern tätig ist, einen Strich durch die Rechnung gemacht: Wienerberger ist zum Halbjahr tief in die roten Zahlen gerutscht.

Diese Botschaft musste Scheuch bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in seiner neuen Funktion überbringen. Mit 1. August ist Scheuch Wolfgang Reithofer im Chefsessel von Wienerberger nachgefolgt. Das Management wird komplettiert durch Johann Windisch, der die Sparte keramische Baustoffe Europa verantwortet und dem Finanzer Willy Van Riet. Die Verträge des Trios laufen jeweils bis 21. Mai 2014.

Ausblick verhangen

Auch der Ausblick ist alles andere als rosig. "In Osteuropa ist noch keine Trendwende in Sicht, in Kontinentaleuropa haben wir Hinweise, dass sich der Abwärtstrend verlangsamt, in Nordamerika und Großbritannien zeichnet sich eine Bodenbildung ab", sagte Scheuch bei der Präsentation der Halbjahreszahlen am Dienstag. Ein Ausblick für 2010 sei seriös nicht machbar. Scheuch: "Die Visibilität ist zu gering."

Weil der Einbruch auf dem für Wienerberger wichtigen Wohnungsmarkt in den vergangenen Monaten heftiger ausgefallen sei als erwartet, verschärft das Management nun den Sparkurs. Nicht wie ursprünglich geplant 20 Werke sollen bis Jahresende geschlossen oder eingemottet werden, sondern 26. Damit hofft man, die Produktionskapazitäten an die in allen von Wienerberger bearbeiteten Regionen spürbar schwächere Nachfrage anpassen zu können. Im ersten Halbjahr wurden bereits 18 Werke vom Markt genommen, die Zahl der Mitarbeiter ging um rund 1000 auf aktuell 13.100 zurück.

In Österreich selbst wurde das Werk Laa/Thaya (NÖ) geschlossen, für die betroffenen 17 Mitarbeiter gibt es einen Sozialplan. Weitere Werkstilllegungen seien in Österreich nicht geplant, sagte Vorstand Windisch. Von Werksschließungen betroffen sei insbesondere die Region Zentral- und Osteuropa, aber auch Nordamerika und Großbritannien, wo der Einbruch am Wohnungsmarkt besonders stark gewesen sei.

Im operativen Geschäft konnte Wienerberger im Berichtszeitraum zwar noch einen Gewinn verbuchen (Ebit: 7,8 Mio. nach 136 Mio. Euro), Restrukturierungskosten und Firmenwertabschreibungen drückten das Betriebsergebnis aber auf minus 204,8 Mio. Euro (siehe Grafik). Im 1. Halbjahr 2008 war das Ebit noch mit 130,2 Mio. Euro positiv. Der Umsatz gab "marktkonform" , wie Scheuch sagte, um 29 Prozent auf 898,1 Mio. Euro nach.

Dass der Verlust im verbleibenden Jahr noch wettgemacht werden kann, sei unwahrscheinlich. Mit einer Ausweitung des Kosteneinsparungsprogramms auf insgesamt 150 Mio. Euro heuer sowie 175 Millionen 2010 sieht sich der Konzern aber gut aufgestellt, die Krise zu meistern. Bei einem Wiederanspringen der Märkte habe man "beste Chancen, an führender Stelle mitzumischen" , sagte Scheuch.

Die Börse honorierte die Ansagen des Wienerberger-Management: die Aktien des Baustoffkonzerns legten teilweise um 13 Prozent zu. (stro, DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2009)

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Posting 1 bis 25 von 37
1 2
Better Living Through Chemistry (+_°)
10
18.8.2009, 22:46

Faktum ist, das die Ziegelbauweise in fast allen Bereichen von alternativen Möglichkeiten verdrängt wurde. Selbst im kommunalen Wohnbau herscht schon lange der Trend, grundsätzlich komplett auf diesen Baustoff zu verzichten. Übrig bleibt der Private Wohnbau (mit einer Vielzahl regionaler Mitbewerber), bei dem in der Relation zum Aufwand wenig zu verdienen ist. In Osteuropa entwickelt sich zunehmend das selbe Szenario. Wienerberger wird, wenn sich beim Produktportolio nichts ändert, keinerlei Bedeutung als Baustofferzeuger mehr haben...

Father in Motherboard
11
18.8.2009, 21:25
die leute werden auf die straße gejagt

anstatt die unfähigen manager auf und davon zu jagen...

wie lange muß man eigentlich zuschauen um 223 millionen schulden anzuhäufen und sich dann kaltschnäuzig hinstellen und 2000 jobs abbauen, während sich die verantwortlichen lachend gänsestopfleber in den schlund stopfen.

José Atento
01
18.8.2009, 18:08
Die Aktie fiel vom Hoch unglaubliche 96% auf fast nichts.

Also eine Fastpleite für die Aktionäre. Zumindest für jene, die in der Bauboomphase eingestigen sind.

Jetzt hat sie sich seit dem Tief verdreifacht. Aber was ist das schon? Sie müsste sich nochmals vervierfachen, um das alte Hoch zu erreichen.

Da kann man nur hoffen, dass der Hr. Scheuch ein Krisenmanager ist und kein Schönwettervorstand wie die meisten. Da heißt es sparen wo es geht. Es geht ums Überleben. Denn ein Bauboom wird so schnell nicht mehr kommen.

H. G. Wells
10
18.8.2009, 23:21

...Denn ein Bauboom wird so schnell nicht mehr kommen.

Darf ich mir ihre Glaskugel einmal ausborgen?

José Atento
00
19.8.2009, 09:18

Grundsätzlich kann man annehmen, dass wenn eine Spek. Blase geplatzt ist - war das in USA eine? -, dann wird diese sehr lange nicht mehr aufgeblasen werden. Siehe z.B. auch Dot-Com Blase im Jahr 2000.
Sehen sie sich die Kurse der Telekom Unternehmen an. Diese liegen noch immer WEIT unter den Hochs aus dem Jahr 2000 und sind derzeit recht günstig bewertet. Niemand möchte solche Aktien seit 9 Jahren kaufen. Warum wohl?

Dazu benötigt man keine Kristallkugel, sondern das ist einfache Wahrscheinlichkeit.

Orakel1
00
18.8.2009, 17:51
Eine Notwendigkeit einer Restrukturierung war schon zum Zeitpunkt...

des unorganischen Wachstums angelegt. Doch jetzt schlieißt er 28 Werke, das bedeutet aber, dass das Marktaufnahmefähigkeit im Einzugsgebiet dieser Werke nach wie vor behält. Was den Steuerzahler das betrifft, erschleißt sich mir nicht.

KTHXBYE
21
18.8.2009, 17:25

Schon praktisch, so eine Krise.

Ernest Hemingweg
22
18.8.2009, 16:59
Langsam beginnt die Krise...

...wirklich! :)

Warm anziehen!

BK W. Shoyssel
21
18.8.2009, 15:44
Spare in der Zeit, dann hat der Hackler Not

Warum nennen Shareholder das Vergeuden von Investitionen und Entlassen von Arbeitern eigentlich 'Sparen'?

Warum schreiben das die Journalisten unkritisch ab?

José Atento
03
18.8.2009, 18:12

Weil die Aktionäre die einzigen sind, die bis jetzt bei Wienerberger fast alles verloren haben. Zumindest was den Buchwert betrifft. Aber 96% Verlust vom Hoch war nicht so ohne, oder?

Sicher verlieren auch ein paar Mitarbeiter ihren Job. Aber das ist notwendig, um das Überleben des Gesamtkonzerns zu gewährleisten. Würde Wienerberger jetzt diese Krise nicht ernst nehmen und nicht sparen, wären sie in Kürze insolvent.
Was haätten dann die AN davon? Es müssten dann VIEL MEHR gehen.

Geraldines_Tante
10
19.8.2009, 10:58

oje, Sie hatten wohl solche Aktien gekauft.

Aber Sparen ist doch etwas, bei dem man was zur Seite legt, sich aufhebt und dann später was hat. Produktionsstätten Abwracken scheint das nicht zu sein.

José Atento
00
19.8.2009, 11:22

"Von jetzt an werde ich nur soviel ausgeben, wie ich einnehme - und wenn ich mir Geld dafür borgen muss!"
(Mark Twain)

maj jong
21
18.8.2009, 15:16
Wo bleibt der Obersanierer Reitzhofer?



Die eigene Tasche hat er sich saniert, die Arbeitslosen sind egal und vielleicht zum drüberstreuen:

wer ein paar Arbeitsplätze erhalten will muß in die Staatskasse greifen.....

Wirtschaftspolitik auf ÖVP-sozial und ÖVP-christlich.

Bezahlen werden es die letzten Steuerzahler - WIR, nicht die "konservativen Anleger"

José Atento
02
18.8.2009, 18:15

Es ist halt sehr schwer in einem künstlich getriebenen (kreditgetriebenen) Bauboom, selbst nicht expandieren zu wollen.

Dass alles so rasch einbricht, hat auch kaum jemand vorausgeahnt.

Aber wenn ein so großer Konzern in der Krise geschickt agiert (rasch reagiert), dann könnte er als Sieger aus der Krise herauskommen.

Radi Ator
11
18.8.2009, 15:16
Die Aktie stieg bis gegen 12.30 Uhr um 13,2 Prozent auf 13,67 Euro

und das bei den zahlen. die welt steht wirklich nicht mehr lange :o)

José Atento
01
18.8.2009, 18:16

Die Aktionäre atmen auf, denn es wurden noch viel schlechtere Zahlen befürchtet.
Klar springen hier, wegen der GUTEN Nachricht, einige Spekulanten sofort auf.

roundabout
01
18.8.2009, 16:27
Es wurden noch schlechtere

Zahlen befürchtet. Die Börse hat eine eigene Logik.
Bei der ist 4 (2+3-1) und nicht (2+2).

klein adlerauge
 
11
18.8.2009, 12:51

ah
da will wer noch mehr an der baustoff preisschraube drehen...

Lu Key
20
18.8.2009, 12:27
Von Immofinanz zu Insidergeaschäften

Weiss jemand wie stark Wienerberger bei der Immofinanz mit involviert war und ist und wieviel sie das gekostet hat?
Wie ist eigentlich der aktuelle Stand im Verfahren wegen Insidergeschäften gegen einen der Vorstände (Windisch)?

roundabout
02
18.8.2009, 12:23
Sowas

kaufte sie gestern zu 12,03.

Loggo
30
18.8.2009, 14:12
Wenn ich das jetzt richtig verstehe...

haben Sie daran verdient!

Vielleicht verdient ja mal anderer an Aktienkursen wenn ihr Arbeitsplatz aus "Spargruenden" geschlossen wird und die Gangart verhaertet wurde.

José Atento
01
18.8.2009, 18:19
Vergessen Sie die Aktienkurse.

Sie sind als Aktionär Eigentümer und haben soundsoviele Anteile am Unternehmen.

Man verdient damit gar nichts, außer man ist vielleicht ein sehr geschickter Spekulant.
Die Dividende ist schließlich gestrichen worden, oder?

roundabout
02
18.8.2009, 15:54
Erstens

an der Börse verdient man nicht, man gewinnt oder verliert. Und zweitens habe ich dann Rücklagen und bin nicht von Ihren Steuern abhängig. Also abregen.

König Ludwig von OÖ
32
18.8.2009, 11:03

wie viel Geld hat eigentlich die Wienerberger verbraten durch ihren Ex-CEO, der meinte er muss um alles in der Welt die ganze Welt aufkaufen (die jetzt wieder geschlossen wird)?

Ava Tar
24
18.8.2009, 11:16
muß ich mal verteidigen

Bei einem Ziegelwerk geht es um Nähe zu Rohstoff & Absatzmarkt, die Investitionen sind vergleichsweise gering (Fertigungsstraße mit Brennofen)

Bei Expansion kaufst du natürlich ein bestehendes Werk, das ja seinen regionalen Anehmerkreis rundherum hat, anstatt ein neues zu bauen. Das bestehende Werk ist dank abgeschriebener Anlagen meist auch billiger zu haben als ein Nebau kosten würde

Bricht die Nachfrage ein, dann schließt du natürlich die kleinere Werke zwischen den großen. Die sprungfixen Kosten erster liegen unter den höheren Transportkosten durch die größere Entfernung aus zweiteren. Der Brennofen wird eingemottet, nicht ruiniert, Reaktivierung also möglich. Sollen sie denn Ziegelstapel auf Halde produzieren die niemand braucht ?

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