"Sonnenschein"-Präsident starb an Herzversagen

18. August 2009, 06:54
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Präsident von 1998 bis 2003 - War unter Militärdiktatur als Regimegegner zum Tode verurteilt - Für seine Entspannungspolitik mit Nordkorea erhielt er 2000 den Friedensnobelpreis

Seoul - Der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete ehemalige Präsident Südkoreas, Kim Dae-jung, ist am Dienstag 83-jährig verstorben, wie die Nachrichtenagentur Yonhap in Seoul meldete. Nach einem Herzversagen habe man ihn nicht wiederbeleben können, teilte ein Sprecher des Krankenhauses mit, in das der Ex-Präsident Mitte Juli eingeliefert worden war. Wegen einer Lungenentzündung war er auf die Intensivstation verlegt worden.

Demokratieverfechter und Regimegegner

Der am 3. Dezember 1925 geborene Kim Dae-jung, unter der Militärdiktatur als Demokratieverfechter und Regimegegner zum Tode verurteilt, war von 1998 bis 2003 Präsident. Nach eigener Darstellung inspiriert von der Ost-Politik Willy Brandts Anfang der 1970er-Jahre, leitete er die sogenannte Sonnenscheinpolitik gegenüber dem kommunistischen Nordkorea ein und reiste 2000 zu einem Treffen mit Machthaber Kim Jong-il nach Pjöngjang, wofür ihm im gleichen Jahr der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde. Als inhaftierter Dissident in der Todeszelle hatte er 1981 den österreichischen Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreis zugesprochen bekommen.

Geheimdienstanschlag

Der gläubige Christ begann seine politische Karriere bereits 1954 als Gegenkandidat des ersten südkoreanischen Präsidenten Syngman Rhee. Unter den Diktaturen der Generäle Park Chung-hee (1961-79) und Chun Doo-hwan (1980-88) wurde er brutal verfolgt. Ein schwerer Autounfall, der eine dauerhafte Behinderung und Gehbeschwerden zur Folge hatte, ging offenbar auf das Konto des südkoreanischen Geheimdienstes KCIA. 1973 wurde Kim Dae-jung von Geheimdienstagenten aus seinem japanischen Exil verschleppt und 1980 zum Tod verurteilt, er durfte aber nach Umwandlung der Strafe in 20 Jahre Haft 1982 in die USA ausreisen. Nach der Demokratisierung konnte er heimkehren, um nach erfolglosen Kandidaturen 1987 und 1992 Ende 1997 zum Präsidenten gewählt zu werden.

Nach dem Ende der Amtszeit Kim Dae-jungs wurde bekannt, dass Gelder des Hyundai-Konzerns illegal an Nordkorea geflossen waren und Personen aus dem Umfeld des Ex-Präsidenten hohe Summen angenommen hatten. Es wurde ihm auch verschiedentlich vorgeworfen, von Nordkoreas Nuklearwaffenprogramm gewusst, seine Informationen aber verheimlicht zu haben. (APA/Reuters)

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    Der ehemalige Präsident auf einem Archivfoto aus dem Jahr 2001. Zu dieser Zeit war er Präsident Südkoreas.

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    Kim Dae-jung (links) trifft Kim Jong-il (rechts). Ein Bild aus dem Jahr 2000.

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