Bekele lief zu viertem WM-Gold

17. August 2009, 23:04
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Dominguez gewann Hindernisrennen - Hammer-Gold an Kozmus, Dreisprung an Savigne

Berlin - Sie hat gepokert, doch das Pokerface hat ihr an diesem Abend niemand abgekauft. Stabhochsprung-Überfliegerin Jelena Isinbajewa war die große Negativ-Überraschung des dritten Tages der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin, nach dem Gewinn von vier globalen Titeln in Folge blieb die Russin im Olympiastadion vor 30.496 Zuschauern ohne gültigen Versuch. Gold ging an die Polin Anna Rogowska, die 4,75 m überquerte. Die 100 m der Frauen gewann die Jamaikanerin Shelly-Ann Fraser in der Jahresweltbestzeit von 10,73 Sekunden, zum vierten Mal in Serie holte sich der Äthiopier Kenenisa Bekele die 10.000 m (26:46,31 Minuten/JWBZ).

Die zweifache Olympiasiegerin, zweifache Freiluft-Weltmeisterin und Weltrekordlerin Isinbajewa pokerte hoch und verlor alles. Die 27-Jährige stieg erst bei 4,75 m ein und riss beim ersten Versuch. Mit einem Lächeln im Gesicht ordnete sie an, dass sie auf einen weiteren Sprung über diese Höhe verzichtet und ließ die Latte auf 4,80 m legen. Eine Höhe, die sie jahrelang mit Lockerheit nahm, eine Höhe, an der ihre Titelambitionen am Montag aber zerschellten. Die Russin sank auf der Matte auf die Knie, legte das Gesicht in ihre Hände und schien erstarrt in der Enttäuschung über die bitterste Niederlage der Karriere. "So etwas passiert im Sport, auch, wenn man eine große Karriere hat", sagte Isinbajewa in einer ersten Reaktion. Für die 28-jährige Rogowska war es hingegen der größte Erfolg neben Olympiabronze 2004 in Athen, Silber teilten sich Chelsea Johnson (USA) und Monika Pyrek (POL) mit je 4,65.

Bereits am 24. Juli beim Super-Grand-Prix in London hatte die zweifache Weltsportlerin des Jahres, die 24 Weltrekorde zu Buche stehen hat, eine ihrer seltenen Niederlagen hinnehmen müssen, Isinbajewa war ebenfalls Rogowska unterlegen. Davor war die ehemalige Kunstturnerin - nach einer vierjährigen Erfolgsserie - das letzte Mal im Februar 2008 in Bydgoszcz in der Halle besiegt worden. Beeindruckend gestaltete sie den Olympiasieg vor einem Jahr in Peking, als sie mit der noch gültigen Bestmarke von 5,05 Metern ihre Karriere noch glamouröser machte.

Keinen Einbruch leistete sich Bekele, der Weltrekordler lief vor Zersenay Tadese aus Eritrea (26:50,12) und dem Kenianer Moses Masai (26:57,39) WM-Rekord. Ebenfalls einen Favoritensieg brachten die 100 m der Frauen, Olympiasiegerin Shelly-Ann Fraser zauberte die Jahresweltbestzeit von 10,73 Sekunden auf die blaue Bahn und blieb vor ihrer Teamkollegin Kerron Stewart (10,75) und der US-Amerikanerin Carmelita Jeter (10,90). Die erfolgreiche Titelverteidigung gelang Dreispringerin Yargelis Savigne aus Kuba, mit 14,95 Meter ließ sie ihre Landsfrau Mabel Gay (14,61) und die Russin Anna Pjatych (14,58) hinter sich.

Einen spanischen Erfolg gab es über 3.000 m Hindernis der Frauen, Marta Dominguez verbesserte die von ihr gehaltene Jahresweltbestzeit auf 9:07,32 Minuten und gewann vor der Russin Julia Sarudnewa (9:08,39) und der Kenianern Milcah Chemos Cheywa (9:08,57). Olympiasiegerin und Weltrekordlerin Gulnara Galkina ging als Vierte überraschend leer aus, für sie war es die erst zweite Niederlage ihrer Karriere auf dieser Strecke - doch wie schon in Osaka 2007 passierte es wieder bei der WM, in Japan war sie überhaupt nur Siebente geworden.

Im Hammerwurf der Männer krönte sich Primoz Kozmus zum Weltmeister, der bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking Sloweniens erster Olympiasieger in der Leichtathletik geworden war. In Osaka vor zwei Jahren hatte sich der bald 30-Jährige noch mit Silber zufriedengeben müssen, in Berlin schleuderte er den Hammer auf 80,84 m und siegte vor dem Polen Szymon Ziolkowski (79,30) und dem Russen Alexej Sagornji (78,09).

In den Vorkämpfen gab es eine Überraschung über die 800 m der Frauen, die kenianische Olympiasiegerin Pamela Jelimo gab im Halbfinale auf. Die insgesamt Schnellste war die Jahresweltbeste Caster Semenya (Südafrika) in 1:58,66 Minuten. Über die Zeit weiter kam Titelverteidigerin Janeth Jepkosgei, die am Sonntag die Halbfinalequalifikation eigentlich verpasst hatte, aber deren Verband erfolgreich protestierte, weshalb die Athletin einen Halbfinalplatz bekam. Jepkosgei hatte geführt, als ihr Semenya draufstieg, die Kenianerin taumelte und joggte anschließend nur noch ins Ziel. (APA)

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