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Die letzten Ritter von Wien

17. August 2009 21:57
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    Foto: robert newald

    Der oberste Ordensmann Bruno Platter. Er untersteht keinem Bischof, sondern direkt dem Papst. Heute hat der Orden 1100 Mitglieder, darunter 100 Priester und 200 Schwestern.

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    12.000 Urkunden lagern im Ordenssitz in der Singerstraße. Die Älteste ist aus 1122.

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    Im Archiv des Ordens: ein Dokument aus 1237 mit dem Siegel von Friedrich II.

Fast ist in Vergessenheit geraten, dass der Deutsche Orden, einst der mächtigste Ritterorden Mitteleuropas, seinen Sitz in Wien hat. Dabei ist die Bruderschaft gerade mit Österreich eng verbunden.

Wien - Wenn Dan Brown eine Fortsetzung seiner Da Vinci Code-Reihe schreiben möchte, wird er nirgends auf der Welt so gutes Material finden, wie in Wien. Nur wenige wissen, dass hier, in einer Seitengasse unweit des Stephansdomes, der Hauptsitz einer 800 Jahre alten Bruderschaft liegt, deren Geschichte sich um die Kirche und den Papst ebenso wie um große Schlachten und um mächtige Könige dreht. Und die Gemeinschaft behütet noch heute einen Schatz.

Nur ihr Hochmeister passt nicht ins Bild.Bruno Platter ist kein verschwörerischer Heimlichtuer, sondern ein älterer, freundlicher Herr, der seine Gäste am liebsten im Rittersaal des Ordenshauses begrüßt.

Die drängendste Frage an ihn ist naheliegend: Wie kommt ein junger Schüler aus Südtirol dazu, sich dem Deutschen Orden anzuschließen? "Es war das spezielle Charisma, das mich fasziniert hat" , antwortet Platter nach einer Pause, mit der er die Bedeutung seiner Worte unterstreicht. "Charisma" , werden später auch die anderen Brüder, etwa zehn leben im Ordenshaus in Wien, sagen. Sie verstehen darunter die Anziehungskraft, die von den beiden heutigen Kernaufgaben des Ordens, dem "Helfen und Heilen" , ausgeht.

Ein eigener Ritterstaat

Was an all denAntworten verwundert, ist, dass "von der großen Tradition" der Gemeinschaft nur auf Nachfragen die Rede ist. Dabei hat der Deutsche Orden eine spektakuläre Geschichte hinter sich.

Gegründet wurde er 1190, während des III. Kreuzzuges als Hospitalgemeinschaft des deutschen Kreuzfahrerkontingents, daher stammt auch der Name. Das erste Ordensspital entstand in Akkon, im heutigenNordisrael. Dem Spital wurden auch Verteidigungspflichten auferlegt, 1198 geschah die Umwandlung in einen Ritterorden. Der Orden gründete Niederlassungen in Italien, Spanien, Armenien und im Heiligen Römischen Reich. Seine wichtigste Aufgabe: der Kampf gegen die "Heiden" .

Zur Blüte ihrer Macht stiegen die Ritter erst mit der Gründung eines Staates auf. Anfang des 13. Jahrhunderts rief der polnische Herzog Konrad von Masowien die Ritter zur Missionierung Preußens. Der Ritterbund eroberte große Gebiete im Baltikum und in Teilen Polens. Die Landesherren errichteten sich in Marienburg (polnischMalbork), bei Danzig, eine Residenz. "Die Herrschaft des Ordens im Inneren beruhte auf der Einbindung der deutschen und indigenen Bevölkerung" , sagt der Hamburger Historiker Jürgen Sarnowsky. Nach außen setzten die Ritter ihre blutige Missionierungsarbeit fort und führten Krieg gegen Litauen.

In ihrer Zeit als Landesherren legten die Hochmeister eine beachtliche Sammlung repräsentativer Kostbarkeiten an.

Heute heißt der Herr über diesen Schatz Frank Bayard. Die Schatzkammer des Wiener Ordenshauses steht ebenso unter seiner Leitung wie das Archiv, in dem 12.000 Urkunden aufbewahrt werden. Unter ihnen finden sich Heiligsprechungsurkunden aus dem 13. Jahrhundert ebenso wieDokumente mit dem Siegel Maria Theresias. Pater Bayard ist ein fanatischer Archivar. Neun Jahre hat er bei der Deutschen Bank gearbeitet, als ihn "der Ruf" ereilte. Seine Worte lösen das Rätsel, warum die meisten Geistlichen dem Orden auf der Suche nach Gott und nicht nach großer Geschichte beitraten.

"Wir trauern unserer Vergangenheit nicht nach" , sagt Bayard. "Wir wollen nichts Verstaubtes an uns haben." Den Reiz des Orden mache das "In-der-Gesellschaft-Stehen" aus. Tatsächlich engagiert sich der Orden heute vor allem wohltätig: Er betreibt ein Krankenhaus in Friesach, Alten- und Studentenheime in Südtirol, bietet Drogentherapien in Deutschland an und unterhält ein Mädcheninternat in der Slowakei.

Die Burg verpfändet

"Wenn Ritterlichkeit nicht Kampf, sondern den Einsatz für den Nächsten bedeutet, dann leben die ritterlichen Tugenden bis heute fort" , sagt Hochmeister Platter über die karitative Tätigkeit. Denn offiziell ist 1970 der letzte Ritterbruder verstorben.

Dass die Gemeinschaft außerhalb Polens kaum bekannt ist, dafür macht Platter schlechte Geschichtsbücher verantwortlich.

Dabei ist der Orden mit Österreich eng verbunden. Im 15. Jahrhundert ging der Ordensstaat unter. Im Dreizehnjährigen Krieg (1454-1466) musste der Hochmeister die Marienburg an seine Söldner verpfänden, die die Burg an Polen weiterverkauften. Neuer Sitz der Ritter wurde Mergentheim in Baden-Württemberg. Ab dem 16. Jahrhundert stellten häufig Regenten aus dem Hause Habsburg die Hochmeister. Für die Habsburger waren das ansehnliche Posten, dem Orden sicherte das eine gewisse Rest-Bedeutung. Als 1809 Napoleon den Orden auflöste, wurde die Residenz nach Wien verlegt.

Im Jahr 2000 hat hier Bruno Platter die Leitung übernommen. Zunächst musste er aufräumen: Die Ordenseinrichtungen in Deutschland hatten 200 Millionen Euro Schulden angehäuft. Die Staatsanwaltschaft schaltete sich wegen des Verdachts der Untreue ein. Bayern half schließlich finanziell aus, was zu politischen Turbulenzen führte. Denn Bayerns Opposition warf Laiensbruder Edmund Stoiber vor, das Finanzdebakel mitverursacht zu haben.

Diese Probleme habe man hinter sich gelassen, sagt Platter. Er ließ sparen und Immobilien verkaufen. Die größteHerausforderung bleibt weiter, wie die Ordenseinrichtungen finanziert werden können. Und die Sorge um den Nachwuchs. Denn nach 800 Jahren kämpft der Orden heute gegen die Überalterung in seinen eigenen Reihen.  (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2009)

Die Schatzkammer des Ordens in der Singerstraße 7/I ist Donnerstag und Samstag von 10 bis 12, Mittwoch und Freitag von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Buchtipp:Jürgen Sarnowsky, Der Deutsche Orden, Beck 2007

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 44
1 2
prusse.maciej@wp.pl
07.07.2010 17:27
mattis

Anga ast mazingan peisat stwi en prusiskan bille ?

PaulH
19.08.2009 08:46
Litauen

wollen mir bitte mal nicht vergessen, dass "Die Christianisierung des Baltikums" ein waschechter Kreuzzug war, mit mehr völkermordcharakter als missionierung...

big dislike

Der Wählerwille
 
16.10.2009 16:32
korrekt

siehe auch das schicksal der pruzzen

Michael Tfirst
 
18.08.2009 19:23
Graf Kardinal Schönborn ist auch ein Ehrenritter des Deutschen Ordens und weiters ist er Aumonier des Ordens vom Goldenen Vlies und Bailli-Ehren und Devotionskreuzträger des Souveränen Malteserordens usw.

Und dieser Deutschordensritter Schönborn sagte über einen bereits gerichtlich verurteilen Priester, der wegen Kinderschändung verurteil war, nur, nachdem bekannt wurde, dass er auch bei alten Menschen in einer Altenstation wieder auf den Genitalien anderer herumdockterte: „Das kann doch passieren“:


http://michaeltfirst.blogspot.com/2009/08/s... ieren.html


Aber ob kirchliche oder weltliche Ordensträger es ist einerlei, denn nicht nur Schönborn auch die Politiker Österreichs decken Pädophile:


http://michaeltfirst.blogspot.com/2009/08/p... r-als.html

MfG
Michael Tfirst

lugojiano
20.11.2011 01:38
Roemisch Katholische Kirche <=> Teufel <=> "Illuminati"

Was kamma noch ueber diesem Organisation sagen? seit fast 2000 Jahren hat es weltweit so viel macht geuebt und regiert imma noch ingognito. Ist es nicht klar das Ihre Natur und echte ziele satanisch sind? Der "pontifex maximus" stehlt sich als Globale Fuehrer, und Gott am Erde vor(durch die Kirche lebt der alte ROM.REICH weiter!). Seine Kraft im materiele und spirituele ebene ist imma noch unvorstellbar gross. Die Mitglieder des Malteser Ordens sind ultra Reiche und maechtige Leute die oekonomisch, finanziel und politisch am spitze sitzen.Die jesuiten auf die andere seite, treffen din wichtige Entscheidungen wenn's um Welt Ordnung geht. Forschen Sie mal deutlich, weil die Geschichte ist total anders als offiziel anerkant.
Gott schuetze uns!

Jürgen Rembremerding
 
18.08.2009 19:09
"ein Dokument aus 1237 mit dem Siegel von Friedrich II"

"aus 1237": Deppendeutsch!

Nik M
18.08.2009 13:14
Ordenseinrichtungen finanziert werden können. Und die Sorge um den Nachwuchs

Meine Guete, den Bruedern fehlt einfach der Geschaeftssinn: "1970 ist der letzte Ritterbruder verstorben" - daran liegts!

Kampf gegen die Heiden ist heutzutage ein gesuchtes und eintraegliches Geschaeft. Warum das Business Junghupfern wie Blackwater (10 Jahre) ueberlassen, wo man doch 800 Jahre Erfahrung, erfolgreiche Musterprojekte (Kreuzzuege) und eine hohe Customer Sadisfaction vorzuweisen hat?

==McMurphy==
18.08.2009 16:17

hat sadisfaction mit dem marquis zu tun?

Marquis de Sade
 
18.08.2009 19:05
Ja, bitte?

Nik M
18.08.2009 16:19

Das ist nur mein oesterreichischer Akzent im Englischen

Der_Klingone
18.08.2009 11:16
Der deutsche Orden?

War das nicht der, der es damals im 13. Jahrhundert Napoleon vormachte und sich 'ne blutige Nase in Russland holte???

Jürgen Rembremerding
 
18.08.2009 14:55
Aber ein wenig mehr ist der Orden schon

Insbesondere der Ordensstaat ist ja schon ein recht interessantes historisches Phänomen mit recht imposanter Hinterlassenschaft:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia... izenie.jpg

Rose Bud
18.08.2009 14:22
Alexander Newski...

fibiundchillie
18.08.2009 12:26
blutige Nase

nasse Füße
rostige Rüstung
:))

sonja1978
18.08.2009 04:47

das bildermanagement des derstandard.at ist eine katastrophe! wenn man ein bild anklicken kann - vergrößert es sich genau um 2 millimeter! schön. sehr super.

und diese grafik über die verbreitung des deutschen ordens kann man gleich gar nicht anklicken.

kann man das nicht ein bisschen besser managen? bitte?

sonja1978
18.08.2009 19:47

danke.

und könnte das vielleicht auch derstandard.at schaffen?!

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
17.08.2009 22:42
"Im 15. Jahrhundert ging der Ordensstaat unter."

So ein Unsinn. Der Ordensstaat wurde im 16. Jh. saekularisiert. Der damalige Hochmeister trat schlicht und einfach zum Protestantismis ueber und wurde preussischer Herzog. Der livlaendische Teil existierte ueberhaupt noch weiter bis in die 1560er als dann das Herzogtum Kurland gegruendet wurde.

Jürgen Rembremerding
 
17.08.2009 22:13
Was ist ein "Laiensbruder"?

M F
17.08.2009 23:18
einer, der nicht das gelübde abgelegt hat und somit weder priester noch mönch ist!

Jürgen Rembremerding
 
18.08.2009 09:24
Ich dachte immer, das wäre ein Laienbruder!

Laiensbruder ist doch einer aus dem Laiensclub, oder?

==McMurphy==
18.08.2009 08:16

das wäre dann ein "laienbruder".

Rose Bud
18.08.2009 14:23
Fliegst übers Kuckcuksnest?

==McMurphy==
18.08.2009 15:38

...ich kreise....

Jürgen Rembremerding
 
17.08.2009 22:12
"Neuer Sitz der Ritter wurde Mergentheim in Baden-Württemberg"

Schreibt's bitte "im heutigen" rein, weil es sonst weh tut!

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