T-Mobile will "teilen" , um zu sparen

17. August 2009, 18:38
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T-Mobile-Chef Robert Chvátal: Künftig sollen Mobilfunker Netze ganz oder teilweise gemeinsam betreiben können

Mobilfunker werden ist nicht schwer, Mobilfunker sein dagegen sehr. Stimmt natürlich nur zur Hälfte, denn das "Werden" kostete hohe Lizenzgebühren und riesige Investitionen zur Errichtung der Netze.Aber noch härter trifft die Betreiber ihr eigener scharfer Preiswettkampf (zuletzt nach dem Motto "Halbe Grundgebühr" ), Deckelungen bei Roamingerlösen und sinkende Verbindungsgebühren zwischen den Netzbetreibern, die vom österreichischen Regulator immer stärker nach unten gedrückt werden. Das Ergebnis waren in den letzten Jahren kaum noch Wachstum beimUmsatz und schrumpfende Gewinne.

Gemeinsam

Und ob das nicht genug Belastung wäre kommt dazu die Notwendigkeit, in die nächste Generation des Mobilfunks(NGMN, Next Generation Mobile Networks) zu investieren, sagt Robert Chvátal, Chef der T-Mobile Austria, im Gespräch mit dem Standard. Österreich müsse dringend seine Regulierungspolitik ändern, fordert Chvátal, sonst könnten diese Investitionen nicht mehr erbracht werden. Künftig "muss das Teilen von Infrastruktur leichter werden. Es soll für Betreiber auch möglich sein, ein gemeinsames Netzwerk zu betreiben" , was bisher ausgeschlossen ist:Jeder muss sein eigenes Netzwerk haben, schreiben die Lizenzbedingungen vor.

"Teilen verhindert den Wettbewerb nicht, weil der nicht mehr über unterschiedliche Netze, sondern über die gebotenen Anwendungen läuft, Services wie Musik, spezielle Angebote für Klein- und Mittelunternehmen, oder Geräte wie das iPhone oder das Google-Handy" , erklärt Chvátal. "Das Investitionskapital in Österreich sinkt, weil der Wettbewerb in Österreich so intensiv ist. Damit wir in neue Technologien investieren können, müssen wir durch das Teilen von Netzen Kosten sparen. Das ist außerdem umweltfreundlicher, weil weniger Maste und Infrastruktur gebaut werden muss."

"halbeGrundgebühr"

Aber haben sich die Mobilfunker ihre schrumpfenden Gewinne aufgrund der heftigen Preisschlacht nicht selbst zuzuschreiben, hat "der Inder" nicht selbst "halbeGrundgebühr" und noch billigere Tarife angeboten?"Wir können nicht einfach sitzen und zuschauen, wenn ein Konkurrent offensiv ist. So lange es einenPlayer gibt, der nur auf hohe Kundenzahlen für späteren Verkauf des Unternehmens aus ist, wird es den Preiskampf geben" , sagt Chvátal in Anspielung auf Orange, das mehrheitlich einem Finanzinvestor gehört.

Heftige Kritik übt Chvátal an der Begünstigung des Festnetzes der Telekom Austria:"Die Verbindungsentgelte beim Mobilfunk werden gesenkt, während das Festnetz künftig 20 Prozent mehr bekommt." Dazu komme die angedachte Subventionierung eines Glasfasernetzes imRahmen einer Breitbandinitiative des Staates, was gleichfalls nur der Telekom Austria zugute komme.

"Förderung des Breitbands muss technologieneutral sein"

"Förderung des Breitbands muss technologieneutral sein" , sagt Chvátal. Das Argument, dass kabelgebundenes Breitband leistungsfähiger sei, lässt er nicht gelten: "Man muss realistisch sein und einsehen, dass es Regionen gibt, die nicht 50 oder 100 Megabit pro Sekunde brauchen" – die hohen Spitzenraten von Glasfasernetzen, die zum Beispiel den Download ganzer Filmen in wenigen Minuten ermöglichen.

Für die Versorgung vor allem ländlicher Räume sei die "digitale Dividende" für den Mobilfunk unerlässlich:die Abgabe der nach der TV-Digitalisierung von Fernsehanstalten nicht mehr benötigter Frequenzen. "Der ORF sitzt auf diesen Frequenzen. Fair wäre eine Teilung, die Mobilfunker sollten den Bereich von 700 bis 900 Megahertz bekommen" , um ihn für die nächste Generation des Mobilfunk NGMN verwenden zu können. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe 18. August 2009)

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