Kurzschläfer sind genetisch programmiert

17. August 2009, 18:36
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Eine Genmutation dürfte den Schlafrhythmus steuern - Mittagsschläfchen retten Leben

Sechs Stunden Schlaf pro Tag sind für viele ein wahrer Albtraum, für andere dagegen überhaupt kein Problem: Ein Forscherteam um Ying He stieß im Rahmen einer Studie auf eine Familie, in der Mutter und Tochter im Durchschnitt nur jeweils 6,25 Stunden Schlaf brauchen, während andere Familienmitglieder durchschnittlich 8,06 Stunden schlafen. Im Unterschied zu den übrigen Untersuchungspersonen wiesen die Frauen die Mutation eines Gens, des DEC2 auf, das im Zusammenhang mit der inneren Uhr eine Rolle spielt.

Versuche mit Mäusen, die mit dem veränderten Gen gezüchtet wurden, bestätigten die Theorie, dass es für die Abweichungen bei den Schlafzeiten verantwortlich ist. Die Mutation scheint jedoch relativ selten aufzutreten, schloss das Team um Ying He aus der Tatsache, dass sie nur in einer von 60 untersuchten Familien vorkam.

In Österreich schlafen fast zwei Drittel der gesunden Erwachsenen täglich sieben bis acht Stunden, weiß Bernd Saletu, Leiter des Schlaflabors im Rudolfinerhaus in Wien. Unterschiede bei den Ruhezeiten können auf verschiedenste Ursachen zurückzuführen sein. "Es spielt vor allem die genetische Veranlagung eine Rolle. Die Schlafgewohnheiten können aber auch durch extreme Temperaturen beeinflusst werden, genauso wie durch bestimmte Persönlichkeitsfaktoren: Leicht erregbare und depressive Menschen schlafen weniger. Wer unter Druck steht oder krank ist, braucht dagegen mehr Schlaf." Natürlich hängt die Dauer der Schlafperioden stets von der Länge der vorhergehenden Wachzustände ab. Im Sommer sind sie jedoch generell kürzer, da die Ausschüttung von Melatonin in der hellen Jahreszeit reduziert wird. Das schlaffördernde Hormon wird nämlich normalerweise bei Dunkelheit abgegeben.

Schlaf tut gut 

Auf jeden Fall steht fest: Wer über längere Zeit hinweg zu wenig schläft, riskiert bedenkliche Konsequenzen für Körper und Geist. Schlafmangel geht nicht nur mit Antriebslosigkeit, erhöhter Reizbarkeit und Müdigkeit während der Wachzustände, sondern auch mit Leistungsdefiziten und Konzentrationsschwäche einher. Zudem meint Bernd Saletu: "Schlaf ist wichtig für die Konsolidierung des Gedächtnisses und auch für Reparaturvorgänge im Körper."

Mittagsschläfchen schützen außerdem die Herzkranzgefäße, stellten kürzlich Wissenschafter der University of Athens Medical School und des Department of Epidemiology der Harvard School of Public Health fest. Ihre Studie mit Daten von mehr als 23.000 Griechen zeigt, dass Untersuchungspersonen, die mindestens dreimal wöchentlich eine halbe Stunde lang Siesta hielten, das Risiko für einen tödlichen Herzinfarkt um 37 Prozent reduzierten. Teilnehmer, die sich zumindest gelegentlich der Mittagsruhe hingaben, wiesen ein um zwölf Prozent geringeres Infarktrisiko auf. Besonders ausgeprägt war das Phänomen bei berufstätigen Männern.

Bernd Saletu hält die Ergebnisse für durchaus plausibel: "Wer in der Nacht zu wenig schläft, leidet oft unter hohem Blutdruck - ein Risikofaktor für Herzinfarkt. Durch ein Mittagsschläfchen könnte man die Schlafdefizite ausgleichen." Aber: "Ein Mittagsschlaf sollte nicht zu lang sein, sonst fehlt der nächtliche Schlafdruck und man kann am Abend nicht einschlafen. 20 Minuten wären am besten." (Natalie Bachl/DER STANDARD, Printausgabe, 18. 8. 2009)

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    Im Schlaf verarbeiten wir Erlebnisse, erholen uns von den Strapazen des Tages und beugen Herzinfarkten vor.

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