Echo der Klampfendrescher

17. August 2009, 18:16
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Ein paar Anekdoten und viel Allerweltsmeinungen machten offenbar: Woodstock war weit weg und ist es noch immer

Schillers Räuber waren eine Revolution, Woodstock nicht, sprach der Mann, der als Kritiker in den 1960er-Jahren Rockmusiker für „weibisch anmutende Klampfendrescher" hielt. Hendrix und Cohen habe er damals „vernichtet", sagte Michael Jeannée im Rückblick auf seinen Karrierebeginn. In der Doku Woodstock und wir sang er Sonntagabend im ORF die reaktionäre Gegenstimme zum Chor jener, die dem Festival eine kultur-, sozial- oder sonst eine geschichtliche Bedeutung zugestanden.

Ja, es ist wieder passiert. Ein Pop-Gemeinplatz wird anlässlich eines runden Geburtstags aufgekocht, und Rudi Dolezal schüttelt eine Doku aus dem Ärmel. Nachdem die noch volkstümlichere Erklärsendung Sommerzeit am Freitag der kontemporären Scheuklappengesellschaft näherbringen wollte, was damals los war, kümmerte sich Woodstock und wir um die rudimentären Auswirkungen des symbolhaften Ereignisses auf das im kleinbürgerlichen Tiefschlaf (Jeannée!) liegende Österreich von damals. 

Die üblichen Austropop-Verdächtigen (Wolfgang Ambros, Schiffkowitz, Ewald Pfleger von Opus) und ein paar Medienleute (Eberhard Forcher, Robert Menasse, Walter Gröbchen) veranschaulichten, dass Österreich zuerst einmal gar nichts mitbekommen hatte. Erst durch den Film und den Soundtrack gab's Einflüsse, die sich auf die heimische Musikproduktion auswirkten und Songs wie Ambros' Du schwarzer Afghane (1976) möglich machten. 

Ein paar Anekdoten von Forcher (der gehört hat, dass Santana hackedicht auf der Bühne war) oder Menasse (der zur Woodstock-Zeit in ein Internat gesperrt war) und viel wiederkäuende Allerweltsmeinungen machten offenbar: Woodstock war weit weg und ist es noch immer. (Alois Pumhösel, DER STANDARD; Printausgabe, 18.8.2009)

  • Ambros und Dolezal sinnierten über Woodstock.
    orf/doro/das medienstudio

    Ambros und Dolezal sinnierten über Woodstock.

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