Neue DNA-Spuren und 1000 Hinweise

17. August 2009, 17:57
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Bei Hausdurchsuchungen wurden neue Hinweise zur Tempel-
schießerei vom 24. Mai gesammelt. Eine Spur führt nach Spanien. Fünf Verdächtige sind weiter in U-Haft.

Wien - Knapp drei Monate nach dem Anschlag auf den indischen Ravi-Dass-Tempel in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus laufen die Ermittlungen der Polizei weiter auf Hochtouren. "Wir haben neue DNA-Spuren" , betonte Polizeisprecher Michael Takacs am Montag. Konkrete Hinweise auf mögliche Komplizen der derzeit fünf inhaftierten Verdächtigen oder mögliche Hintermänner gebe es aber nicht. Weitere Hausdurchsuchungen werden nicht ausgeschlossen.

Neben Österreich wird auch in Spanien ermittelt, bestätigte Takacs einen Bericht auf orf.at. Es handle sich allerdings um Routineüberprüfungen und keinen neuen Ermittlungsansatz. Einer der bereits verhafteten Verdächtigen habe einen Bezug zu dem Land. Laut Takacs war er in Spanien kurzfristig aufhältig. Man überprüfe, was er dort gemacht habe.

Die Erhebungen werden wahrscheinlich noch Monate dauern, betonte der Sprecher. Nach weiteren Hausdurchsuchungen in den vergangenen Wochen gebe es mehr als 1000 Hinweise, die noch ausgewertet werden müssten. Zusätzlich sei man weiter mit Nachforschungen über die rund 300 Tempelbesucher beschäftigt, die sich während des Anschlags in dem Gebetshaus befanden.

Kontakt mit Botschaft

"Wir konzentrieren uns auf die Täter und darauf, dass wir möglichst viele Beweise zusammentragen" , betonte Takacs. Weitere Hausdurchsuchungen seien nicht ausgeschlossen. Mit dem bei der Schießerei schwer verletzten Führer der Ravi-Dass-Glaubensströmung, Sant Niranjan Dass, stehe man über die indische Botschaft in Kontakt. "Wir wissen, dass es ihm gut geht" , so der Polizeisprecher.

Wie der Standard berichtete, war am 24. Mai während einer Predigt in dem Ravi-Dass-Gebetshaus in der Pelzgasse der in seiner Heimat bekannte indische Prediger Sant Rama Anand (Nand) durch Schüsse von Tempelbesuchern getötet worden. Der ebenfalls aus Indien angereiste Sant Niranjan Dass erlitt wie zehn Tempelbesucher Verletzungen.

Unruhen in Indien

Der Überfall hatte im indischen Punjab eine Gewaltwelle losgetreten. In der Stadt Jalandhar, dem Zentrum der Unruhen, lieferten sich wütende Anhänger des Mordopfers schwere Straßenschlachten mit der Polizei. In anderen Regionen blockierten Protestierende eine Hauptverkehrsstraße und steckten Züge in Brand.

Fünf Hauptverdächtige, die unmittelbar nach dem Attentat festgenommen worden waren, befinden sich in U-Haft. Im Gefängnis sitzt auch ein 26-Jähriger, der im Juni bei einer Hausdurchsuchung in der Causa zwei Schüsse auf Cobra-Beamte abgefeuert hatte. Verletzt wurde niemand. Die Polizei geht davon aus, dass der österreichische Staatsbürger mit indischen Wurzeln aus Angst zur Waffe gegriffen und mit dem Attentat eher nichts zu tun hatte. Er soll aber mit den mutmaßlichen Tätern zumindest persönlichen Kontakt gehabt haben. (APA, simo/DER STANDARD-Printausgabe, 18.8.2009)

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    In diesem Haus im 15. Wiener Gemeindebezirk ist auch das Sikh-Gebetshaus untergebracht, in dem im Mai das Attentat verübt wurde. Die Polizei führt hier immer noch verstärkten Streifendienst.

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