Ökoprämie fließt ins Ausland

17. August 2009, 17:45
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Deutsche Autohersteller haben nichts vom Zuschuss

Berlin - Die deutsche Abwrackprämie hat Autohäusern und Pkw-Importeuren mitten in der Wirtschaftskrise einen Boom beschert. Deutsche Autohersteller und Werkstätten erlitten dagegen trotz der milliardenschweren Subvention heftige Einbußen, wie eine am Montag veröffentlichte Bilanz des Statistischen Bundesamtes zeigt.

Danach stieg der Umsatz im Pkw-Handel von Jänner bis Mai um 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Neuzulassungen legte sogar um 22,8 Prozent zu - angekurbelt von der Abwrackprämie von 2500 Euro für die Verschrottung von Altautos. Die enorme Differenz zwischen Umsatz- und Zulassungsplus erklärten die Statistiker mit dem Trend zu billigeren Autos.

Die deutsche Autoindustrie mit ihren zahlreichen Zulieferern erlitt trotz des Abwrackbooms heftige Einbußen. Ihre Umsätze fielen von Jänner bis Mai um fast ein Drittel auf knapp 100 Milliarden Euro. Gleichzeitig wurden deutlich mehr Fahrzeuge nach Deutschland eingeführt. Die Zahl der Importe stieg um 11,5 Prozent. Die deutschen Hersteller exportierten dagegen rund 38 Prozent weniger Fahrzeuge ins Ausland. Die mit fünf Mrd. Euro budgetierte Prämie dürfte in rund vier Wochen ausgeschöpft sein.

Zu den wenigen Gewinnern zählt der VW-Konzern. Er hat seine weltweiten Auslieferungen im Juli zum dritten Mal in Folge steigern können. Mit 556.900 Fahrzeugen verkaufte Europas größter Hersteller 6,7 Prozent mehr Autos als im Vorjahresmonat, wie Volkswagen am Montag in Wolfsburg mitteilte. Die Marke VW habe sogar ein Plus von 15,2 Prozent erreicht. Die weitere Entwicklung sei aber mit Vorsicht zu betrachten, sagte Vertriebschef Detlef Wittig. In den ersten sieben Monaten 2009 hat der VW-Konzern 3,65 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, ein Minus von 3,5 Prozent. Der Gesamtmarkt verzeichnete einen Rückgang von rund 16 Prozent. Positiv lief die Entwicklung für VW vor allem auf den Kernmärkten Deutschland und China.

Die Talfahrt der VW-Aktie ging auch am Montag weiter. Für Verunsicherung sorgen vor allem Gerüchte, wonach das Emirat Katar auf einer Basis von 130 Euro je Anteilsschein beim deutschen Autobauer einsteige. An der Börse gaben die Stammaktien am Vormittag um bis zu elf Prozent auf 169 Euro nach, am Nachmittag erholte sich das Papier etwas. Auch eine mögliche Eliminierung des Wertes aus dem deutschen Leitindex Dax wegen des sinkenden Streubesitzes drückte auf den Kurs.

Katar hält künftig 17 Prozent an Volkswagen. Zudem gehen zehn Prozent der Porsche-Stammaktien aus dem Bestand der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch an eine Holding des Emirats. Ebenso ein Großteil der Optionen auf VW-Stammaktien. (red, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2009)

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