Investoren für neuen Trabi gesucht

17. August 2009, 17:40
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Er könnte den Neumodellen der großen Autohersteller in Zeiten der Krise die Show stehlen: Der Trabant, Ikone der DDR

Er könnte den Neumodellen der großen Autohersteller in Zeiten der Krise die Show stehlen: Der Trabant, Ikone der DDR, soll von sächsischen Unternehmern eine Neuauflage erfahren. Noch fehlen aber Investoren.

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Frankfurt - Vor genau zwanzig Jahren, als DDR-Bürger in Massen über die plötzlich offenen Grenzen zwischen Ungarn und dem Burgenland anfuhren und so das Anfang vom Ende des deutschen Bauern- und Arbeiterstaates einläuteten, kamen sie in einem Symbol des kommunistischen Staates angereist: im "Trabi" , genauer gesagt im Pkw-Modell Trabant, hergestellt von den VEB Sachsenring Automobilwerken in Zwickau. Diese standen in Staatseigentum, versteht sich. Der mit einem luftgekühlten Zweitaktmotor angetriebene Plastik-Bomber wurde dort seit dem Jahr 1957 gebaut, im April 1991 wurde die Produktion eingestellt.

"New Trabi" im Anrollen

Jetzt soll ein neuer Trabant kommen, mit dem Kürzel NT für "New Trabi" versehen, und er wird mit einem Elektromotor angetrieben, der unter anderem von Solarzellen im Dach gespeist werden soll. Zumindest der Prototyp, den der Spezialfahrzeug-Produzent Indikar und der Markeninhaber, der Spielzeug-Autohersteller Herpa, bei der kommenden Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt, der weltweit wichtigsten Pkw-Messe, heuer Anfang September herzeigen will. Dort setzt man sich auf den heuer vorherrschenden Trend, denn das Thema Elektroauto wird beim Branchentreff heuer auf jeden Fall alles andere überlagern. Weiters hat die Krise gezeigt, dass in Zeiten wie diesen vor allem kleinere, billigere Automobile nachgefragt werden.

Investoren gesucht

Ob der neue Trabi jemals gebaut wird, ist freilich noch nicht fix, denn noch fehlen die Investoren, die eine Serienfertigung ab 2012 ermöglichen. Auch für die Suche derselben soll die von internationalen Medien bestbesuchte Plattform IAA genutzt werden, ließ die sächsische Firma Indikar jetzt wissen.

Erstmals vorgestellt wurde die Idee eines neuen Trabi von Herpa in Form eines - logisch - Modells bereits zum 50. Geburtstags des Ostmobils auf der IAA 2007. Damals sprachen sich rund 12.000 Messebesucher dafür aus, den Trabi wiederzubeleben.

Der NT wird keine völlige Neukonstruktion, das könnte sich ein unababhängiger Hersteller heute auch kaum leisten. Der Wagen wird voraussichtlich auf ein bestehendes Modell aufgesetzt, im Gespräch war vor zwei Jahren etwa der VW-Golf-Konkurrent Einser-BMW.

Dabei sollen Stilelemente der Karosserie an den alten Trabant erinnern. Er soll aber mit vier Sitzen und einem großen Kofferraum geräumiger werden als das mittlerweile zur Stilikone für Ostalgisten mutierte Modell 601.

Technisch muss man sich beim DDR-Auto nichts abschauen, denn in dieser Hinsicht war der alte Trabi von der realsozialistischen Mangelwirtschaft geprägt. Die baumwollverstärkte Kunststoffkarosserie - von ihr auch der Spitzname: "Rennpappe" - wurde zum Beispiel nur deswegen gewählt, weil russischer Stahl für die Autoproduktion ungeeignet war und Importe aus dem Westen zu teuer, um daraus ein für die werktätigen Massen erschwingliches Auto zu bauen. An der Niedrigpreispolitik sollen die neuen Trabanten übrigens festhalten, so die Ankündigung in Frankfurt. (szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2009)

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    Die East Side Gallery, ein Stück bemalter Berliner Mauer, ist längst Kult, wie der Trabi auch. Nun soll er Wiederauferstehung feiern. Bei der Automobilausstellung in Frankfurt wird der New Trabi vorgestellt. F.: AP

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