"Jetzt seh ich sogar noch Bratislava"

17. August 2009, 17:35
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Die Angst vor randalierenden Sky-Europe-Gästen war unbegründet. Der Großteil nahm es gelassen und mit Humor, statt ab Wien in Bratislava zu starten

Wien/Bratislava - "Hast du Busdienst? Ich hätte hier noch zwei Athener" , ruft die Swissport-Mitarbeiterin ihrer Kollegin zu. Sie steht vor der Abflughalle des Flughafens Schwechat.

Von hier fahren die Busse los, die Sky-Europe-Passagiere seit vergangenem Freitag zum Flughafen nach Bratislava bringen. Alle Sky-Europe-Flüge, die sonst von Schwechat starten, wurden in die slowakische Hauptstadt umgeleitet, weil die Fluglinie ihre Schulden beim Flughafen Wien nicht bezahlt hat. Passagiere müssen sich jetzt in Wien ihre Bordkarte holen, dann werden sie nach Bratislava gebracht, wo ihr Gepäck eingecheckt wird und die Maschine tatsächlich abfliegt.

Die Kollegin, die "Busdienst" hat, sitzt sonst am Check-in-Schalter und stellt Bordkarten aus. Jetzt hakt sie die beiden Passagiere für denFlieger nachAthen auf einem Zettel ab und zeigt ihnen ihren Platz im Bus. In sieben Jahren am Flughafen habe sie so etwas noch nie erlebt, erzählt sie dem Standard. "Am Anfang waren wir nervös, weil wir nicht wussten, wie die Leute reagieren würden. Wir dachten, wir müssten die Polizei holen, um rabiate Passagiere zu beruhigen. Die meisten zeigen aber Verständnis und nehmen es gelassen."

So auch die Familie Rumetshofer. "Wenn kein gröberes Unglück passiert, ist die Welt in Ordnung" , sagt Familienältester undReiseleiter Gerhard. Ihr Flug nach Athen hätte planmäßig um 12 Uhr in Wien starten sollen, neuer Starttermin ist jetzt 13.30 Uhr in Bratislava. Kurz nach elf steigen sie zusammen mit 50 anderen Reisenden in den Bus.

Die Rumetshofers sind zu elft unterwegs, fünf Erwachsene und sechs Kinder imVolksschulalter. Gebucht haben sie bereits Anfang Mai, 2200 Euro haben sie für die Tickets hin und retour bezahlt. Die kommenden acht Tage wollen sie inGriechenland Urlaub machen.

Aus den Medien haben sie von der Änderung ihrer Reiseroute erfahren. Angst, nicht mehr zurückfliegen zu können, haben sie keine. "Wir kommen schon irgendwie nach Hause" , ist Gerhard Rumetshofer überzeugt. "Wenn wir den Zug nehmen müssen, verlangen wir das Geld nachher von Sky Europe." Genauso, wie die Stornogebühr für ihre Fährtickets nach Paros. Die mussten sie wegen der Verspätung umbuchen.

Um 11.30Uhr fährt der Bus ab. Die "Bitte nicht rauchen" - und "Anschnallen" -Zeichen leuchten auf. Urlaubsstimmung liegt in der Luft, als ob alle Passagiere bereits im Flieger säßen. Nach 40 Minuten tauchen die Plattenbauten am Stadtrand von Bratislava auf, kurz darauf die Burg, die über der Stadt thront. Einige Reisende zücken ihre Fotoapparate, einer filmt sogar mit. Um 12.30 Uhr, eine Stunde nach der Abfahrt, kommt der Bus am Flughafen Bratislava an. Auf dem Parkplatz zeigt das Thermometer 32 Grad. "Heast, so schnö wor ma no nie inGriechenland" , kommentiert ein Passagier die Ankunft.

Kurz nachdem die Truppe zum Check-in verschwunden ist, kommen schon die Rückreisenden aus Athen, die eigentlich inWien hätten landen sollten. Nicht alle bekommen einen Platz im ersten Bus, etwa 30 Leute müssen auf den nächsten warten. Doch auch hier gibt es Optimisten. Zumindest ein Kind freut sich: "Jetzt seh ich sogar noch Bratislava."

Am Flughafen Wien werden indessen Verhandlungen über eine Rückkehr von Sky Europe dementiert. Eine weitere Stundung der Gebühren wäre auch gegenüber den anderen Airlines, die pünktlich zahlen, nicht argumentierbar. Aufatmen dürfte nach dem Rückzug von Sky Europe neben AUA/Lufthansa auch Air France, dass die ruinöse Preisschlacht beendet werden kann. Die aktuellen SkyEurope Außenstände am Airport (seit der Insolvenz) sollen bei 600.000 Euro liegen. (Tobias Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2009

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    Sky-Europe-Passagiere warten in Schwechat auf den Bus, der sie nach Bratislava bringen soll. Zehn bis 15 Flüge und etwa 1500 Passagiere sind pro Tag von der Umleitung betroffen.

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