Islamisten greifen UN-Hilfswerk an

17. August 2009, 17:33
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Ob die Hilfsarbeit weitergeht, ist derzeit unklar - Drei der Angreifer wurden getötet.

Nairobi/Wajid - Die Abendgebete in den Moscheen waren schon lange verklungen, als ein Trupp schwerbewaffneter Männer sich in der Nacht zum Montag an den Stützpunkt des UN-Welternährungsprogramms (WFP) in Wajid heranschlich. Von den Sicherheitsleuchten des von einem hohen Zaun umgebenen Geländes abgesehen, erleuchten nachts nur die Sterne die Straßen der zentralsomalischen Stadt. Entsprechend groß war die Überraschung, als gegen dreiundzwanzig Uhr die ersten Schüsse fielen. "Wir standen einige Minuten lang unter Beschuss, dann haben unsere Wachen zurückgeschossen" , sagt ein WFP-Mitarbeiter. "Die Angreifer wollten vermutlich den Stützpunkt einnehmen und die ausländischen Helfer entführen."

Der Mitarbeiter geht davon aus, dass es sich um Islamisten handelt, die einer militanten Splittergruppe angehören und nicht aus der Region stammen. Drei Angreifer wurden erschossen, mehrere andere verletzt.

Die ausländischen WFP-Mitarbeiter, die sich auf dem Gelände in Wajid befanden, wurden noch in der Nacht unversehrt nach Kenia ausgeflogen.

Für Helfer wird Somalia immer gefährlicher. Der Überfall auf das Gelände in Wajid, die größte Einrichtung dieser Art in Somalia, ist nur einer von vielen Fällen. Nur Stunden zuvor war am Stadtrand von Mogadischu ein Mitarbeiter der somalischen Hilfsorganisation "Daryeel Bulsho Guud" , einem Partner der deutschen Hilfswerke Diakonie und Brot für die Welt, vor seinem Haus regelrecht hingerichtet worden. Ein Jahr zuvor war der Vize-Direktor der gleichen Gruppe ermordet worden. Weil helfen in dem Land, das seit 18 Jahren keine funktionierende Regierung hat, lebensgefährlich ist, erreichen immer weniger Hilfsgüter die notleidende Bevölkerung. Dabei sind 3,3 Millionen Somalis, ein Drittel der Bevölkerung, auf Hilfsgüter angewiesen. Alleine von Wajid aus wurden 1,3 Millionen Bedürftige versorgt.

Die Lage war nicht immer so: "Vor einem Jahr konnte ich noch vollkommen unbehelligt durch Wajid joggen" , sagt Ulrik Pedersen, Direktor im WFP-Büro in Wajid. Doch seit vor gut sechs Monaten in kurzem Abstand vier WFP-Mitarbeiter in anderen Teilen Somalias erschossen wurden, geht er nur in Begleitung von einem guten Dutzend bewaffneter Leibwächter außer Haus.

Wajid wird von der Shabaab kontrolliert, den radikalen Islamisten, die gegen die machtlose Regierung von Präsident Sharif Sheikh Achmed kämpfen und denen die USA Verbindungen zum Al-Kaida-Netzwerk vorwerfen. Doch sie sind es nicht, vor denen Pedersen Angst hat. "Wir arbeiten eng mit den lokalen Machthabern zusammen" , sagt der Däne. "In der praktischen Zusammenarbeit spielt es keine Rolle, zu welcher Fraktion sie gehören - die Nahrungsmittellieferungen sind für alle Beteiligten zu wichtig." Gefährlich seien die nomadischen Banden, die von niemandem kontrolliert werden und oft kriminelle Ziele haben. "Wenn man fünf Millionen Dollar damit machen kann, indem man einen Ausländer entführt, ist das für verdammt viele Leute sehr verführerisch." So verführerisch, dass in Somalia derzeit immer noch 13 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in der Hand von Entführern sind. Sechs Angestellte der französischen "Aktion gegen Hunger" waren erst am Wochenende frei gekommen.

Unklar war noch am Montag, ob das WFP seine Arbeit in Zentralsomalia einschränken wird. Ein Ende der Hilfe ist auch aus humanitären Gründen kaum denkbar. Nachdem die Regenzeit in zwei Dritteln des Landes ausgefallen ist, droht eine Dürre die Hungersnot im Bürgerkriegsland noch zu verschärfen. (Marc Engelhardt/DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2009)

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    Für militante Gruppen in Somalia ist es lukrativ, Ausländer zu entführen. Dabei ist aber die Versorgung der notleidenden Bevölkerung bedroht.

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