Der mäßige Druck auf die Ölpreise

17. August 2009, 16:54
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Realistische Wirtschaftsprognose: IHS-Replik auf Andreas Postner - Von Ulrich Schuh und Klaus Weyerstraß

Andreas Postner argumentiert (Standard, 11. 8.), dass die jüngste Wirtschaftsprognose des IHS eine unplausible Entwicklung des Ölpreises unterstellt. Das prognostizierte Wirtschaftswachstum ist aus seiner Sicht mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 81 US-Dollar im Zeitraum 2009 bis 2013 nicht vereinbar. Als Unterstützung für seine Argumentation führt er Warnungen internationaler Institute ins Treffen, die vor einer Ölkrise ab 2010 warnen.

Da er unterstellt, dass bei der Prognose Sachverhalte übersehen wurden, möchten wir vonseiten des IHS folgende Überlegungen darstellen. Für Prognosen müssen Annahmen über die Entwicklung der internationalen Rahmenbedingungen getroffen werden. Beim Ölpreis verwendet das Institut - neben verfügbaren Prognosen - ein eigenes Modell, das den Zusammenhang zwischen globaler Wirtschaftsentwicklung und Angebot/Nachfrage nach Rohöl abbildet. Das Institut erwartet einen durchschnittlichen Ölpreis von 81 Dollar im Zeitraum 2009 bis 2013. Hinter diesem Wert verbirgt sich ein angenommener schrittweiser Anstieg des Rohölpreises von unter 50 Dollar zu Beginn des Jahres 2009 und aktuell rund 70 Dollar auf 90 Dollar bis zum Jahr 2013. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die mittelfristige Prognose des IHS ein mäßiges jährliches Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent für den OECD-Raum prognostiziert. Das Niveau der gesamtwirtschaftlichen Produktion des Jahres 2008 wird demnach erst im Jahr 2012 geringfügig übertroffen.

Zwar geht das IHS davon aus, dass die Erdöl-Nachfrage in den aufstrebenden Ökonomien China und Indien in diesem Zeitraum stark steigen wird, dem steht aber erstens ein dämpfender Effekt durch globale Substitution zu alternativen Energieträgern und zweitens der Trend eines dienstleistungsgetriebenen Wachstums in den OECD-Staaten gegenüber. Daneben wird auch in China und Indien angesichts der zunehmenden Umweltbelastung ein Trend zu "saubereren" Technologien und damit zu einer geringeren Korrelation zwischen Wirtschaftswachstum und Ölverbrauch einsetzen - ein Trend, der in den OECD-Staaten bereits seit den Ölkrisen in den 1970er-Jahren zu beobachten ist.

Vonseiten der Nachfrage wird daher lediglich mäßiger Druck auf die Ölpreise ausgeübt. Mit dieser Annahme befinden wir uns übrigens in Gesellschaft mit der OECD, die bei ihrer aktuellen mittelfristigen Prognose für die Mitgliedstaaten bis zum Jahr 2017 von einem realen jährlichen Anstieg der Rohölpreise um drei Prozent ausgeht. Auf allmählich steigende Ölpreise angesichts der steigenden Nachfrage und tendenziell zunehmender Explorationskosten kann sich die Wirtschaft einstellen. Wir möchten den Vorwurf der "Verschleierung" entschieden zurückweisen. Aufgabe der Konjunkturforschung ist es, einen realistischen Ausblick in die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zu bieten. Genau das hat das IHS mit der jüngsten mittelfristigen Prognose auch getan. (Ulrich Schuh, Klaus Weyerstraß, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2009)

Autoren

Ulrich Schuh und Klaus Weyerstraß sind Wirtschaftsexperten des IHS

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