Liebe, aber noch mehr Eifersucht

17. August 2009, 16:27
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Berühmt ist er ja in erster Linie für seine Oratorien: Georg Friedrich Händel, Großmeister der Barockmusik, dessen 250. Todestag die Musikwelt heuer begeht

Zum Stichwort Oper fällt einem indes in der Regel bloß der Julius Caesar ein, eventuell noch Rinaldo. Bei den Donau-Festwochen im Strudengau, einem Festival, das schon seit 14 Jahren jeden August eine Barockoper im Hof der oberösterreichischen Burg Grein zeigt, steht jedoch Almira, Königin von Kastilien, oder: Der in Kronen erlangte Glückswechsel auf dem Programm. Eine veritable Ausgrabung: 262 lange Jahre gab es keine Inszenierung dieses Werks. Trotzdem nimmt Almira im Händel'schen Œuvre einen bedeutenden Platz ein: Sie war der Opernerstling des 19-jährigen Komponisten, und das Textbuch ist in deutscher Sprache. In Grein konnte man sich davon überzeugen, dass Händel schon als Jugendlicher zu einer reifen Musiksprache gefunden hatte. In 36 Nummern und zahlreichen Rezitativen zieht er alle Register des Gefühlsausdrucks.

Und für Gefühle ist in der Almira reichlich gesorgt: Liebe, aber noch mehr Eifersucht, falsche Anschuldigungen und Missverständnisse, ein unschuldig in den Kerker Geworfener und schließlich eine unwahrscheinliche Auflösung im Deus-ex-Machina-Stil, das beschäftigte die fünf Solisten fast drei Stunden lang in voller Intensität. Regisseur Ches Themann lässt Barbara Kraus (Almira), Elfi Burger (Edilia), Christian Zenker (Fernando), Maximilian Kiener (Osman) und Michael Wagner (Consalvo) außerdem fleißig auf der Bühnenkonstruktion und in den Arkaden der Greinburg herumturnen. Und auch sonst gibt es etliche Gags; Opera seria darf nicht zu ernst genommen werden. Weniger gelungen ist der Regieeinfall, den greisen Händel während der gesamten Aufführung anwesend sein zu lassen. Intendantin der Strudengau-Festwochen ist keine geringere als die weltweit als Barockspezialistin gefragte Michi Gaigg. Sie dirigiert die von ihr ausgewählte Almira selbst. Es spielte (anstelle des L'Orfeo Barock Orchester) ein für den Anlass zusammengestelltes 15-köpfiges Ensemble aus Jungmusikern mit großer Spielfreude. (kivi, DER STANDARD/Printausgabe, 18.08.2009)

  • Fernando (Christian Zenker) und die titelgebende Almira (Barbara Kraus) in Händels Barockoper.
    foto: brandstätter

    Fernando (Christian Zenker) und die titelgebende Almira (Barbara Kraus) in Händels Barockoper.

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