Ein Wagenplatz für eine Nacht

17. August 2009, 16:45
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Die Wagenburg Baumgasse zog Montagmorgen auf die Aspanggründe - doch schon am Dienstag muss sie wieder weg

"Wenigstens einmal möchte ich hier schlafen", stöhnt Alexandra. Montag morgen kurz nach Tagesanbruch, "nach nur zwei Stunden Schlaf", waren sie und die anderen ZwischennutzerInnen der Freifläche in der Baumgasse mit ihren Wohnwägen hierher, auf die Aspanggründe gefahren. Wo in ein paar Jahren das Gewerbe- und Wohnzentrum "Eurogate" entstehen soll, sehen sie für sich günstige Bedingungen: "70.000 Quadratmeter Fläche, zentral gelegen, und keine Anrainer direkt daneben - das passt schon gut", sagt Wagenplatz-Bewohnerin Miriam. Der alte Standort bei der Baumgasse in Wien-Landstraße musste bis 20. August geräumt werden.

Doch die Hoffnung auf eine vorübergehende Bleibe währte nur kurz: Schon bald nach der Besetzung waren Vertreter der Bundesimmobiliengesellschaft BIG, welcher der Grund gehört, vor Ort, eine Besitzstörungsklage im Laufen. Bis Dienstag, 16 Uhr, hat die Gruppe nun Zeit, den Grund zu verlassen.

"Wir wollen dort niemanden"

Zwar stünden im Moment keine Bauarbeiten an. "Aber es scheitert an der Widmung", sagt BIG-Sprecher Ernst Eichinger zu derStandard.at. Jene Fläche, auf der die Busse stehen, sei Gewerbe- und Verkehrsfläche, und kein Wohngebiet. Aber selbst, wenn dem so wäre, würde man die  WagenbewohnerInnen nicht bleiben lassen, sagt Eichinger: "Wir wollen dort niemanden campieren, wohnen, oder sonst etwas lassen. Außerdem haben wir kein Verständnis für die Vorgangsweise, ein Gebiet einfach zu besetzen."

"Wenn alle erst auf eine Einverständniserklärung gewartet hätten, dann gäbe es bis heute keine Wagenplätze", verweist ein Bewohner auf Verhältnisse anderswo. In Deutschland gibt es rund 30 Wagenburgen.

Genug vom Dauer-Übersiedeln

Während die zweite Hälfte des früheren Simmeringer Wagenplatzes zumindest bis auf weiteres in der Freudenau bleibt, müssen Miriam, Alexandra und Co. nun erneut umziehen. Wohin, wissen sie noch nicht. Schön langsam hätten sie genug vom Nomadenleben. "Alle zwei Jahre umziehen ist ja okay", sagt Miriam. Aber alle paar Monate etwas Neues suchen müssen - das geht einfach nicht. Vor allem nicht im Winter."

Längere Verhandlungen mit der Stadt Wien über ein Grundstück in der Lobau waren gescheitert, nachdem der zuständige Wohnbaustadtrat Michael Ludwig über die Medien ein neues Angebot präsentiert hatte (derStandard.at berichtete). Ein Teil des früheren Wagenplatzes zog danach in die Hafenzufahrtsstraße im zweiten Bezirk, der andere in die Baumgasse. (Maria Sterkl, derStandard.at, 17.8.2009)

  • Am Montag um sieben Uhr früh rollten die Busse der Wagenburg Baumgasse auf den Aspanggründen ein
    derstandard.at/mas

    Am Montag um sieben Uhr früh rollten die Busse der Wagenburg Baumgasse auf den Aspanggründen ein

  • Bis Dienstag nachmittag können sie hier bleiben - die Bundesimmobiliengesellschaft setzte eine Räumungsfrist
    derstandard.at/mas

    Bis Dienstag nachmittag können sie hier bleiben - die Bundesimmobiliengesellschaft setzte eine Räumungsfrist

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