Frauenthal fährt Kfz-Geschäft zurück

17. August 2009, 13:42
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70 Stellen wackeln in Judenburg

Wien - Mehr Schatten als Licht fällt derzeit auf die beiden österreichischen Produktionsstandorte der börsenotierten Frauenthal Holding in der Steiermark. Während die Fertigung der Porzellanfabrik in Frauenthal derzeit mit millionenschweren Investitionen ausgebaut wird, weil das Kraftwerkskatalysatorengeschäft brummt, wird in Judenburg weiterhin der Sparstift angesetzt. 70 Mitarbeiter sollen dort aus der Kurzarbeit heraus "vorübergehend gekündigt" werden, hieß es heute, Montag, aus dem Unternehmen. In Frauenthal hingegen werden 20 neue Stellen geschaffen.

"Wir haben in Judenburg ein Programm, wo wir die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit heraus vorübergehend kündigen", sagte Finanzvorstand Martin Sailer im Gespräch mit der APA. Aus diesem Titel heraus würden rund 70 Mitarbeiter befristet auf drei Monate "freigesetzt". Zusätzlich gebe es "permanente Reduktionen", so der Finanzchef. Nachdem in Judenburg bereits im Vorjahr 50 Stellen gestrichen wurden, fallen heuer weitere 70 weg. Österreichweit beschäftigt die Frauenthal-Gruppe etwa 1.400 Mitarbeiter an den beiden Produktionsstandorten in der Steiermark sowie im Dienstleistungszentrum und in der Holding in Wien.

Krise schlägt voll zu

"Judenburg ist sehr stark von der Krise im Nutzfahrzeugbereich betroffen", erklärte Sailer. An dem Standort werden Stahlfedern für die Anhänger von schweren Zugmaschinen hergestellt. Hier mangelt es an Abnehmern. Denn die Produktion von neuen Anhängern sei noch stärker eingebrochen als die Fertigung von Zugmaschinen.

2008 erwirtschaftete das Unternehmen 53 Prozent des Umsatzes und etwa zwei Drittel des Ertrags im automotiven Bereich. Der Sanitärgroßhandel machte rund 39 Prozent des Umsatzes und 20 Prozent des Gewinns aus. Die restlichen Anteile entfallen auf das Segment Industriekeramik (8 Prozent des Umsatzes, 15 Prozent des Ertrags), das derzeit boomt.

Allein in die Verdoppelung der Produktionsmengen von Kraftwerkskatalysatoren werden heuer 5,2 Mio. Euro investiert - der überwiegende Teil davon fließt in die Kapazitätserweiterung der Porzellanfabrik Frauenthal GmbH im gleichnamigen steirischen Ort. "Wir brauchen die Kapazitäten für den asiatischen Markt, den wir jetzt ganz stark beliefern", sagte der Frauenthal-Vorstand. Zu den wachsenden Exportmärkten zählen neben China und Korea aber auch die USA. China sei aufgrund neuer Umweltschutzauflagen der größte Hoffnungsmarkt.

Optimierung der Kostenstruktur

Parallel zur Kapazitätsaufstockung in Frauenthal werden dort wegen der stark steigenden Produktionsmengen bei Kraftwerkskatalysatoren Fremdlieferungen durch Eigenfertigung ersetzt. Dadurch sollen Lieferengpässe künftig vermieden werden. "Das verbessert unsere Kostenstruktur", betonte Sailer. Bisher wurden die Blech- und Metallteile für die Katalysatoren ausschließlich von Lieferanten bezogen. Die Produktionsmengen bei den Kraftwerkskatalysatoren hätten sich innerhalb von nur zwei Jahren nahezu verdoppelt. Das neue Metallbearbeitungszentrum in Frauenthal mit rund 1.000 Quadratmeter Lagerfläche soll im Oktober fertiggestellt sein, der Spatenstich erfolgte Ende Juli.

Wie berichtet schrieb die Frauenthal Holding AG im ersten Halbjahr 2009 rote Zahlen: Der Konzernumsatz der Gruppe brach aufgrund des schwierigen Marktumfeldes im Nutzfahrzeugbereich in den ersten zwei Quartalen um 34 Prozent auf 218,4 Mio. Euro ein. Die Folgen der Krise im automotiven Bereich waren verantwortlich für das negative Betriebsergebnis (EBIT) von -18,3 Mio. Euro. Der Verlust im ersten Halbjahr beläuft sich auf 20,0 Mio. Euro nach 12,1 Mio. Gewinn im Vorjahreszeitraum. (APA)

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