Jean-Jacques Annaud verfilmt "Zorn der Wölfe"

17. August 2009, 13:35
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"Französischer Filmstil passt besser zum chinesischen Geschmack"

Peking - Der französische Regisseur und Oscar-Preisträger Jean-Jacques Annaud wird den international bekannten chinesischen Roman "Der Zorn der Wölfe" verfilmen. Das Naturepos des chinesischen Schriftstellers Jiang Rong ist mit schätzungsweise 20 Millionen verkauften Exemplaren das erfolgreichste Buch der neueren Geschichte Chinas. Der 65-jährige Franzose werde seine Filmpläne am Dienstag in Peking enthüllen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa am Montag aus dem direkten Umfeld des chinesischen Autors.

Die Verfilmung des Dramas um die Wölfe im mongolischen Grasland und das Leben von Jiang Rong während der Kulturrevolution unter mongolischen Viehzüchtern sei Filmemacher Annaud angetragen worden. "Ein französischer Filmstil passt besser zum chinesischen Geschmack und ist auch nicht so kommerziell", sagte die Quelle der dpa. "Nachdem Annaud das Buch zur Hälfte gelesen hatte, war er so begeistert, dass er sich sofort entschied, die Aufgabe zu übernehmen." Der Film werde in China gedreht.

Autor Jiang Rong und Regisseur Annaud kamen am Montag von einem rund zweiwöchigen, vorbereitenden Besuch im mongolischen Grasland zurück nach Peking. Dem Franzosen, der als Abenteurer unter den europäischen Filmregisseuren gilt, wurde 1976 für "Sehnsucht nach Afrika" der Oscar für den besten ausländischen Film verliehen. Er ist auch bekannt durch seine Tierfilme "Der Bär" (1988) und "Zwei Brüder" (2004) sowie seine Verfilmung des Bestsellers "Der Name der Rose" (1985) von Umberto Ecco und "Sieben Jahre in Tibet" (1997) über den Österreicher Heinrich Harrer und den Dalai Lama.

Die Irritationen der chinesischen Behörden, die Annaud aus Verärgerung über "Sieben Jahre in Tibet" lange Zeit ein Visum verweigert hatten, sind nach diesen Informationen ausgeräumt. Es wurde darauf verwiesen, dass der Tibet-Film mit Brad Pitt, der ein eher verklärtes romantisches Bild des Lebens in dem Hochland und des religiösen Oberhauptes der Tibeter zeichnet, lange zurückliege. Der französische Regisseur habe damals "nicht viel über China gewusst", wurde erläutert. Die Erlaubnis für Annaud, jetzt nach China zu kommen und den Wolfsfilm zu drehen, könne auch als Zeichen "größerer Offenheit und Fortschritt" gewertet werden, hieß es.

Der autobiografische Roman "Zorn der Wölfe", der in diesem Jahr auch auf Deutsch erschienen ist, hat heftige Diskussionen ausgelöst. Er bescheinigt den vom Konfuzianismus und Ackerbau geprägten Chinesen, "schwach wie die Schafe zu sein", während die Mongolen von der Kriegskunst ihrer natürlichen Feinde, den Wölfen, gelernt hätten. Autor Jiang Rong hat selbst elf Jahre unter Mongolen gelebt. Die politischen Kontroversen um das auch als nationalistisch gewertete Buch überdecken allerdings, dass es in dem Epos über weite Strecken vor allem um die bedrohten Tiere des Graslandes und das notwendige Gleichgewicht zwischen Mensch und Tier geht. (APA)

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