Chinas Börse sackt ab

17. August 2009, 21:56
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Ausverkauf bei chinesischen Aktien überrascht selbst Händler - Land zügelt Kreditvergabe - Warten auf Reaktion

Peking/Wien – Die chinesische Börse hat am Montag 5,8 Prozent an Wert verloren und damit heuer den bisher stärksten Kursverlust hinnehmen müssen. Der Einbruch hat auch für einen Stimmungswechsel an Europas Börsen gesorgt, die einheitlich ins Minus rutschten. Als Begründung verwiesen Händler auf neue Sorgen um die Erholung der Weltwirtschaft. Es wird befürchtet, dass die rasanten Kursanstiege der letzten Wochen in keiner Relation zum Tempo der Wirtschaftserholung stehen.

Anhaltende Sorgen über das Tempo der weltwirtschaftlichen Erholung haben die US-Börsen am Montag auf Talfahrt geschickt. Die Anleger beunruhigten vor allem Konjunkturdaten aus Japan: Die zweitgrößte Volkswirtschaft befreite sich im Frühjahr zwar aus der Rezession, die Erholung könnte aber zäh verlaufen. Trotz positiver Daten aus den USA folgte die Wall Street damit den asiatischen und europäischen Märkten ins Minus.

Hinter dem großen Kursverlust in China steht die Angst, dass das Wirtschaftswachstum in China die Erwartungen der Investoren nicht erfüllt und die "chinesische Blase" platzt. Ein Anzeichen dafür ist, dass ausländische Geldgeber ihre Investitionen massiv gedrosselt haben. China bleibt trotz des Investitionsrückgangs jedoch der weltweit größte Empfänger ausländischer Gelder – vor den USA, Russland und Brasilien.

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Peking/Wien - Die Chinesische Börse hat am Montag deutlich an Wert verloren. Der Schanghai Composite Index (CSI) stürzte um 5,79 Prozent ab und bremste damit auch die bisherige Erholung an den Märkten in Europa. Für den Markt in China war das heuer der größte Tagesverlust und der zwölftgrößte bisher.

Hinter dem Kursverlust steht die Sorge, dass das Wirtschaftswachstum in China die Erwartungen der Investoren nicht erfüllen könnte. Ein Anzeichen dafür ist auch, dass die ausländischen Investitionen im Juli binnen Jahresfrist um 35,7 Prozent auf 5,36 Mrd. Dollar (3,75 Mrd. Euro) gesunken sind. Der Rückgang im zehnten Monat in Folge war deutlich größer als im Juni (6,8 Prozent). Das verdeutlicht die Zurückhaltung international aktiver Unternehmen, in der Krise neue Investitionen zu tätigen. Dabei haben die Investoren bisher an China geglaubt und ihre Investitionen in der Krise nicht abgezogen.

Monika Rosen, Leiterin vom UniCredit Private Banking Research, sieht die Emerging Markets - und damit auch China - weiterhin positiv. Langfristig sei man von den Märkten überzeugt. Aber: "Die Emerging Markets waren in der Vergangenheit immer ein Fieberthermometer für die Risikobereitschaft des Marktes" , erklärt Rosen. Die Frage, die sich jetzt stellt, lautet: "Verkleinern Anleger ihre China-Position, weil sie etwas Risiko aus ihrem Portfolio nehmen wollen oder verlieren sie das Vertrauen in diese Region?" Zudem fehle Investoren am Ende der Berichtssaison "das Futter" , daher steige die Nervosität an den Märkten.

Von Jänner bis Juli investierten die Ausländer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 20,3 Prozent weniger Geld. Trotz des massiven Rückgangs bleibt China vor den USA, Russland und Brasilien aber noch der weltweit größte Empfänger ausländischer Investitionen.

Neben den Direktinvestitionen laufen auch die chinesischen Exporte nur schleppend. Sie verringerten sich im Juli um 23 Prozent auf 105 Mrd. Dollar. Das Handelsvolumen sank um 19,4 Prozent. Seit Jahresanfang machte der Rückgang 22,7 Prozent aus. Das Handelsministerium in Peking erwartet in der zweiten Jahreshälfte erstmals wieder einen Zuwachs bei den Ausfuhren.

China hat in der weltweiten Rezession ein starkes Tempo vorgelegt: Die Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 7,9 Prozent.

Die Frage wird nun sein, wie China auf die sinkenden Direktinvestitionen und den Ausverkauf bei Aktien reagiert. In der Krise 1997 hat China einen Staatsfonds gegründet, der zur Stützung der Märkte massiv Aktien gekauft hat.

Kommt hinzu, dass die Kreditvergabe im Land gedrosselt wurde, womit die Angst vor einem Liquiditätsengpass zunimmt. Von der Größe des derzeitigen Ausverkaufs an der Börse zeigen sich aber selbst Händler überrascht. Druck komme zusätzlich auf Chinas Börse, weil einige Fonds ihren hohen Aktienanteil abgebaut haben, heißt es. Da große Inlandsinvestoren, etwa Versicherungen, mit ihren Aktienquoten ohnehin schon am Limit sind, fehlten derzeit auch die Käufer.

Europäische Manager in China vertrauen laut Umfrage der EU-Handelskammer weiter dem Markt und seinem Wachstumspotenzial. (Reuters, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2009)

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