In Ballungsräumen bleibt der Himmel "leer"

17. August 2009, 12:52
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IAU-Tagung in Rio de Janeiro - in der Region leuchten statt 5.000 nur noch etwa 150 Sterne

Rio de Janeiro/Bochum - Die Beleuchtung in den großen Städten der Welt nimmt so stark zu, dass in den betreffenden Regionen kaum mehr Sterne beobachtet werden können. Bei der Generalversammlung der International Astronomical Union, die in Rio de Janeiro stattgefunden hat, forderten die Wissenschafter die Behörden einmal mehr auf, die nächtliche Beleuchtung in den Ballungsräumen zu verringern. Nicht nur die Sterngucker würden davon profitieren, sondern auch die Umwelt, denn die Beleuchtung kostet sehr viel Geld. In einer Resolution wurde ein entsprechender Forderungskatalog beschlossen.

"Die fortschreitende Verschlechterung des nächtlichen Himmels sollte als fundamentaler Verlust betrachtet werden", meint die Vereinigung. Wie dramatisch die Lage in Rio de Janeiro ist, schildert Augusto Daminelli von der Universität in Sao Paulo. "Am Nachthimmel über Brasilien sollten bis zu 5.000 Sterne mit freiem Auge sichtbar sein. Aufgrund der Lichtverschmutzung sind es derzeit gerade an die 150", so der Astronom. Fast ein Drittel aller Leuchtkörper in Rio sind Richtung Himmel gerichtet, kritisiert der Experte. Das sei eine echte Verschwendung. Mit einfachen Mitteln - wie etwa Aluminiumblechen auf Straßenlaternen zur Lichtfokussierung nach unten - und schwächeren energiesparenden Lampen könne bereits einiges erreicht werden. "Mehr als zwei Milliarden Menschen auf der Welt können die Milchstraße nicht mehr mit freiem Auge sehen. Für uns ist der Himmel ein Kulturerbe der Menschheit."

Vergessene Sternenpracht

"Tatsächlich fehlt vielen unserer Studenten die Naturerfahrung, die Milchstraße mit freiem Auge gesehen zu haben", meint Ralf-Jürgen Dettmar, Präsident der Deutschen Astronomischen Gesellschaft und Leiter des Lehrstuhles für Astronomie an der Universität Bochum. "In mitteleuropäischen Städten sind am nächtlichen Himmel keine hundert Sterne sichtbar", beschreibt Dettmar die Situation. NASA-Satellitenbilder des nächtlichen Himmels über Mitteleuropa haben deutlich gezeigt, wie stark die Lichtverschmutzung in den Ballungsräumen ist. "Der Sichtverlust ist in der Tat dramatisch", so Dettmar. In Brasilien, einem Land mit großer Fläche und verhältnismäßig geringer Bevölkerungsdichte, seien wenigstens nur die Ballungsräume betroffen.

Experten kritisieren, dass mit Ausnahme der öffentlichen Straßenbeleuchtung mehr als 90 Prozent der Außenbeleuchtungen falsch konzipiert sind. Und genau diese Außenbeleuchtungen, die gegen oben nicht abgeschirmt sind und damit den Himmel aufhellen, sind die Hauptquelle der Lichtverschmutzung. Die International Dark Sky Association kommt zum Schluss, dass die Lage in New York am schlimmsten ist. Dort sind praktisch überhaupt keine Sterne mehr am Nachthimmel zu sehen, wie Reg Wilson, Asia-Pacific Director der International Dark Sky Association, berichtet. Auch auf die Fauna wirken sich die in der Nacht stark beleuchteten Städte negativ aus. (pte/red)

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