Europäische Totentanzvereinigung versammelt sich in der Steiermark

17. August 2009, 12:18
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Der Kongress "schlemmt mit dem Tod": Forscher widmen sich einem einstmals populären makabren Motiv

Graz - Das Motiv des "Totentanzes" hat sich im 15. Jahrhundert von Frankreich aus in kurzer Zeit europaweit ausgebreitet: Makaber wirkende Darstellungen, bei denen Mann und Frau, Kaiser und Bettler, Reich und Arm, Jung und Alt angeführt vom personifizierten Tod dem Gericht Gottes entgegentanzen. Die Abbildungen des Todes, wie er tanzend den Mensch ins Jenseits führt, sollten die Lebenden zu einem gottgefälligen, frommen Leben mahnen.

Ihren Platz haben die Darstellungen daher oft "werbewirksam" an Innen- und Außenwänden von Kirchen, Beinhäusern und Friedhofsmauern. So auch am Karner in Metnitz in Kärnten, wo sich laut Winfried Schwab vom Stift Admont der älteste bekannte monumentale Totentanz Österreichs (um das Jahr 1500) befindet. "Die Gattung ist aber auch in der Literatur, dem Film, Tanz, Theater und Musik gegenwärtig", so der Benediktinerpater.

Tagung am Monatsende

Schwab ist Vorsitzender der österreichischen Sektion der Europäischen Totentanzvereinigung - und die wird, angelockt von einem bisher wenig beachteten Fresko in der Oststeiermark, ab dem 28. August in Grafendorf bei Hartberg ihre Tagung abhalten. Neben Vorträgen und Exkursionen wird am 29. August auch der erst jüngst wieder belebte "Grafendorfer Totentanz" aufgeführt.

"Die Totentanzvereinigung hat sich zum Ziel gesetzt, das seit dem Mittelalter bekannte künstlerische Phänomen des 'Totentanzes' in allen seinen Erscheinungsformen zu erforschen", so Schwab. Seit den 1970er Jahren bemüht sich - ausgehend von Frankreich - eine Gruppe von Wissenschaftern und Kunstfreunden im Rahmen der Totentanzvereinigung um die systematische Erforschung des Genres. Auf die Initiative Schwabs wurde im Jahr 2002 die österreichische Sektion gegründet, die mittlerweile an die 50 Mitglieder zählt.

Dunkelbuntes Programm

In Grafendorf befindet sich in der Kreuzkapelle ein Totentanzfresko, das 1724 vom steirischen Barockmaler Johann C. Hackhofer (1675-1731) gemalt wurde. "Das Fresko ist keine Neuentdeckung, aber bisher wurde es von der Forschung noch nicht entsprechend zur Kenntnis genommen", erklärte Schwab die Wahl des Tagungsortes. Die Besonderheit des Freskos des Vorauer Stiftsmalers: Die literarische Quelle zur Darstellung lieferte Barockprediger Abraham a Sancta Clara.

Der Kongress bereitet die vergängliche Thematik durchaus lebensbejahend auf: Unter dem Motto "Schlemmen mit dem Tod" wird u.a. das Refektorium in Stift Vorau besucht, in dem sich ein besonderer Zyklus zum Thema Tod befindet. Am Abend des 29. August steht der "Grafendorfer Totentanz", der nach traditionellen Texten aufgeführt wird, am Programm. (APA/red)

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