Das schwedische Modell

17. August 2009, 11:41
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Alle drei Jahre anonymer Gehaltsvergleich und Aktionsplan in Unternehmen ab 25 MitarbeiterInnen vorgeschrieben - Säumigkeit wird bestraft

ien - Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek will nach wie vor eine anonyme Offenlegung von Frauen- und Männergehältern als Maßnahme gegen die Einkommensschere. Ihr konkretes Vorbild dabei ist Schweden, wo in allen Unternehmen ab 25 MitarbeiterInnen solche Aufstellungen vorgeschrieben sind. Die Maßnahme ist dort Grundlage für einen verpflichtenden Gleichstellungsplan im jeweiligen Betrieb. Die Bestimmungen wurden 2008 allerdings etwas gelockert, nunmehr wird der Vergleich statt wie früher jährlich nur mehr alle drei Jahre verlangt. Säumige Arbeitgeber müssen mit Strafen rechnen.

Vorgangsweise

Das Diskriminierungsgesetz 2008 regelt die genaue Vorgansweise: Um ungleichen Lohn für gleiche Arbeit aufzudecken, müssen die Unternehmen regelmäßig einen anonymen Gehaltsvergleich anstellen. Dabei sind die Positionen im Betrieb aufzuführen, die Durchschnittseinkommen und die Bandbreite der Gehaltshöhen. Sogenannte "frauendominierte" Tätigkeiten, wie etwa Sekretärin, Putzfrau oder Rezeptionistin, sind gesondert zu kennzeichnen. Für die Beurteilung, ob eine Tätigkeit "gleichwertig" ist, sind Kriterien wie Anforderungen, Fähigkeiten oder Verantwortung heranzuziehen.

Der so erstellte Gehaltsvergleich ist allerdings nur der erste Schritt im gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmenkatalog für Gleichstellung. Auf der Übersicht basierend muss jedes Unternehmen nämlich einen Aktionsplan erstellen, in dem konkrete Schritte zur Verringerung der Einkommensschere festgeschrieben werden. Ob und wie dieser Fahrplan umgesetzt wird, darüber ist wiederum im darauffolgenden Aktionsplan Rechenschaft abzulegen. Beim gesamten Prozess ist ein gemeinsames Vorgehen mit den ArbeitnehmervertreterInnen vorgesehen.

Alle drei Jahre

Das Prozedere steht alle drei Jahre an, womit man den Unternehmen mit der Gesetzesnovelle entgegenkam, denn früher waren Gehaltsvergleich und Aktionsplan jedes Jahr zu erstellen. Wer säumig ist, kann bei Strafe gezwungen werden, sieht das Gesetz vor. Zuständig ist dabei das Anti-Diskriminierungsamt, das auf Anrufung der Diskriminierungs-Ombudsfrau (derzeit eine Frau), aktiv werden kann. Tut sie das nicht, kann auch die Gewerkschaft einschreiten.

Zahlen, wie viele Strafen oder in welcher Höhe sie verhängt wurden, konnte man im Büro der Ombudsfrau (DO) nicht nennen. Dort verweist man auch auf eine gröbere Systemumstellung, die parallel zur Gesetzesnovelle durchgeführt wurde, gab es doch früher mehrere Ombudsstellen für Gleichberechtigung, gegen Diskriminierung etc., die nun zusammengelegt wurden. Grundsätzlich setze man auf Freiwilligkeit, unterstrich ein Sprecher, und hofft auf "indirekte Effekte". Um wirklich zu kontrollieren, ob die Unternehmen brav die Gehälter vergleichen und Aktionspläne erstellen, "dafür fehlen uns die Kapazitäten". (APA)

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