Warum öffnet Nordkorea seine Grenze zum Süden?

17. August 2009, 13:15
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Nach den jüngsten Atom-Drohungen hat das Regime in Pjöngjang nun seinen Ton spürbar entschärft

Noch am Sonntag drohte das kommunistische Regime in Pjöngjang seinem Nachbarn Südkorea mit einem Atomschlag. Am Montag wurde erstmals seit Jahren ein Grenzübergang für Touristen und zum Zwecke von Familienzusammenführungen geöffnet. Nordkorea schlägt damit einen spürbar veränderten Ton gegenüber dem mit den USA verbündeten Süden an.

Warum öffnet Nordkorea seine Grenze zum Süden?

Der wichtigste Grund lautet: es braucht Geld. Die völlig verarmte Volkswirtschaft wurde in diesem Jahr durch verheerende Regenfälle zusätzlich geschwächt, vor allem die nordkoreanische Landwirtschaft liegt darnieder. Auch das Ausbleiben der Hilfen aus Südkorea (etwa fünf Prozent des knapp zwölf Milliarden Euro-Bruttoinlandsprodukts Nordkoreas) und die verschärften UNO-Sanktionen nach dem Atomwaffentest trugen zum dringenden Bedürfnis des Regimes bei, Devisen ins Land zu holen.

Wozu braucht Nordkorea die Devisen?

Vor allem für die Anschaffung von rüstungsrelevanten Gütern aus dem Ausland und zum Kauf von Luxusartikeln für die politische Elite rund um Diktator Kim Jong Il. Gerade der Diktator selbst, der nach einem vermuteten Gehirnschlag vor einem Jahr die Macht an seinen Sohn übergeben will, ist auf das Wohlwollen des Militärs angewiesen, das ihm einen reibungslosen Übergang ermöglichen soll. Außerdem könnte Nordkorea mit den Devisen eine Wiederinstandsetzung seines Atomkraftwerks anstreben, das nach einem Übereinkommen mit der internationalen Gemeinschaft abgeschalten worden war.

Wird dieser Schritt Kims als Rückzieher gedeutet werden?

Ganz im Gegenteil. So wie der Besuch Bill Clintons (er handelte die Freilassung zweier US-Journalistinnen aus einem nordkoreanischen Gefängnis aus) wird auch jener der Hyundai-Chefin Hyon Jong Un in den Medien des Landes als Triumph für den Diktator gefeiert. Die jüngsten Atomwaffen- und Raketentests seien ein Sieg für das Regime, die Verhandlungen mit Clinton und Hyon der Beweis dafür. 

Wieviel Geld könnte Nordkorea verdienen?

Tourismus in der Region Kumgang und eine Filiale von Hyundai würden Pjöngjang bis Jahresende mehrere Millionen Dollar einbringen. Mit der Wiederaufnahme der Beziehungen zu Südkorea verspricht sich das Regime auch weitere Finanzhilfe sowie die Lieferung von Lebensmitteln und Dünger für die brachliegende Landwirtschaft. Bis zum Amtsantritt des aktuellen südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak wurden jährlich zwischen 400.000 und 500.000 Tonnen Lebensmittel sowie 300.000 Tonnen Dünger in den Norden gebracht. (Reuters/red)

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    Nordkoreas Diktator Kim prüft im Sinne der Gesundheit seines Volkes die Lebensmittelsicherheit in einem überaus typischen Supermarkt an einem unbekannten Ort.

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