Riesenschritt in Richtung Legende

16. August 2009, 22:19
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Nun ist der dreifache Olympiasieger auch Weltmeister über 100 m - Yam-Knolle gibt Kraft, Lockerheit nimmt Druck

Berlin - Bei den Olympischen Spielen vor einem Jahr ist er als dreifacher Titelgewinner mit drei Weltrekorden in eine neue Sphäre des Leichtathletik-Sprints vorgestoßen, seitdem hatte der Jamaikaner Usain Bolt nur einen Wunsch: Weltmeister zu werden und zu beweisen, dass seine Leistungen in Peking erst der Anfang waren. Diese Mission hat der 22-Jährige mit dem Fabelweltrekord von Sonntag in Berlin eindrucksvoll erfüllt, mit 9,58 Sekunden über 100 m ist er erneut in eine bis dato undenkbar scheinende neue Dimension vorgestoßen.

Bolt macht nicht den Eindruck eines verbissenen Sportsmann. Er ist stets locker und bekannt dafür, nie um einen Spaß verlegen zu sein. Das hatte er bei Olympia mit einem Tänzchen nach seinem 100-Meter-Triumph in 9,69 Sekunden, den er mit offenem Schuhband realisiert hatte, bewiesen. Nach den 200 m in unglaublichen 19,30 Sekunden zog er eine Show ab, für die er von Größen des Sports als respektlos der Konkurrenz gegenüber kritisiert worden war. So auch von IOC-Präsident Jacques Rogge.

Doch Bolt, der seine Masse nur verhältnismäßig langsam aus den Startblöcken wuchten kann und ausgerechnet im WM-Halbfinale einen Fehlstart produzierte, lässt sich nicht bremsen. "Man sollte sich und das, was man tut, nie zu ernst nehmen", ist seine Meinung. "Sonst macht das Leben keinen Spaß." Und Spaß hat er. Hatte er in Peking und hat er in Berlin. Wann immer ihn Fernsehkameras einfangen, spielt er mit dem Publikum. Schickt er Küsschen oder leckt sich die Finger ab und streicht sich die Augenbrauen glatt. Beim offiziellen Medientermin erschien er mit umgeschnallten "Bolt Arms", die seine typische Jubel-Geste zeigten.

Von Olympiasiegen und Weltrekorden hatte Bolt immer geträumt. Damals, als er in Jamaika wie so viele andere hoffnungsvolle Sprinter auf Grasbahnen seine ersten Trainingsläufe absolviert hatte und die Yam-Knolle aß, die ihm seine Kraft verleihen soll. Damals, als er schon als 15-Jähriger vor der eigenen Haustüre in Kingston Junioren-WM-Gold über 200 m geholt hatte. Seine Konkurrenten waren zum Großteil drei Jahre älter als er. Doch Bolt hatte schon immer als Ausnahmetalent gegolten. Das unglaubliche Potenzial des schlaksigen Burschen, der am 21. August 1986 in Trelawny im Norden Jamaikas zur Welt gekommen war, hatte einst ein Cricket-Trainer erkannt.

Denn Usain Bolt war nicht immer Leichtathlet gewesen, der 1,96 m große und 88 kg schwere Athlet spielte in Trelawny, dem Distrikt, aus dem auch die gefallene kanadische Sprint-Legende Ben Johnson stammt, Cricket, bis ihn sein damaliger Coach auf die Rennbahn schickte. Sein erster internationaler Erfolg war das Junioren-WM-Gold, in der allgemeinen Klasse folgte 2007 in Osaka Silber. Erst im Olympia-Jahr nahm Bolt auch die 100 m ernst, schockte am 31. Mai 2008 in New York mit neuem Weltrekord - den 9,72 folgten in Peking 9,69. In Berlin schrieb der Jamaikaner neuerlich Leichtathletik-Geschichte.

Und damit soll noch lange nicht Schluss sein: "Ich glaube, ich kann 9,4 schaffen. Aber ich glaube, die Welt hört bei 9,4 auf", sagte der von Trainer Glen Mills betreute Weltsportler des Jahres 2008, der eine Sportlegende werden will und einen Riesenschritt in diese Richtung gemacht hat. (APA)

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    foto: epa/nietfeld
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