Behördenschikanen

"Ich könnte schon längst arbeiten"

16. August 2009, 21:45
  • Artikelbild
    foto: robert newald

    Charles Amoakohene hat Unternehmerkredit und Businessplan längst in der Tasche, die Halle, in der er seine Autowerkstatt einrichten will, steht trotzdem noch immer leer.

Ein junger Wiener mit dunkler Hautfarbe will einen Betrieb aufsperren. Doch die Behörde findet ständig neue Gründe, um die Genehmigung zu verweigern

Wien - Auf der grünen Wiese eine Autowerkstatt aufzusperren kam für Charles Amoakohene nie infrage. "Das würde nicht gutgehen", sagt er, "denn alle meine Kunden leben in der Stadt." Weshalb sich der Karosseriebauer-, Spengler und Lackierer-Meister auch, mit fertigem Businessplan und Unternehmerkredit in der Tasche, innerhalb der Stadtgrenzen auf die Suche nach den passenden Räumlichkeiten machte. Diese waren auch recht schnell gefunden.

Eine Betriebsanlagengenehmigung für die 343 Quadratmeter in einem Meidlinger Zinshaus zu bekommen stellte sich allerdings als wesentlich schwieriger heraus. Bis heute wartet Amoakohene, in Ghana geboren und seit seinem dritten Lebensjahr in Österreich, auf die nötigen Papiere - dabei sind seit dem ersten Gespräch mit dem zuständigen Beamten der Magistratsabteilung 36 (technische Gewerbeangelegenheiten) mittlerweile sechs Monate vergangen. "Ich zahle bereits Zinsen für meinen Unternehmerkredit und bin gleichzeitig beim Arbeitsmarktservice gemeldet", sagt der Wiener, "könnte aber schon lange in meinem eigenen Betrieb arbeiten."

Ein Genehmigungsverfahren für Betriebsanlagen dauert laut Wifi bei Kleinunternehmen im Schnitt drei Monate. Warum es bei dem österreichischen Staatsbürger mit dunkler Hautfarbe inzwischen doppelt so lange dauert - und kein Ende absehbar ist -, liegt aus seiner Sicht daran, dass bei jedem Kontakt mit der MA 36 ein neues Problem auftaucht.

Unfreiwillig per du

Beim ersten Gespräch ließ ihn der zuständige Beamte, der ihn von Anfang an duzte und nur zögerlich per Handschlag begrüßte, wissen, dass er es "gleich vergessen" könne, hier eine Werkstatt einzurichten. Die Maschinen, die er für die Arbeiten brauche - Amoakohene will sich auf die Restaurierung von Oldtimern spezialisieren - seien viel zu teuer: "Das kannst du dir eh nicht leisten." Als Amoakohene ihm erklärte, dass er diese Geräte nicht brauche, meinte der Beamte, der Boden sei vom Vormieter schwer kontaminiert. Was sich, wie das Bezirksamt Meidling Amoakohene bestätigte, als Fehlinformation herausstellte. "Er hat mir auch von Anfang an gesagt, dass er nicht dazu da ist, mich zu beraten", sagt Amoakohene.

Hilfe holte er sich anderswo: Ein Experte der Wirtschaftskammer überarbeitete das Ansuchen für eine Betriebsanlagengenehmigung - und meinte, nun müsste alles in Ordnung sein. Ein Irrtum, wie sich zeigte. Zuletzt stellte der Beamte einen erhöhten Lärmpegel sowie mangelnde Belüftung fest. Themen, die bei der ersten Besichtigung nicht aufs Tapet kamen.

Werkstatt problematisch

"Man muss sich als Wiener Unternehmer darauf verlassen können", sagt die schwarze nicht amtsführende Stadträtin Isabella Leeb, "dass man keinen schikanösen Auflagen gegenübersteht und sich wie ein Bittsteller fühlt." Eine Werkstatt in einem Wohngebiet ist laut Magistratischem Bezirksamt Meidling immer problematisch - selbst dann, wenn, wie in Amoakohenes Fall, beim einzigen direkten Anrainer in der Wohnung eine Lärmbelastung durch laufende Maschinen von 44 Dezibel gemessen wurden - was laut Wiener Lärmfibel unter dem Geräuschaufkommen in einem Büro liegt.

Im nervenaufreibenden Dauer-Papierkrieg seien ihm aber auch ein paar hilfsbereite Beamte untergekommen, betont Amoakohene. "Ich will nicht alle in einen Topf werfen." Sowohl vonseiten des Amts als auch von der Wirtschaftskammer habe man ihm bereits mehrfach hinter vorgehaltener Hand bestätigt, dass es in seinem Fall schlichtweg an "ein bisschen gutem Willen" durch die zuständige Magistratsabteilung fehle.

Die Stellungnahme der MA 36 ans Magistratische Bezirksamt über festgestellte Mängel steht jedenfalls noch aus. Was laut Ewald Rami, dem stellvertretenden Leiter der MA 36, nicht weiter verwunderlich sei. Man bemühe sich, eine Stellungnahme innerhalb eines Monats fertig zu haben. Manchmal dauere es aber eben länger - schließlich gebe es das Recht auf "freie Einteilung". Amoakohene wird wohl noch länger warten müssen: Der zuständige Beamte verabschiedet sich demnächst in den Urlaub - bis zu seiner Rückkehr bleibt der Akt geschlossen. (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 17.8.2009)

Kommentar:
Am Problem vorbeiberaten - Von Martina Stemmer

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 297
1 2 3 4 5 6 7
systema radl
140
wie lange bleibt diese zeitungsente eigentlich online???

wichtige beiträge verschwinden nach stunden in der versenkung, aber weil herr owhjajshshskanga sein "unternehmen" (bruhahaha) nicht gleich standepede aufmachen kann wird redaktionsplatz verschwendet....

femme fatal
05
mich würde interessieren,

woher sie wissen, dass dies eine "ente" sei?
und was gibt ihnen das recht zu behaupten, es sei kein unternehmen? sind sie selbst unternehmer? oder arbeitsloser standardleser, der jede nacht weint, weil er darin leider gar nichts versteht...?!

ehschowissn2
101
24.8.2009, 10:20
Werkstatt in einem Mietshaus?

ist vielleicht in Ghana so üblich, hier nicht. Also, nicht aufpudeln, gell

Angelika70
03
13.10.2009, 12:31

Im 16. Bezirk gibts kaum eine Nebenstraße ohne KFZ-Werkstatt im Parterre eines Wohnhauses.

Fleisch
01
13.10.2009, 08:43

Schon mal in Meidling gewesen?

absolution
07
21.8.2009, 18:24
Es ist keine rassistische Schikane!

Ich bin Nachbar in dem betreffenden Haus, ich weiß, was bei den Verhandlungen immer wieder hervor gezaubert wird. Es ist keine Schikane, weil Herr Amoakohene schwarz ist, es ist weil er anders ist.

Einmal braucht man 3 m Abstand zu einer Tür, dann findet man eine Lösung - und schon sind es 5 m Abstand. Dann findet man auch dafür eine Lösung, müssens auf einmal 10 m Abstand sein.

Ich wurde bedrängt, doch was gegen den Lärm zu unternehmen. Nein!

Natürlich gehts mit Schmiergeld leichter und schneller. Aber geht es deswegen besser?
Gegen so ein Lumpenpack muss vorgegangen werden, egal ob es schwarze Österreicher oder weiße Österreicher schikaniert.

Recht muss Recht bleiben!

Hafner
24
20.8.2009, 11:02
Und warum kommt der STANDARD erst jetzt drauf?

"Man muss sich als Wiener Unternehmer darauf verlassen können, dass man keinen schikanösen Auflagen gegenübersteht und sich wie ein Bittsteller fühlt"
Liegt das etwa daran, dass dieser Herr eine "dunkle" Hautfarbe hat? Warum darf die Gemeinde Wien Unternehmer mti "heller" Hautfarbe jahrzehntelang quälen und kaum kommt einer mit "dunkler" Hautfarbe bekommt er eigene Öffentlichkeitsarbeit und sein Fall wird so dargestellt, als ob diese Schikanen wegen seiner "dunklen" Hautfarbe bestehen?
Sollen die Unternehmer mit "dunkler" Hautfarbe bevorzugt behandelt werden? Soll aus der Präpotenz der Wiener Beamten ein "rassistisches" Vorgehen gemacht werden?
Und wir "Hellen" weiterhin schikaniert werden?

femme fatal
03
21.8.2009, 17:35
... angst vorm schwarzen mann??...

schon lustig - diese rechte angstmache funktioniert noch immer... zuerst einen schuldigen finden, der den "armen österreichern" etwas wegnimmt, ihn dann schikanieren undn wenn dieser sich dagegen wehrt, eifersüchtig werden, wenn er dafür eine plattform erhält...ich verstehe das problem nicht! ein jungunternehmer wird schikaniert. punkt. da können sich doch alle anderen freuen, wenn sich durch diese geschichte etwas verbessern würde. aber nein! die eifersucht und angst lässt es nicht zu... traurig traurig!

Lux lucet in tenebris
07
20.8.2009, 01:51
Hätte er das branchenübliche Schmiergeld bezahlt

wäre die Werkstatt längst eröffnet.

Das hat gar nix mit Hautfarbe oder Herkunft zu tun.

Aaalso, wer einen Betrieb eröffnen will sollte folgendes Protokoll bei der Begehung einhalten:

1. Üppiges Buffet mit ausgesuchten Delikatessen aufbauen.
2. Ordentliche Getränkeauswahl, diese auch zum Mitnehmen offerieren.
3. Kleine nette Geschenkskörbchen anbieten.
4. Körberlgeld von nicht unter 500€ den Geschenkskörbchen beilegen (auch für den Schriftführer, der darf selber nur ca. einen Hunderter behalten und muss den Rest an den Amtsleiter abgeben).

Alles in allem kostet sowas maximal 5.000€.

Ein Klacks im Vergleich zu einem halben Jahr Verdienstentgang.

Wird sowas bei der Unternehmerprüfung heute nicht mehr unterrichtet?

Heiratschwindler
45
18.8.2009, 11:47
Stimmt das auch alles, was der Mann behauptet?


Eine Werkstatt in einem Zinshaus - da muss man mit Problemen rechnen, das ist doch klar.

Schlecht geplant, würde ich sagen.

maju
01
18.8.2009, 12:13
wer lesen kann, ist klar im vorteil

zinshaus-ja, doch im artikel ist von EINEM anrainer die rede, in dessen wohnung 44dB-A gemessen wurden und zur falschen planung: auch ein experte der wirtschaftskammer hat sich vergebens bemüht. wieso sollte jemand, der offensichtlich will, dass sein falll genauer überprüft wird, falsche angaben machen?

Heiratschwindler
01
18.8.2009, 13:55
Lesen? Natürlich. Aber verstehen ist dann erst der Gewinner.

"Eine Werkstatt in einem Wohngebiet ist laut Magistratischem Bezirksamt Meidling immer problematisch - selbst dann,..." steht da.

Gelesen haben Sie's jetzt (nochmals) - jetzt geht's weiter...

Heiratschwindler
21
18.8.2009, 12:27
Lesen? Ja...?

"Eine Werkstatt in einem Wohngebiet ist laut Magistratischem Bezirksamt Meidling immer problematisch - selbst dann,..."

Sie sehen, lesen ist gut - verstehen wichtiger.

parapente
04
18.8.2009, 11:00
Alle die sich hier aufregen,

sollen einmal als ÖSTERREICHER einen Gewerbebetrieb eröffnen - und auf die Baugenehmigung und Betriebsgenehmigung warten. Und dann kommt das Arbeitsinspektorat . . . .

Herr und Frau Österreicher
 
01
13.10.2009, 14:34

Der Mann IST Österreicher...

Def. Izit
00
17.8.2009, 23:08
De rodn hom a unendliche ongst vua schwoaze, den Scheleeheini Strache freits.

Diane & Diaundare
32
17.8.2009, 20:41

behördlicher rassismus leider nichts neues in österreich !!!!!!!!!!!

parapente
11
18.8.2009, 11:01
Na, du hast auch a Ahnung . . . .

ranchorelaxo
10
17.8.2009, 18:13

da merkt man wieder, wie entbehrlich diese beamten eigentlich sind!

erika stronach
 
59
17.8.2009, 18:03
Österreicher geht es genauso. Schlechteste Recherche des standard überhaupt. Wobei hier wird es schon deutlich. Standard möchte hier demagogische Politik betreiben. Voll daneben gegangen

maju
01
18.8.2009, 12:18

der herr IST ÖSTERREICHER! seit seinem 3. lebensjahr in österreich! ginge es hier um einen "weißen" österreicher, sollte man ebenso etwas dagegen tun!

RichardRoe
11
18.8.2009, 07:09

Interessanter Beitrag. Wenn Sie uns jetzt noch im Detail erzählen könnten, worin die Fehler bzw die schlechte Recherche bestehen ... also etwas Konkretes bitteschön!

Baerald
04
18.8.2009, 10:53
PS: Was mir außerdem abgeht, sind Hintergrundberichte:

Wo soll diese Werkstatt eröffnet werden? "Auf der grünen Wiese" im Industrie- oder Gewerbegebiet einfacher als in einer Schutzzone im Wohngebiet; und wenn es rundherum bereits "zig" andere Werkstätten gibt, muß sich der liebe Herr auch nicht wundern...

Baerald
17
18.8.2009, 10:52
Der Fehler besteht darin, dass "derStandard" so tut,

als ob dem Herrn durch den Magistrat gerade deswegen "Böses widerfährt", weil er "Schwarzer" ist. Dem ist jedoch nicht so! Jeder Österreicher - egal welcher Hautfarbe! - kann sich durchaus wunderbar die Zähne am Amtsschimmel ausbeissen; das als "Rassismus" zu wähnen ist entweder kurzsichtig oder halt typisch für eine gewisse Blattlinie...

Areopagit
00
17.8.2009, 17:38
Typisch rotes Wien!

Wann engagiert sich der schwarze Wissenschaftsminister für seinen Kollegen?


Oje ich glaub, da habe ich irgendetwas verwechselt!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 297
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.