Französin darf nicht ausreisen

17. August 2009, 21:59
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Clotilde Reiss, die wegen Spionage angeklagt ist, bleibt vorläufig in der französischen Botschaft

Paris/Teheran - Einen Tag nach der Haftentlassung der Französin Clotilde Reiss im Iran fordert die französische Regierung weiterhin deren vollständige Freilassung. Präsident Nicolas Sarkozy habe ihm versichert, dass er sich dafür einsetzen werde, sagte Rémi Reiss, der Vater der jungen Frau dem Sender France Info am Montag. Frankreich hat nach Informationen französischer Medien mehrere hunderttausend Euro Kaution für die Freilassung von Reiss gezahlt, die mehr als sechs Wochen in Teheran in Haft war. Die 24-Jährige hält sich derzeit in der französischen Botschaft in Teheran auf.

Kautionszahlung

Nach mehr als sechswöchiger Haft im Iran ist die Französin Clotilde Reiss gegen Zahlung einer Kaution aus der Haft entlassen worden. Die 24-Jährige sei bei "guter Gesundheit" und befinde sich nun in der französischen Botschaft in Teheran, teilte der Elysée-Palast am Sonntagabend in Paris mit. Die Universitätslektorin war im Zuge der Massenproteste gegen die umstrittene Wiederwahl von Irans Präsident Mahmud Ahmadinejad festgenommen worden.

In der Erklärung des Elysée-Palastes hieß es, Reiss sei aus dem Evin-Gefängnis in Teheran entlassen worden und werde sich vorläufig in der französischen Botschaft aufhalten. Frankreich habe die Behörden im Iran aufgefordert, alle Vorwürfe gegen die junge Frau fallenzulassen. In den vergangen Tagen gab es bereits Berichte, die 24-Jährige könnte gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt werden, müsse aber wegen ihres Prozesses weiter im Iran bleiben. Der Prozess sei allerdings bereits beendet, hatte Staatsanwalt Said Mortazavi am Mittwoch erklärt. Wann das Urteil verkündet wird, ist aber unklar.

Telefonat mit Sarkozy

Staatschef Nicolas Sarkozy habe bereits mit Reiss telefoniert, hieß es vom französischen Präsidentenamt. Frankreich verlange, dass der "durch nichts gerechtfertigte" Prozess gegen Reiss und die Franko-Iranerin Nasak Afshar so bald wie möglich beendet werde. Darüber hinaus dankte Sarkozy den Staaten der Europäischen Union "und anderen befreundeten Staaten wie Syrien" für ihre Unterstützung.

Sarkozy habe auch mit dem Vater der jungen Frau, Rémi Reiss, gesprochen, hieß es in der Erklärung. Nach Angaben des Vaters handelt es sich bei der gezahlten Kaution um "mehrere hunderttausend Euro". Der französische Außenminister Bernard Kouchner wollte die Zahl nicht bestätigen.

Reiss und die bereits am Dienstag gegen Kaution freigekommene Botschaftsmitarbeiterin Afshar waren vor einer Woche zusammen mit mehr als hundert weiteren Demonstranten vor Gericht gestanden.

Die iranische Regierung wirft Reiss Spionage und Verwicklung in die Proteste gegen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad vor. Die junge Französischlehrerin hatte nach dessen umstrittener Wiederwahl am 12. Juni an Demonstrationen teilgenommen. Zudem wurde ihr vorgeworfen, einen Bericht an die Botschaft geschickt zu haben. Reiss hatte an der Universität Isfahan fünf Monate Französisch unterrichtet und wurde bei der Ausreise am 1. Juli am Flughafen Teheran festgenommen.

Am Montag hat die Schließung von Etemad-e Melli, der Zeitung des liberalen Präsidentschaftskandidaten Mehdi Karrubi, Proteste ausgelöst, die von der Polizei mit Gewalt aufgelöst wurden. Die Zeitung hatte von Foltertoten und Vergewaltigungen in den Gefängnissen berichtet.

Im Zuge der regierungskritischen Proteste nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Iran waren mindestens 4.000 Menschen festgenommen worden. Derzeit sitzen noch etwa 200 bis 300 von ihnen im Gefängnis. (APA/AP/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Clotilde Reiss bei ihrer Aussage vor Gericht

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