Kenia, ein Land auf dem Trockenen

16. August 2009, 21:27
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Eine der verheerendsten Dürreperioden erschüttert weite Teile Ostafrikas. 20 Millionen Menschen sind betroffen. In Kenia soll der Ausnahmezustand ausgerufen werden.

Wer von Kenias Hauptstadt Nairobi nach Süden fährt, zum Amboseli-Nationalpark am Fuß des Kilimandscharos, der erlebt normalerweise Kenia aus dem Bilderbuch: eine weite, von Schirmakazien und Dornbüschen begrünte Savanne, durch die in rote Tücher gehüllte Massaihirten ihre Viehherden treiben.

Doch seit ein paar Monaten hat sich das Bild radikal gewandelt. Inzwischen gleicht die Ebene rund um den Handelsposten Kajiado der Szenerie in einem Horrorfilm. In der staubigen Einöde, längst grau statt grün, ist kein Farbtupfer mehr zu sehen. "Noch keine Dürre war so schlimm wie diese", sagt der Massaihirte Mengeti ole Lomni. Seit drei Jahren hat es hier kaum noch geregnet, die letzte Regenzeit ist ganz ausgefallen. Wasser ist Mangelware, die meisten Brunnen sind ausgetrocknet. Der Durst ist das Einzige, was für die Bevölkerung derzeit noch schlimmer ist als der Hunger.

Schlange stehen für Wasser

Um an Wasser für ihre Familie zu kommen, muss Miriam Kirange zwei Stunden vor Sonnenaufgang aufstehen. "Sieben Kilometer ist das nächste Bohrloch entfernt, die anderen sind alle trockengefallen", berichtet die 28-Jährige. Einen 20-Liter-Kanister hat sie auf dem Kopf getragen, sechs weitere an ihren Esel geschnallt. Für ihren Mann und die drei Kinder reicht das Wasser für ein bis zwei Tage, dann muss sie wieder los. Manchmal, sagt Kirange, ist der Andrang schlicht zu groß. "Ich habe schon am Bohrloch übernachten müssen, weil die Schlange so lang war."

Die Lage im Rest von Kenia ist ähnlich verheerend. Kenias Regierung hat angekündigt, in dieser Woche den Ausnahmezustand auszurufen. Für mehr als zwanzig Millionen Menschen in Kenia, Somalia und Äthiopien, so steht es in einer Analyse des US-Hilfsprogramms USAID, ist die Nahrungsmittelversorgung bereits nicht mehr gesichert.

Besserung erst in einem Jahr

Denn mit dem Regen ist auch die Ernte ausgeblieben. Ein Paket Maismehl, Grundnahrungsmittel der meisten Kenianer, kostet derzeit fast einen Tagelohn. Kenias Landwirtschaftsminister William Ruto rechnet frühestens in einem Jahr mit einer Besserung der Versorgungslage.

Besonders schlimm trifft es Nomaden wie die Massai, deren Vieh zu verhungern und zu verdursten droht. Verkaufen lohnt sich nicht, weil für die klapperdürren Kühe auf dem Markt gerade mal noch zehn Euro gezahlt werden - normalerweise ist es vierzigmal so viel. In vielen Dörfern wird das Vieh deshalb notgeschlachtet. "Früher konnten wir mit unseren Herden zu anderen Plätzen ziehen, wo es mehr Wasser und mehr Gras gab, aber diesmal ist es überall trocken, wir können nirgendwohin", erklärt ole Lomni. In ihrer Not fällen immer mehr Massai die Akazienwälder, die einst die Ebene bedeckten, um das Holz an Köhler zu verkaufen.

"Die Folgen der aktuellen Dürre sind schlimmer als alles, was ich in meinen acht Jahren in der Region gesehen habe", sagt auch Iris Krebber von der Deutschen Welthungerhilfe in Kenia. Zwar hat Kenias Regierung öffentlich eine "Großoffensive gegen den Hunger" gestartet. Unter anderem sollen Armee und Polizei aufs Land geschickt werden, um dort Nahrungsmittelhilfen zu verteilen.

"Aber ich frage mich, was die verteilen wollen", wundert sich Krebber. Offiziellen Angaben zufolge liegen in den staatlichen Mais-Silos gerade einmal zweieinhalb Millionen Sack Mais, normalerweise sind es acht Millionen. Hunderttausende Sack sollen korrupte Ministerialbeamte unterschlagen haben. Helfer wie Krebber haben zudem das Problem, dass in der nach den Unruhen 2008 neu gebildeten kenianischen Mammutregierung die Zuständigkeiten völlig ungeklärt sind.

"Auf die Regierung hoffen bringt nichts", glaubt der gebeugte Massaihirte Nentiti ole Kolila. "Unsere einzige Hoffnung ist, dass es im November regnet."

Meteorologen sind skeptisch

Doch Kenias Meteorologen sind skeptisch. In ihrer bisherigen Prognose sagen sie nur wenige Regenfälle voraus. In Kajiado soll es trocken bleiben - außer, es gibt wieder ein El-Niño-Jahr, wie zuletzt 1997/98.

Damals zerstörten sintflutartige Regenfälle ganze Ortschaften, Wasserdämme und hunderte Kilometer Straßennetz. In einem Monat, so glauben die Wetterforscher, wird man wissen, ob sich dieses Ereignis wiederholt.

Ole Kolila, der den El Niño vor mehr als zehn Jahren miterlebt hat, hofft fest darauf. "Hauptsache, es regnet", sagt er, "sonst sterben nach dem Vieh auch die Menschen hier." (Marc Engelhardt aus Kajiado/DER STANDARD-Printausgabe, 17.8.2009)

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    Dürre in Kenia: Weil es kein Wasser gibt, vertrocknen die Felder und stirbt das Vieh. Immer mehr Kenianer brauchen Nahrungsmittelhilfe. Von der Regierung erwartet sich kaum jemand Unterstützung.

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