Beifall für Zumas erste 100 Tage im Amt

16. August 2009, 19:15
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Umstrittener Präsident steuert durch die Krise

Jacob Zuma hat in den ersten hundert Tagen seines Amtes den Druck gespürt, der auf ihm lastet. Gewaltsame Proteste über zu geringe Löhne gipfelten in wochenlangen Streiks der Industrie und Dienstleistungsbetriebe, und die erste Rezession seit 17 Jahren in Südafrika verschärfte noch die sozialen Spannungen im Land.

Doch Zuma, umstritten wegen seiner militanten Vergangenheit und Verfahren wegen Vergewaltigung und Korruption, bleibt in der Offensive. Er wolle "mit den Leuten regieren" , beteuerte der ANC-Chef nun wieder, der am 9. Mai zum Staatschef gewählt worden war. Er verstehe die Frustration und den Ärger der Menschen.

In den Köpfen vieler Südafrikaner spricht das für ihn. "Wir haben eine sehr begrüßenswerte Anerkennung erlebt, dass es eine Krise gibt, und Warnungen, dass viel weniger erreichbar ist" , sagt Susan Booysen, Politologin an der Johannesburger Witwatersrand-Universität. Auf der Höhe der wirtschaftlichen Krise mussten Zumas Wahlversprechungen, eine halbe Million neue Jobs zu schaffen, gedämpft werden: Bereits mehr als 270.000 Stellen sind in diesem Jahr verlorengegangen. Doch der linke Regierungspartner und mächtige Gewerkschaftsbund Cosatu, der Zuma zur Regierungsmacht verholfen hatte, zeigt sich zufrieden mit der bisherigen Arbeit des Präsidenten. Cosatu-Sprecher Patrick Craven meint: "Noch sehen wir zwar keine großen Verbesserungen, aber es ist auch zu früh, darüber zu urteilen, er ist ja gerade knapp drei Monate im Amt." Die Rahmenpläne seien gut, nun müssten sie weiterverfolgt werden.

Zuma kündigte vor wenigen Tagen ein Hilfspaket in Höhe von 2,4 Milliarden Rand (200 Millionen Euro) und Ausbildungsprogramme als Alternative zu Entlassungen an. Besonders die Automobil- und Kleidungsindustrie ist betroffen. Der versprochene Kampf gegen Korruption und Kriminalität zeitigt erste Erfolge: Einige Regierungsangehörige sind suspendiert worden, 12.000 zusätzliche Polizei-Detektive werden ausgebildet.

"Trotz aller Szenarios, die vor den Wahlen aufgebaut wurden, sieht es nun aus, als könne die neue Regierung gut bestehen" , sagt Dirk Kotze, Politologe an der Unisa (University of South Africa). "Er hat sich ein wenig an dem ersten Präsidenten Nelson Mandela orientiert, er trifft die Menschen, und die Arbeit machen sein Stellvertreter, Kgalema Motlanthe, und die Minister in der Planung. Zuma schlägt sich besser, als die meisten dachten." (Martina Schwikowski aus Johannesburg/DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2009)

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    Zuma kündigte ein Hilfspaket für die Betroffenen der Rezession an

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