Brown stemmt sich gegen Ruf nach Abzug

16. August 2009, 18:41
3 Postings

Zwei Drittel der Briten wollen ein Ende des Militäreinsatzes - Am Wochenende überschritt die Zahl der britischen Opfer die 200er-Marke

Der Premier sprach von einem der "schwierigsten Sommer".

London/Kabul – Innerhalb weniger Stunden waren am Samstag zwei weitere Soldaten tot und brachten die britische Regierung in Bedrängnis: Der Afghanistan-Einsatz wird in Großbritannien immer unpopulärer, der Schmerz der trauernden Familien berührt mehr und mehr auch den Rest der Bevölkerung. Seit dem vergangenen Wochenende sind 201 britische Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen.

Regierungschef Gordon Brown, der selbst in einem dauerhaften Popularitätstief steht, verteidigte am Sonntag den Einsatz der 9000 Briten in Afghanistan. "Drei Viertel der Terror-Verschwörungen gegen Großbritannien haben ihren Ursprung in den Bergen von Pakistan und Afghanistan" , sagte der Premier. "Um Großbritannien und den Rest der Welt sicherer zu machen, müssen wir an unserer Entschlossenheit für ein stabiles Afghanistan festhalten."

Zwei Drittel der Wähler, so zeigten Umfragen, wollen einen Abzug aus dem Land am Hindukusch – sofort oder innerhalb eines Jahres. Die seit den Militäroffensiven im Frühjahr steigenden Opferzahlen und Berichte über eine mangelhafte Ausrüstung der britischen Armee, eine ungenügende Zahl gepanzerter Fahrzeuge und Hubschrauber haben die Stimmung unter den Briten gewendet. Am Samstag erlag zunächst ein Soldat seinen Verletzungen, die er bei einer Explosion mehrere Tage zuvor erlitten hatte. Dann kam ein weiterer Mann ums Leben. Das zweite Opfer war zu Fuß auf einer Patrouille in der umkämpften Helmand-Provinz im Süden des Landes, als ein Sprengsatz detonierte.

Ansage gegen die Taliban

Browns Erklärung am Sonntag, wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen in Afghanistan, war auch eine Ansage gegen die Taliban. Diese hatten die Bevölkerung wie schon 2004 vor einer Teilnahme an den Wahlen gewarnt.

Vor der Wahl am kommenden Donnerstag ist Afghanistans Hauptstadt Kabul zur Festung ausgebaut. Am Himmel schwebt derzeit ein weißer Zeppelin, dessen Kameras die afghanische Hauptstadt überwachen. Dennoch gelang es am Samstag einem Attentäter, die Checkpoints zu passieren und einen mit Sprengstoff beladenen Wagen bis ins Zentrum der Stadt zu steuern. Vor dem Tor der von der Nato geführten Internationalen Schutztruppe Isaf zündete der Terrorist die Ladung und tötete dabei sieben afghanische Zivilisten; mehr als 90 Menschen wurden verletzt. Der Anschlag gilt als Tat mit hoher Symbolkraft.

Kämpfe wurden nicht nur aus dem Osten des Landes gemeldet. Auch am nordafghanischen Bundeswehr-Standort Kundus lieferten sich afghanische Sicherheitskräfte und Aufständische am Sonntag erneut Feuergefechte.

Richard Holbrooke, der Sondergesandte der US-Regierung für den Konflikt in Afghanistan und Pakistan, traf am Samstag in Islamabad ein. Journalisten gegenüber sprach der amerikanische Emissär von einem "dramatischen Wandel" zum Guten in Pakistan, verglichen mit der Lage im vergangenen April, als die Taliban zur Machtübernahme im Swat-Tal, eine Autostunde entfernt von Islamabad, angesetzt hatten. Pakistan habe klare Fortschritte im Kampf gegen die Taliban gemacht. Holbrooke wollte das Swat-Tal besuchen, musste wegen schwerer Regenfälle aber auf die Fahrt verzichten. (dpa, AFP, red/DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Britische Soldaten tragen den Sarg eines Infanteristen. Mehr als 200 Briten starben bisher beim Afghanistan-Einsatz.

Share if you care.