Worte sind noch keine Taten

16. August 2009, 17:54
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Die Diskussion über Bonuszahlungen sprint auch in Europa wieder an - Von Bettina Pfluger

Jetzt also doch! Nachdem der US-Kongress beschlossen hat, gegen die gigantischen Bonuszahlungen für Bankmanager vorzugehen, springt die Diskussion über Bonuszahlungen auch in Europa wieder an. In Großbritannien bläst die Politik zum Angriff auf diese Gehaltszuckerln. In Deutschland droht CSU-Vorsitzender Horst Seehofer, notfalls mit einem Gesetz gegen überhöhte Boni vorzugehen. Und Norbert Röttgen, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU, will das Boni-System gar zum Thema einer neuen Bundesregierung machen. Was man dabei aber nicht vergessen darf: In Deutschland stehen Wahlen vor der Türe. Und in Zeiten der Krise eignen sich üppige Bankersalärs natürlich gut als Wahlkampfthema.

Wichtig wäre aber, dass die Diskussionen nicht folgenlos verpuffen. Denn dass das System der astronomischen Bonuszahlungen für falsche Anreize sorgt, weiß man nicht erst seit der Finanzkrise. Jetzt steht das Thema aber am Pranger, und es ist höchst an der Zeit, dass Taten folgen.

Taten allerdings, die auch durchdacht sind. Denn: Auf Geld verzichtet keiner gerne, und schon gar nicht freiwillig - auch kein Bankmanager. Wird ein Boni-Verzicht verkündet, fließt die Marie aber oft an anderer Stelle. Es heißt eben dann nicht mehr Bonus. Wessen Grundgehalt plötzlich doppelt so hoch ist, der kann auch gut auf den Bonus verzichten. Die Diskussion sollte sich daher das Gehaltssystem bei Banken an sich vornehmen und nicht nur einen Punkt herausgreifen, der ziemlich einfach umgangen werden kann. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2009)

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