Zwischen Freude, Demütigung und Ölscheichregelung

16. August 2009, 17:53
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Christian Ondrak kann seinen Partner mitversichern

Wien - Christian Ondraks (40) Empfindungen sind zwiespältig. Auf der einen Seite ist der Wiener Ampeltechniker "dankbar" , dass sein Lebensgefährte B. auch ab Oktober noch eine Krankenversicherung haben wird. Seit 1. August gibt es nämlich auch für Homosexuelle die Möglichkeit, ihre Partner bei sich beitragspflichtig mitzuversichern (siehe Artikel unten rechts). Gleichzeitig ist Ondrak aber auch sauer. Seit Jahren hat er Angst, dass seine Liebesbeziehung ein jähes Ende findet. Nicht etwa, weil er sich mit seinem Freund nicht mehr verstehen würde, sondern weil dieser immer wieder Gefahr läuft, das Land verlassen zu müssen.

B. kam nämlich eigentlich nur zum Studieren an der Wiener Wirtschaftsuniversität nach Österreich. Seinen vollen Namen oder sein Herkunftsland will der 26-Jährige nicht im Standard lesen. B. kommt nämlich vom Balkan. "Dort kann er sich nicht outen" , sagt Christian Ondrak, der stellvertretend für beide spricht.

Die Liebe zu ihm brachte alle Pläne des jungen Studenten durcheinander. Seit vier Jahren wohnen sie nun schon zusammen. Einen dauerhaften Aufenthaltstitel hat B. aber nicht. Alle Versuche, einen Aufenthaltstitel mit dem Zweck "Partnerschaft" zu bekommen, sind gescheitert.

Nun muss er sein Studium mangels Erfolg beenden. Damit würde er aber auch seinen Aufenthaltstitel "Student" verlieren. Daher gehen die beiden nun einen neuen Weg. Sie beantragen die "Ölscheichregelung" . Damit ist eigentlich der Aufenthaltstitel "privat" gemeint. Sie nennen sie aber "Ölscheichregelung" , weil sie nur für Menschen infrage kommt, die sehr gut verdienen. Ondrak verpflichtet sich per notariell beglaubigtem Unterhaltsvertrag, für seinen Freund zu sorgen. Dafür muss er ihm rund 1700 Euro monatlich überweisen.

Gäbe es die neue Möglichkeit der Mitversicherung nicht, müsste er ihn auch noch privat versichern. "Das würde noch einmal 300 bis 400 Euro im Monat ausmachen" , sagt Ondrak. "Ich spare mir durch das neue Gesetz also schon Geld." Außerdem: Müsste er seinen Lebensgefährten privat versichern, könnte er sich womöglich nicht einmal den Unterhaltsvertrag leisten, rechnet Ondrak vor. Schließlich muss ihm bei dieser Konstruktion selbst zumindest das Existenzminimum übrigbleiben.

Die beiden hoffen nun jedenfalls, dass alles wie geplant über die Bühne geht. Wirklich zufrieden sind sie aber nicht. Ondrak: "Meinem Freund gefällt das eigentlich nicht. Er ist ein sehr männlicher Typ. Er kommt aus einem orientalischen Kulturkreis. Der will von sich aus etwas schaffen, will arbeiten und selbst versichert sein." Im Grunde sei es eine "Demütigung für ihn, bei mir mitversichert zu sein" .

Womit wir wieder bei der Zwiespältigkeit wären.

Die Mitversicherungsmöglichkeit ist für Ondrak und B. vordergründig eine Verbesserung. Es sei aber "unverständlich" , dass immer alles so lange dauere. Vor allem, weil der Kreis jener, die sich beim Partner mitversichern lassen, wohl ein sehr kleiner sei.

Letztendlich hoffen sie darauf, dass im Jahr 2010 die Homo-Partnerschaft eingeführt wird. "Ich bin es schon leid, darüber zu sprechen. Aber natürlich hoffen wir jedes Jahr aufs Neue, dass etwas passiert" , sagt Ondrak. Wenn die Homo-Partnerschaft 2010 eingeführt werde, werde man sie "selbstverständlich" als eines der ersten Paare in Anspruch nehmen.

Und hoffentlich sei mit der rechtlichen Partnerschaft dann auch eine Arbeitsgenehmigung für B. verbunden, sagt Ondrak. Solche Probleme wie in seinem Fall wünscht er jedenfalls niemandem: "Ich glaube, jede Hetero-Beziehung wäre unter diesen Umständen schon 20-mal zerbrochen."(Günther Oswald/DER STANDARD-Printausgabe, 17.8.2009)

  • Hofft auf die Homo-Partnerschaft: Christian Ondrak.
    foto: andy urban, der standard
    Foto: Andy Urban, Der Standard

    Hofft auf die Homo-Partnerschaft: Christian Ondrak.

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