Gefährlicher als Hamas

16. August 2009, 17:46
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Die Hamas toleriert niemanden, der ihr Gewaltmonopol in Gaza infrage stellt - Von András Szigetvari

Wie die Hamas mit ihren Gegnern umgeht, hat sie eindrucksvoll am Wochenende bewiesen. Hamas-Kämpfer haben eine Moschee dem Erdboden gleichgemacht, in der sich Anhänger einer jihadistischen Gruppe verschanzt hielten. Rund 30 Menschen starben.

Die Gefechte haben aber auch offenbart, dass im verelendeten Freiluftgefängnis von Gaza noch ganz andere Kräfte als die Hamas gedeihen. Die Kämpfer in der Moschee waren Anhänger der Al-Kaida-nahen Sekte Jihad al-Salafi, die tatsächlich die Hamas als zu liberal kritisiert hatte. Die Sekte hat vor ihrer Zerschlagung offen die Gründung eines "islamischen Emirates" in Gaza ausgerufen. Gruppen, die eine Islamisierung des Konflikts mit Israel betreiben, wähnen sich also im Aufwind.

Gezeigt hat sich auch wieder einmal das Selbstverständnis der Hamas, die sich als legitime Regierung betrachtet. Sie toleriert niemanden, der ihr Gewaltmonopol in Gaza infrage stellt. Dass sie dabei äußerst brutal agiert, ist unbestritten. Deutlich wurde aber auch, dass die Hamas-Führung eben nicht nur aus religiösen Fanatikern besteht, sondern auch aus Realpolitikern, die ihre Macht absichern wollen.

Die internationale Gemeinschaft sollte daher ihren Umgang mit dem Gazastreifen und den Boykott der Hamas einem Realitätscheck unterziehen. Bisher konzentrieren sich die Debatten darauf, wie die moderaten Kräfte rund um Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gestärkt werden können. Nun wird klar, dass eine politische Wende in Gaza nicht automatisch die Moderaten ans Ruder bringen muss. (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2009)

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