Was für den Gast gut, war für die Airline ruinös

16. August 2009, 17:38
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SkyEurope ist zu schnell zu stark gewachsen. Sein voraussichtliches Ende bringt eine Konsolidierung und die Erkenntnis, dass man à la longue nicht mehr ausgeben kann, als man einnimmt

Wien - Die slowakische Fluggesellschaft SkyEurope hat sich aus Wien wegen unbezahlter Rechnungen in ihren Heimatflughafen Bratislava zurückziehen müssen - und dürfte nicht mehr nach Wien zurückkommen.

Airliner haben das Schicksal des am 11. September 2001 gegründeten Billigfliegers SkyEurope seit Jahren schon vorausgesehen. Das Unternehmen, das in Hochzeiten 3,3 Millionen Passagiere beförderte, hat seit seiner Gründung noch nie Gewinne geschrieben. Branchenexperten erwarten nun, dass die Airline innerhalb der nächsten 14 Tage das Ende bekanntgeben wird und somit nicht mehr aus dem laufenden Gläubigerschutz-Programm, in dem sie sich seit Ende Juni befindet, herauskommt.

Das Geschäftsmodell des Billig-fliegers ist gescheitert. Strategie war es, mit aggressiven Preisen eine kritische Masse an Flugzeugen füllen zu können, und dann schön langsam die Preise anzuheben, bis die Zeit für SkyEurope-Investor York (ein milliardenschwerer US-Pensionsfonds) gekommen schien, die Airline mit Gewinn zu verkaufen. Bloß so weit kam es nie. Dabei hatte es Interessenten gegeben. Etwa Niki Lauda. York zierte sich jedoch - und Lauda blieb diese negative Erfahrung erspart.

Keine Gewinne

Bei SkyEurope zeigt sich einmal mehr, dass Finanzinvestoren nur sehr beschränkt gute Eigentümer sind: schnell Geld hineinbuttern und sich dann rasch mit möglichst viel Gewinn wieder zurückziehen. Bloß SkyEurope kam nie auch nur in die Nähe von Gewinnen. Denn in dem Moment, in dem sie die Preise anhob, blieben die Passagiere weg. Die Wirtschaftskrise war dann der Todesstoß.

Dabei tat SkyEurope einiges, um die kritische Masse zu erreichen: Sie stellte die Flotte um von kleinen Propellermaschinen auf einheitliche Boeings 737. Die großen Flieger konnten jedoch mit den Sekundärzielen wie Košice und Co nicht ausreichend gefüllt werden.

Neben Bratislava und Wien wurden auch in Prag, Budapest und Warschau Basen errichtet. In Summe gab es zu viele Baustellen. Das ging so lange gut, solange Eigentümer York Geld hineinsteckte.

Die AUA machte seit Jahren den Flughafen Wien dafür verantwortlich, zu viele Billigairlines nach Wien zu locken. Selbst schwer defizitär, musste die AUA auf Kampfpreise von SkyEurope (zunächst Richtung Osteuropa, später auch nach Innsbruck) reagieren. Das war für den Fluggast gut, für die Airlines ein ruinöser Wettkampf.

Zur Erinnerung: SkyEurope startete ab Oktober 2007 von Wien nach Innsbruck. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die AUA auf ihrer jahrelangen Monopolroute einige hundert Euro für das Ticket verlangt. SkyEurope begann mit 29 Euro "one way". AUA konterte mit 99 Euro (hin und retour). Für beide Airlines ein Verlustgeschäft. Als SykEurope wenige Monate später die Verbindung wieder einstellte, ging AUA mit den Preisen wieder hoch. So lange, bis FlyNiki kam.

Immer wieder wurde gemunkelt, der Wiener Flughafen sponsere SkyEurope, nicht zuletzt um die eigene Passagierstatistik nach oben zu schrauben. Von 19,7 Mio. Gästen, die der Wiener Airport 2008 abfertigte, kamen zuletzt rund eine Million vom slowakischen Carrier. Mit der Stundung der Gebühren von rund vier Mio. Euro hat der Airport SkyEurope jahrelang unterstützt. Damit ist jetzt Schluss - und das Geld wohl für immer weg.

Was jetzt kommt, ist eine Konsolidierung am Markt. Einige SkyEurope-Passagiere werden nicht mehr fliegen, die restlichen sich auf FlyNiki und AUA aufteilen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2009)

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