Fliegend übers Meer und über den See

16. August 2009, 17:44
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Kiteboarder Schitzhofer und Wakeboarder Fetz mischen in der Weltelite mit - Um ihren Sport aus­zuleben, touren sie durch die ganze Welt

Wien - "Es gibt eindeutig schlechtere Arbeitsplätze", sagt Michael Schitzhofer. Denn der 23-jährige Burgenländer hackelt auf der ganzen Welt, sowohl in Südafrika, Brasilien und Mexiko als auch auf den Kanarischen Inseln, in Kanada und Griechenland. Sein Büro ist quasi das Meer, und im Gegensatz zu Büroangestellten hat er es am liebsten, wenn es ordentlich zieht.

Michael Schitzhofer ist Österreichs derzeit einziger Kitesurfer im Weltcup-Zirkus. Bei den Damen mischt seit dieser Saison auch noch die 25-jährige Wienerin Laila Pühringer mit. Nach Stationen in Frankreich, Fuerteventura und zuletzt St. Peter-Ording an der Nordsee belegt Schitzhofer im Freestyle-Bewerb den zehnten Gesamtrang. Bis zum Saisonende sollte ein Platz in den Top Sechs möglich sein. "Um in der Weltelite zu sein, habe ich hart trainiert" , sagt er.

Vor neun Jahren hat Schitzhofer das Kiten auf Teneriffa für sich entdeckt, seit drei Jahren fährt der mehrfache österreichische Staatsmeister im Weltcup. "Ich war mit dem Bundesheer fertig und habe mich für kein Studium entscheiden können. Der Entschluss, Kitesurf-Profi zu werden, war aber auch kein einfacher" , erzählt der Schützener. Ohne finanzielle Unterstützung seitens der Eltern wäre der Plan kaum umsetzbar gewesen. Vater Franz, selbst ein begeisterter Kiter, nahm Michael auch sportlich unter seine Fittiche und betreut ihn als Coach.

"Mittlerweile kann ich den Sport aber schon so betreiben, dass es sich gut ausgeht" , sagt Schitzhofer, und er meint damit ein Nullsummenspiel. "Reich werde ich nicht davon." Dennoch sind die Gelder, die sich der Burgenländer in Eigenregie aufstellt, schon beeindruckend. Schließlich sei mit Kosten von 30.000 Euro jährlich zu rechnen. Sein Preisgeld bei Weltcup-Events, neben Sponsoren die wichtigste Einnahmequelle, deckt meist aber gerade einmal die Reisekosten ab. Nur für eine Handvoll Kiter weltweit zahlen sich die Events auch finanziell aus.

Von seinem Sport leben zu können ist freilich nicht das primäre Ziel von Schitzhofer. Viel lieber erzählt er von den traumhaften Windbedingungen in Brasilien oder Südamerika, wenn er winters dort trainiert. Vom Gefühl, dank des Lenkdrachens vom Meer abzuheben und einige Meter durch die Luft zu segeln. Oder von Rotationen, seiner Technik und seinem Style, die es zu verbessern gilt. "So lala ist mir zu wenig." Bewertet werden seine Tricks, ähnlich wie bei Snowboard-Bewerben, von eigenen Judges. Das Stylebook quasi kennt gleich 146 (!) verschiedene Begriffe.

Nach den drei absolvierten Tourstopps stehen in dieser Saison noch ebenso viele an. Im Vorjahr waren es insgesamt elf gewesen, die Wirtschaftskrise hat auch vor dem Lifestyle-Sport nicht Halt gemacht. "Macht aber nichts" , sieht's der Burgenländer locker, "dann bin ich heuer eben öfters am Neusiedler See unterwegs."

Wakeboarden am Salmsee

Was für Schitzhofer für Trainingszwecke der Neusiedler See, ist für den Wakeboarder Daniel Fetz der "Jetlake" in Feldkirchen an der Donau oder der Steyregger Salmsee. Der 24-jährige Oberösterreicher benötigt für sein Brett kein Kite, die für Sprünge und Salti notwendige Geschwindigkeit wird entweder von einem Lift oder vom Motorboot erzeugt. Eigens errichtete Rails und Kicker auf dem Wasser schaffen dann die Voraussetzung für spektakuläre Tricks, die ebenso spektakulär "Canadian Bacon" oder etwa "Railey to Blind" heißen. Vor allem in der Disziplin "Cable" , also von einer Seilwinde gezogen, gehört Fetz zu den Besten, in der Weltrangliste ist er auf Platz vier zu finden. 2003 wurde er in Brisbane Juniorenweltmeister.

"Ich fahre seit zwölf Jahren Wakeboard" , erzählt Fetz. Wie Schitzhofer hat sich auch er 2005, nach dem Zivildienst, für eine Arbeit oder eine professionelle Sportlerkarriere entscheiden müssen. Geworden ist es dann irgendwie beides. "Ich habe den Salmsee in Steyregg gepachtet, mir ein Motorboot gekauft und mich selbstständig gemacht." Mit Sponsoren und Preisgeldern allein könnte er sich sein Sportlerdasein nicht leisten, "aber mit meinen organisierten Wakeboard-Kursen geht sich das Ganze schon irgendwie aus."

In der Hauptsaison reißt es den Jungunternehmer dann ordentlich hin und her. Schließlich gilt es zwischen Terminen der Wakeboard-Camps auch Wettkämpfe des Austrian Cup oder internationale Competitions zu bestreiten. Ende Juli gab sich Fetz die Cable-EM im finnischen Ukkuhalla, dann ging's direkt zur Boat-EM nach Montargil in Portugal. Ende August steht die Boat-WM in Korea auf dem Programm. "Neun Monate im Jahr bin ich schon Wakeboard-technisch unterwegs" , erzählt Fetz. Und auch die restlichen drei Monate im Winter steht er auf einem Brett. Fetz ist dreifacher oberösterreichischer Big-Air-Meister im Snowboard, feilt da wie dort, am Berg wie am See, zwischen Kanada und Thailand, an seinen Sprüngen. "Häuslich werden könnte ich jetzt noch nicht" , sagt er. "Es gibt eindeutig schlechtere Arbeitsplätze."(David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe, 17. August 2009)

  • Daniel Fetz ist Österreichs Bester auf dem Wakeboard. Neben der
Teilnahme an Weltcup-Bewerben betreibt der Oberösterreicher eine eigene
Wakeboard-Schule am Salmsee
    foto: austrian wakeboard

    Daniel Fetz ist Österreichs Bester auf dem Wakeboard. Neben der Teilnahme an Weltcup-Bewerben betreibt der Oberösterreicher eine eigene Wakeboard-Schule am Salmsee

  • WISSEN

    Kitesurfer zeigen Style und Speed

    Die Trendsportart, eine Mischung aus Wakeboarden und Windsurfen, wurde erst vor etwa fünfzehn Jahren in den USA erfunden. Ein Lenkdrachen (kite) übernimmt dabei die Funktion des Segels. Mit aggressiv gelenkten Kites sind bis zu zehn Meter hohe und mehr als hundert Meter weite Sprünge möglich. Der Geschwindigkeitsrekord steht bei 102 Stundenkilometern (55,147 Knoten).

    Die stilsichere Ausführung von Tricks, die von Judges bewertet werden, steht aber im Vordergrund. Seit 2000 wird der Weltcup von der Professional Kiteboard Riders Association (PKRA) organisiert und in den Disziplinen Freestyle, Wave, Speed und Racing ausgetragen. Der Gesamtsieger der einzelnen Weltcup-Stopps ist Weltmeister. Anfang des Jahres hat sich die PKRA mit der International Kiteboarding Association (Ika) zusammengeschlossen.

    Eine einheitliche und noch professionellere World Kitesurfing Tour ist derzeit im Planungsstadium.

    Wakeboarder noch nicht geeint

    Nur ein paar Jahre vor Kitesurfen entstand Wakeboarden Mitte der 1980er als Mischung aus Wasserski, Wellenreiten und Snowboard. Freestyle-Tricks sind ans Snowboarden angelehnt, viele Snowboarder machen auch auf dem Wasser gute Figur. Unterschieden wird nach Fortbewegungsmitteln: Weltcup-Bewerbe und Großevents werden am Lift (cable) oder am Boot (boat) ausgetragen und von der International Water Ski Federation (IWSF) vermarktet. Der alternative Veranstalter, die World Wakeboarding Association (WWA), ist vor allem in den USA und in Asien populär. Österreichs beste Wakeboarder vereint der Austrian Wakeboard Cup mit je vier Bewerben am Lift und am Boot. Liftanlagen gibt's auf der Wiener Donauinsel, am Jetlake in Feldkirchen, am Ausee in Asten und am Planksee bei Vogau in der Steiermark. Wakeboarden ist auch bei den World Games (nicht olympische Sportarten) vertreten. (krud)

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