Passive Fonds wachsen trotz der Finanzkrise

16. August 2009, 17:17
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Mit dem Aufschwung an den Märkten geht ein Wandel einher: Anleger investieren verstärkt in ETFs

Wien - Viele Anleger haben im Zuge der Finanzkrise riskante Positionen verkauft. Aktien, Aktienfonds und auch riskant gewordene Kredit- oder Rohstoffpositionen wurden so aus den Portfolios geworfen. Zumindest seit März hat sich dieser Trend wieder umgekehrt. Statt der Flucht aus dem Risiko haben die Investoren wieder Geld in riskantere Wertpapiere investiert, in der Hoffnung, dass eine allzu große Krise abgewendet und der Aufschwung bereits eingeläutet ist.

Doch bei dem Wiedereinstieg in den Markt scheint sich ein Strukturwandel in der Vermögensverwaltung einzustellen. Während die klassischen Investmentgesellschaften Probleme haben, die herben Verluste der Krise - sowohl Kursverluste als auch Geldabflüsse - auszugleichen, spüren die passiv gemanagten Fonds bereits einen Aufwind.

Das Volumen, das in Exchange-Traded Funds (ETF) - also börsengehandelten Fonds - veranlagt ist, ist auf den höchsten Stand seit dem Beginn der ETF-Industrie in den späten 1990er-Jahren angestiegen. Weltweit sind mehr als 862 Milliarden Dollar (umgerechnet 606,9 Mrd. Euro) in diesen Fonds investiert.

Die Attraktivität von ETFs liegt primär in den niedrigen Kosten, die passive Fonds verursachen. Für aktiv gemanagte Aktienfonds liegen die jährlich fälligen Managementgebühren für internationale Aktien bei rund 1,38 Prozent, bei ETFs für dieselbe Anlagekategorie liegt die Gebühr bei 0,59 Prozent, zeigt eine aktuelle Studie der US-Bank Morgan Stanley.

Ähnliche Kostenunterschiede gibt es auch bei anderen Anlagekategorien. Die höheren Kosten bei klassischen Fonds werden durch aktives Fondsmanagement gerechtfertigt. Während die ETFs oft nur den Kursverlauf eines einzelnen Index abbilden, etwa den S&P500 in den USA oder den österreichischen ATX, versuchen Fondsmanager einzelne Aktien auszuwählen und den Index zu schlagen. Eine Garantie dafür, dass ein Fonds - nach Kosten - den Markt schlägt, gibt es freilich nicht.

Die sehr viel größere Fondsindustrie für aktiv gemanagte Fonds hat in der aktuellen Krise rund 284 Milliarden Euro an Kapital eingebüßt, zusammen mit den Verlusten aus den Kursabstürzen an den Kapitalmärkten schrumpfte das verwaltete Volumen zwischen 2007 und 2009 um rund 20 Prozent auf 6020 Milliarden Euro. In Österreich beispielsweise liegt das von den Fondsgesellschaften verwaltete Vermögen noch immer rund 45 Milliarden Euro vom Höchststand im Jahr 2006 entfernt (167,3 Mrd. Euro). (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2009)

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