Warum Flamingos auf einem Bein stehen

16. August 2009, 17:00
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US-Forscher studierten Verhalten einer Kolonie in einem Zoo - und fanden in der Temperaturregulierung eine plausible Erklärung

Philadelphia - Warum Flamingos - nicht nur, aber oft und gerne - auf einem Bein stehen, glauben Forscher der Saint Joseph's University in Philadelphia nun herausgefunden zu haben. Nach einer mehrmonatigen Untersuchung von karibischen Flamingos im Philadelphia Zoo kommen die Wissenschafter im Fachmagazin "Zoo Biology" zur Annahme, dass das Stehen auf einem Bein lediglich dazu dient, dass der Körper der Vögel nicht zu sehr auskühlt. Wesentliches Indiz: Die Flamingos bevorzugten den Beobachtungen nach das Auf-Einem-Bein-Stehen im Wasser, während sie an Land auf beiden Beinen standen.

"Flamingos haben mein Interesse aus verschiedenen Gründen geweckt", so der Verhaltenspsychologe Matthew Anderson, der mit seiner Kollegin Sarah Williams die Tiere untersucht hat. "Aufgrund ihrer Geselligkeit sind sie ideale Tiere für die Erforschung von sozialen Einflüssen auf ihr Verhalten." Im ersten Teil der Untersuchung wollten die Forscher wissen, ob die Tiere ähnlich wie rechtshändige und linkshändige Menschen eine bevorzugte Körperhälfte haben. Dabei habe sich gezeigt, dass es Präferenzen gibt, auf welche Seite der Kopf zum Ausruhen gelegt wird - was auch mit der Aggressionsbereitschaft gegenüber anderen Tieren in der Gruppe in Zusammenhang zu stehen scheint. Bei der Wahl des jeweiligen Beines konnten die Forscher jedoch keine Präferenzen feststellen. Das häufig genannte Argument, dass Flucht mit einem Bein schneller möglich sei, konnten die Wissenschaftler ebenso widerlegen.

Simple Lösung

Erst die Entdeckung, dass die Vögel bei Landausflügen auf beiden Beinen stehen, legte die Annahme nahe, dass dies mit dem Temperaturhaushalt der Tiere zu tun haben könnte. "Da Wasser immer mehr Körperwärme wegnimmt, sind wir auf die Idee der Thermoregulierung gekommen", schreibt Anderson. Das bedeutet, dass die Tiere deswegen auf einem Bein stehen, damit sie nicht mehr Körperwärme verlieren. Stehen sie mit beiden Beinen im Wasser, kühlen sie stärker aus, als ihnen zuträglich ist." Zudem konnten die Forscher auch zeigen, dass der Grund, warum die Flamingos abwechselnd auf einem und dann am anderen Bein stehen, darin liegt, dass ein Bein nicht zu sehr abkühlt.

Möglicherweise könnte sich das Stehen auf einem Bein auch positiv auf die Blutzirkulation  auswirken - aber auch diese Theorie widerlege die These der Abkühlungsvermeidung nicht. Dass auch andere Wasservögel, wenn sie im Wasser stehen, häufig ein Bein einziehen, lässt die Theorie der beiden Forscher als durchaus plausibel erscheinen. (pte/red)

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    Zweimal halbierter Bein-Einsatz

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