SPÖ fordert Prozesse gegen Gebirgsjäger

16. August 2009, 12:00
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Deutsche Wehrmacht tötete während der Okkupation Griechenlands mehr als 300.000 Menschen

Wien - Der Nationalratsabgeordnete Johann Maier (SPÖ) hat die Forderung erhoben, gegen die Gebirgsjäger, die im Zweiten Weltkrieg Kriegsverbrechen verübt haben, in Österreich gerichtlich vorzugehen. "Nachdem die Namen der an Kriegsverbrechen beteiligten Gebirgsjäger bekannt sind, liegt es an der österreichischen Justiz, gegen die noch lebenden Gebirgsjäger in Österreich vorzugehen", betonte der Politiker am Sonntag in einer Parteiaussendung. Während der Okkupation Griechenlands durch die deutsche Wehrmacht von April 1941 bis September 1944 wurden mehr als 300.000 Griechen getötet, viele von ihnen bei sogenannten Vergeltungsaktionen der Besatzungstruppen gegen Partisanen.

"Gebirgsjäger der 1. Gebirgsdivision waren ab 1943 im ehemaligen Jugoslawien (Montenegro, Serbien), in Albanien und in Griechenland an zahlreichen Massakern an Zivilisten, an Geiselerschießungen und der Ermordung von Kriegsgefangenen beteiligt", so Maier, der einige der schlimmsten Massaker anführte. "In Deutschland wurde letzte Woche ein ehemaliger Leutnant der Gebirgspioniere von einem Schwurgericht wegen mehrfachen Mordes an Italienern im Jahr 1944 zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Mord verjährt nie, auch nicht in Österreich", unterstrich der sozialdemokratische Parlamentarier.

Ungesühnte Kriegsverbrechen

Zahlreiche Kriegsverbrechen der Wehrmacht seien bis heute ungesühnt. Im besetzten Griechenland "wüteten und mordeten die Gebirgsjäger (Leichte Infanterie der Gebirgstruppe, Anm.), insbesondere die Erste Gebirgsdivision, der viele Österreicher angehörten. Heute jährt sich das Massaker in Kommeno (Komeno, Dorf in Nordwestgriechenland, Anm.) zum 66. Mal. Gebirgsjäger der 12. Kompanie der Ersten Gebirgsdivision haben in Kommeno 317 Männer, Frauen und Kinder hingemetzelt", erinnert Maier an die Verbrechen vom 16. August 1943.

Der Abgeordnete erwähnte auch Kefalonia (ca. 5.000 ermordete italienische Kriegsgefangene), Korfu (ca. 700 Kriegsgefangene), Lyngiades (80 Menschen), Skines (146 Männer und 2 Frauen), Lamerivio (98 Männer und Frauen), Paramythia (49 Männer und Frauen), Mousiotitsa (153 Männer, Frauen und Kinder). Im nordwestlichen Epirusgebiet hätten die Gebirgsjäger außerdem die geheime Feldpolizei bei der Deportation der griechischen Juden aus Ioannina unterstützt.

"Am 1. September 2009 jährt sich zum siebzigsten Mal der Beginn des grauenhaften Zweiten Weltkrieges: Millionen Tote unter den Soldaten und unschuldigen Zivilisten sowie Millionen Tote, die dem verbrecherischem Regime zum Opfer gefallen sind und ermordet wurden", so der Nationalratsabgeordnete. (APA)

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