Pjöngjang droht mit Atomschlag

16. August 2009, 16:28
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Wegen Manöver der USA mit Südkorea - "Aggressoren werden gnadenlos ausradiert" - Manöver findet jedes Jahr statt - Wird von Nordkorea immer als Bedrohung wahrgenommen

Seoul - Als Reaktion auf ein gemeinsames Manöver der USA und Südkoreas hat Nordkorea mit einem nuklearen Vergeltungsschlag gedroht. Sollten die beiden Länder die Koreanische Demokratische Volksrepublik mit Atomwaffen bedrohen, würden sie mit Atomwaffen vernichtet, hieß es in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA in Pjöngjang am Sonntag unter Berufung auf einen Militärvertreter verbreiteten Meldung. Die USA und die südkoreanische Regierung von Präsident Lee Myung-bak sollten erkennen, dass die nordkoreanische Armee fest entschlossen sei, "Aggressoren gnadenlos auszuradieren".

Südkorea und die USA beginnen am Montag ein Manöver mit Computer-Simulationen und Kommunikationsübungen. Pjöngjang bezeichnete die Übung als "Manöver für einen Atomkrieg" gegen Nordkorea. An der jährlich abgehaltenen Militärübung Ulchi Freedom Guardian, die bis 27. August laufen soll, sind 10.000 US-Soldaten und eine unbekannte Zahl südkoreanischer Soldaten beteiligt. Beide Länder betonten, die Manöver dienten nur zur Verteidigung. Nordkorea hatte die alljährlichen Übungen in der Vergangenheit stets als Bedrohung verurteilt. Das in Südkorea stationierte UNO-Kommando hatte die nordkoreanische Volksarmee über die Übungen wie üblich vorher informiert.

Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag auf der geteilten nordostasiatischen Halbinsel. Der Koreakrieg dauerte von 1950 bis 1953. Im Juni 1950 hatten nordkoreanische Truppen die nach dem Zweiten Weltkrieg festgelegte Demarkationslinie entlang des 38. Breitengrades überschritten. Der Weltsicherheitsrat beschloss damals auf Initiative der USA, Südkorea mit UNO-Truppen zu Hilfe zu kommen. Die Sowjetunion boykottierte die Sitzung; somit war kein Vertreter Moskaus zugegen, um ein Veto einzulegen. Die USA stellten das weitaus größte Truppenkontingent der UNO-Streitmacht. China unterstützte Nordkorea mit einer großen "Freiwilligen"-Armee. Der verheerende Krieg wurde durch einen bis heute gültigen Waffenstillstand beendet; dieser wurde von einem US-General im Namen der Vereinten Nationen unterzeichnet.

Am Samstag hatte südkoreanische Präsident Lee die Führung Nordkoreas zur Abrüstung aufgerufen und erklärt, Südkorea sei zu Gesprächen und zu einer Kooperation mit dem Norden "über jedes Thema, zu jeder Zeit und auf jedem Niveau" bereit.

Hyundai-Chefin traf Kim

Im Bemühen um eine Annäherung zwischen Seoul und Pjöngjang hat sich die Chefin des südkoreanischen Hyundai-Konzerns am Sonntag mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-il getroffen. Hyun Chung-eun und Kim führten ein "aufrichtiges Gespräch", wie die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete. Nähere Angaben zum Inhalt des Gesprächs machte die Agentur nicht.

Hyun war zu Wochenbeginn nach Pjöngjang gereist, um sich für die Auslieferung eines seit Ende März festgehaltenen südkoreanischen Arbeiters einzusetzen. Dieser war am Donnerstag nach viereinhalb Monaten Haft freigelassen worden. Dem Ingenieur Yu Seong-jin, der in dem von Nordkorea und Südkorea gemeinsam betriebenen Industriepark in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong arbeitete, wurde vorgeworfen, das kommunistische System des Landes kritisiert zu haben. In der Hoffnung auf ein Treffen mit Kim hatte Hyun den Aufenthalt mehrfach verlängert.

Die Hyundai-Chefin hatte den Weg für grenzübergreifende Projekte wie den gemeinsam betriebenen Industriekomplex Kaesong gebahnt. Derzeit bemüht sie sich um eine Wiederaufnahme von Touren nach Nordkorea, die wegen zunehmender Spannungen zwischen den Nachbarn eingestellt worden waren.

Seit dem Amtsantritt der konservativen Regierung in Seoul im Februar 2008 waren die innerkoreanischen Beziehungen äußerst frostig. Auf internationaler Ebene sorgten Nordkoreas jüngster Atomwaffentest sowie eine Reihe von Raketentests für Entrüstung. Derzeit geht es Pjöngjang nach Einschätzung von Beobachtern vor allem darum, die Beziehungen zu Washington zu verbessern - wofür bessere Kontakte nach Seoul erforderlich seien. (APA/Reuters/dpa)

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