US-Senator holt mysteriösen Schwimmer zurück

16. August 2009, 09:37
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Militärjunta gibt Suu-Kyi-Besucher John Yettaw frei

Ragun/Washington - Erst Nordkorea, dann Burma: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat ein US-Politiker die Freilassung eines amerikanischen Bürgers aus der Haft in einem diktatorischen Land erreicht. Der in Burma zu sieben Jahren Arbeitslager verurteilte John Yettaw konnte das Land am Sonntag in Begleitung von US-Senator John Webb verlassen. Der frühere US-Präsident Bill Clinton war vergangene Woche aus Nordkorea mit zwei inhaftierten US-Amerikanerinnen zurückgekehrt.

Webb, ein Fürsprecher für die Aufhebung der Sanktionen gegen Burma, hatte während seines Besuches in dem südostasiatischen Land mit Juntachef Than Shwe gesprochen und auch Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi getroffen. Das Regime hatte Yettaws uneingeladenen Besuch bei Suu Kyi zum Vorwand genommen, um sie nochmals zu 18 Monaten Hausarrest zu verurteilen.

Die Wirtschaftssanktionen, mit denen George W. Bush das Militärregime in die Knie zwingen wollte, haben nach Einschätzung des State Department praktisch nichts erreicht. Webb spricht offen aus, was die Strategen des Außenamts im stillen Kämmerlein denken. "In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Fähigkeit der USA, die Ereignisse in Burma zu beeinflussen, stetig verringert" , sagt er. Nur China, der große Rivale, profitiere von der Eiszeit. Jedenfalls pfeifen es die Spatzen von den Washingtoner Dächern, dass der Asien-Trip des 63-Jährigen den Boden für einen Neubeginn bereiten soll. Im nächsten Schritt, spekulieren Beobachter, könnten die USA und Burma wieder Botschafter austauschen.

Menschenrechtler reagierten verärgert auf die Bemühungen um Yettaw und bezeichneten diese als Propaganda-Coup für die Junta.

Bevor er im Mai in Rangun in den See vor Aung San Suu Kyis Haus sprang, fotografierte Yettaw sich selbst. Die Bilder zeigen einen großen, kräftigen, leicht derangiert wirkenden Mann, der ein weißes Hemd und selbstgebastelte Flossen trägt. Yettaw hatte zudem eine Amateur-Detektivausrüstung dabei samt Taschenlampe und Pinzette. "Er ist ein sehr aufrichtiger und frommer Mensch" , sagte sein Anwalt Khin Maung Oo. Seine dritte Ehefrau Yvonne Yettaw erklärte gegenüber dem US-Magazin Newsweek, ihrem Ex-Mann gehe es offenbar nicht gut.

Nach und nach kristallisierte sich ein Bild von Yettaw als einer tragischen Gestalt heraus: Allem Anschein nach ist der 54-jährige strenggläubige Mormone geistig leicht verwirrt und auch gesundheitlich angeschlagen. Er leidet an Diabetes, epileptischen Anfällen und Krämpfen und musste während des Prozesses im Insein-Gefängnis in Rangun ins Krankenhaus.

Im Prozess sagte Yettaw, er habe Suu Kyi vor einem Mordkomplott warnen wollen. Er sei zu dem abgeschotteten Haus der Friedensnobelpreisträgerin geschwommen, "weil Gott ihn darum gebeten" habe. Yettaw war nicht zum ersten Mal dort. Bereits im November 2008 lief er über ein Abflussrohr am Seeufer zu dem Haus, legte dort aber lediglich das "Buch Mormon", die religiöse Schrift der Mormonen, ab. (dpa, AFP, fh/DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2009)

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    Unklare Gesten nach der Freilassung:Wegen Yettaw steht Suu Kyi weiter unter Hausarrest.

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