Hamas schaltet islamistische Gruppe in Gaza aus

18. August 2009, 15:41
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28 Menschen sterben bei Kämpfen in Rafah – Al-Kaida verurteilt Aktion der Hamas scharf

Gaza - Bei den schwersten innerpalästinensischen Kämpfen seit der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen vor zwei Jahren sind am Wochenende 28 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden. Die Hamas hatte eine Moschee in Rafah gestürmt, in der sich rund 100 Anhänger der islamistischen Sekte Jihad al-Salafi verschanzt hatten.

Die Sekte soll dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehen. Sie hat die Hamas in der Vergangenheit immer wieder als zu liberal kritisiert und zuletzt die Errichtung eines "islamischen Emirats" in Gaza proklamiert. Die meisten der 28 Toten waren Mitglieder der Jund Ansar Allah, dem bewaffneten Flügel der Sekte.

Die Kämpfe waren Freitagabend ausgebrochen, nachdem Hamas-Kämpfer die Moschee im südlichen Rafah umstellt hatten. Rund sieben Stunden lang dauerten die Kämpfe. Schließlich sprengte sich offenbar der Führer der Gruppe, der 47 Jahre alte Universitätsprofessor Abdel Latif Mussa, mit einem Sprengstoffgürtel selbst in die Luft. Neben den Jund-Ansar-Allah-Kämpfern starben sechs Mitglieder der Hamas und sechs Zivilisten.

Kriminelle Gang

Eine Al-Kaida nahestehende Webseite verurteilte die Aktion der Hamas scharf. Die Hamas sei eine "kriminelle Gang" , deren Taktik an jene der Israelis erinnere. Ein Sprecher der Hamas erklärte, die Jihad al-Salafi wollte "zu der Anarchie im Gazastreifen zurückkehren", das habe man verhindert.

Die Jihad al-Salafi hatte international erstmals im Juni für Schlagzeilen gesorgt. Damals hatten Mitglieder der Gruppe einen Angriff auf israelische Grenzsoldaten durchgeführt. Drei Menschen starben. Der Gruppe sollen sich auch zahlreiche enttäuschte Hamas-Kämpfer angeschlossen haben. Unter den Toten in der Moschee befand sich offenbar auch ein syrisches Mitglied der Jihad al-Salafi.

Nach Einschätzung von Beobachtern hat die Hamas mit ihrem harten Vorgehen den rund 1,5 Millionen Palästinensern im Gazastreifen signalisieren wollen, dass sie radikalen Kräften keinen Spielraum lässt und in der Lage ist, den gesamten Gazastreifen zu kontrollieren.

Die Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nutzte die Kämpfe, um ihrerseits erneut Kritik an der Hamas zu üben. Die Vorfälle hätten klargemacht, dass Islamisten den Gazastreifen zu ihrer antiwestlichen Basis ausbauen.

Die palästinensischen Parlamentswahlen vom Jänner 2006 hatte die Hamas mit absoluter Mehrheit gewonnen. Im Juni 2007 wurde die Fatah dann nach einem blutigen Machtkampf aus dem Gazastreifen vertrieben. Seither regiert die Fatah die palästinensischen Städte im Westjordanland und die Hamas den Gazastreifen. (AP, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2009)

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