Masai gewinnt Gold, Bolt macht Gusto

15. August 2009, 23:05
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Überraschung bei den 10.000 Meter der Frauen durch 19-jährige Kenianerin - Bolt ganz locker ins Halbfinale - Kugel-Gold an Cantwell, Geher-Titel an Bortschin

Berlin - Kenia hat den fünf Welttitelkämpfe anhaltenden Erfolgsrun der äthiopischen Frauen bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften über 10.000 m gestoppt und am Samstag zum Auftakt der WM in Berlin durch die 19-jährige Linet Masai einen Überraschungserfolg gelandet. Die weiteren Goldmedaillen gingen im Kugelstoß der Männer mit der Jahresweltbestleistung von 22,03 m an den US-Amerikaner Christian Cantwell sowie über 20 km Gehen an den Russen Waleri Bortschin. Und Sprint-Rakete Usain Bolt gab schon mal einen Vorgeschmack dessen ab, was am Sonntag von ihm an Show und Sport zu erwarten ist.

Dominanz der Äthiopierinnen gebrochen

Masai schnappte in 30:51,24 Minuten der zu früh jubelnden favorisierten Äthiopierin Meselech Melkamu (30:51,34) den Titel im Endspurt weg, Dritte wurde mit Wude Ayalew eine weitere Äthiopierin (30:51,95), Landsfrau Meseret Defar landete nur auf Rang fünf. Äthiopien hatte am Freitag auch die verletzungsbedingte Absage von Olympiasiegerin und Titelverteidigerin Tirunesh Dibaba hinnehmen müssen. Masai war "dankbar" und Melkamu bekannte: "Ich habe die Kenianerin nicht gesehen."

Die Ergebnisse waren lange nicht offiziell. Das lag daran, dass beim Start die Hütchen auf der Laufbahn nicht platziert waren und die auf den Außenbahnen gestarteten Läuferinnen zu früh nach innen liefen und damit weniger Meter machen mussten. Da aber binnen einer halben Stunde kein Protest einlangte, wurde das Ergebnis gültig. (Anmerkung: Siegerin Masai war eine jener Läuferinnen, die so nicht ganz 10.000 m absolvierten).

Powell am schnellsten, Bolt am lockersten

Über 100 m haben sich die Favoriten allesamt souverän für das Halbfinale qualifiziert. Asafa Powell stellte mit 9,95 Sekunden die schnellste Zeit in den fünf Zwischenläufen auf, sein jamaikanischer Landsmann und Weltrekordler Usain Bolt nahm es wie im Vorlauf locker und begnügte sich mit 10,03, der US-Amerikaner Tyson Gay benötigte 9,98. Der Österreicher Ryan Moseley war bereits in den Vorläufen am Vormittag mit schwachen 10,58 Sekunden als 58. der 91 Teilnehmer ausgeschieden, der 26-Jährige wurde von einem Krampf in der rechten Wade geplagt.

Gay war in Vorlauf und Zwischenlauf schneller als Bolt, jedoch hatte der dreifache Olympiasieger beim ersten Auftritt am Vormittag locker gejoggt (10,20) und im abendlichen Rennen erlaubte er sich sogar ein Geplänkel mit Daniel Bailey (ANT). Die beinen hielten in der Schlussphase Blickkontakt und grinsten einander gegenseitig an. "Ich wollte Kraft sparen, denn das wird hart morgen", sagte Bolt, der angab, nur das getan zu haben, was er tun musste. Gay, der seine Leistenprobleme im Griff zu haben scheint, ist für den Fight bereit: "Das fühlte sich sehr, sehr gut an."

Cantwell und Bortschin erste Weltmeister

Das Gastgeberland heimste die erste Medaille ein, denn hinter Cantwell und dem polnischen Olympiasieger Tomasz Majewski (21,91) landete Rolf Bartels auf dem Bronzerang (21,37). Im Siebenkampf liegt nach vier Disziplinen die Britin Jessica Ennis mit 4.124 Punkten vor der ukrainischen Olympiasiegerin Natalja Dobrynska (3.817) und der Deutschen Jennifer Oeser (3.814). Über 3.000-m-Hindernis schied die russische Titelverteidigerin Jekaterina Wolkowa im Vorlauf als 27. aus, nur 15 kamen ins Finale.

Das erste Gold am frühen Nachmittag Vormittag bei 30 Grad Hitze an den russischen Olympiasieger Waleri Bortschin gegangen. Der 22-Jährige hatte sich in 1:18:41 Stunden vor dem Chinesen Hao Wang (1:19:06) und dem Mexikaner Eder Sanchez (1:19:22) durchgesetzt. Zieleinlauf war erstmals in der Geschichte von Welttitelkämpfen nicht im Stadion, die Geher wurden in der Stadt von 45.000 Zuschauern bejubelt und holten sich am Brandenburger Tor die Lorbeeren ab.

Die offiziellen Eröffnungsworte der WM als Abschluss einer kleinen Feier mit Gesang und Breakdance im Olympiastadion vor Beginn der Abendsession hatte der deutsche Bundespräsident Horst Köhler gesprochen. Anwesend war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die auf der Ehrentribüne neben Lamine Diack, dem Präsidenten des Weltverbandes (IAAF), Platz genommen hatte. Am ersten Tag waren 67.846 Besucher in das Stadion gekommen (25.300 Vormittag/42.546 Abend). (APA)

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    Klassisch zu früh gefreut: Masai (L) nimmt Melkamu noch die Butter vom Brot.

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