USA gegen Gnade für Terroristen

16. August 2009, 18:46
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Todkranker Lockerbie-Attentäter verzichtet auf Berufung gegen Urteil

London/Washington - Die schon für sicher gehaltene vorzeitige Haftentlassung des verurteilten Lockerbie-Attentäters stößt auf harten Widerstand der US-Regierung. Sowohl Justizminister Eric Holder als auch Außenministerin Hillary Clinton intervenierten telefonisch beim schottischen Justizminister gegen die Freilassung des früheren libyschen Geheimagenten Abdelbaset Ali al-Megrahi, der 2001 für den Anschlag verurteilt worden war. Durch die Bombenexplosion an Bord eines PanAm-Jumbos kamen kurz vor Weihnachten 1988 alle 258 Menschen an Bord ums Leben, weitere zwölf starben, als die Trümmer im schottischen Städtchen Lockerbie landeten.

Der 57-Jährige leidet an unheilbarem Prostatakrebs. Kommenden Dienstag wollen seine Anwälte vor dem High Court in Edinburgh die Berufung zurückziehen, mit der al-Megrahi seine Verurteilung anfechten wollte. Dies könnte den Weg freimachen für eine Begnadigung und Abschiebung des Straftäters in seine libysche Heimat. Die britische Regierung, erst unter Tony Blair und nun unter Premierminister Gordon Brown, verfolgt seit langem eine Politik der Annäherung an den Wüstenstaat, wo britischen Unternehmen lukrative Aufträge winken.

Solche Erwägungen spielen in Washington offenbar keine Rolle. "Die Außenministerin hat unserer ziemlich klaren Meinung Ausdruck verliehen, dass al-Megrahi seine gesamte Strafe in Schottland verbüßen sollte" , teilte ein Sprecher des State Departments mit. Erst nach langem Zögern hatte die Administration von Hillary Clintons Ehemann Bill 1999 der Auslieferung Megrahis an ein schottisches Spezialgericht im holländischen Camp Zeist zugestimmt. Dort war al-Megrahi zu zwanzig Jahren Haft verurteilt worden, ein Mitangeklagter kam frei. Beide hatten ihre Unschuld beteuert.

Die Angehörigen der Lockerbie-Opfer plagen ambivalente Gefühle. Während vermutlich die meisten US-Bürger die Härte ihrer Regierung unterstützen, hegen viele Briten Zweifel an al-Megrahis Schuld. Gerüchte, dass der Anschlag eine Racheaktion für den Abschuss einer iranischen Verkehrsmaschine durch das US-Kriegsschiff "Vincennes" 1988 gewesen sei, verstummten nie. Palästinensische Terroristen im Auftrag des Iran wurden immer wieder für den Anschlag verantwortlich gemacht. (Sebastian Borger/DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2009)

 

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