"JournalistInnen müssen digitale Fähigkeiten lernen"

15. August 2009, 16:57
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ExpertInnen fordern bessere Aus- und Weiterbildung von Medienpersonal

Der Einfluss digitaler Technologien hat in Kombination mit der gegenwärtigen Rezession in Bezug auf die beruflichen Fähigkeiten von Mitarbeitern in der Medienindustrie eine kritische Lücke entstehen lassen. Während traditionell wichtige Fertigkeiten wie gutes Ausdrucksvermögen, ausgeprägte Rechtschreibkenntnisse oder eine gefestigte Interview-Gewandtheit auch weiterhin gefordert werden, müssen sich Journalisten heute auch zunehmend zusätzlichen Herausforderungen wie dem Umgang mit Multimedia-Inhalten stellen.

Verbesserungsbedarf

Die diesbezüglichen Qualifikationen sind aber oft unzureichend und müssen dringend verbessert werden. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest ein aktueller Bericht des britischen Unternehmen Skillset, das selbst Kurse für die Aus- und Weiterbildung für MitarbeiterInnen der Kreativindustrien anbietet. Den Experten zufolge müsse die Diskrepanz zwischen Anforderungen und Können so schnell wie möglich beseitigt werden, wenn die betroffenen Branchen weiterhin überlebensfähig bleiben wollen. "In schwierigen Zeiten wird die Ausbildung der eigenen Mitarbeiter zu oft als erstes geopfert. Gerade dann ist es aber wichtig, in die Zukunft zu investieren. Das Medienpersonal muss neue digitale Fähigkeiten an den Tag legen, wenn die Branche weiter leben und gedeihen soll", kritisiert Kate O'Connor, Executive Director im Bereich Policy and Development bei Skillset, laut Guardian-Bericht.

Bewegung

"Die Medienindustrie muss verstehen, dass es notwendig ist, sich mit dem Markt zu bewegen. Nur so kann verhindert werden, dass die Fähigkeitskluft, die unser Bericht identifiziert hat, nicht noch weiter wächst", ergänzt Gail Rebuck, Vorstandsmitglied bei Skillset und Vorsitzende der Verlagsgruppe Random House. Insbesondere im Multimediasektor sei in dieser Hinsicht einiges an Aufholbedarf vorhanden. "Um einen Nutzen aus den großartigen Möglichkeiten ziehen zu können, die bestimmen, wie heute fesselnde Inhalte geschaffen und für die Leser aufbereitet werden, braucht die Branche Arbeitskräfte, die fähig sind, traditionelle Anforderungen mit neuen digitalen Fertigkeiten zu verbinden", fasst Rebuck die Problematik zusammen.

Anforderungen

"Die einzelnen journalistischen Anforderungen vermischen sich im Internetzeitalter zunehmend miteinander. Den neuen Herausforderungen, die das Web in diesem Zusammenhang mit sich gebracht hat, wird im Ausbildungsbereich durch einen stärkeren crossmedialen Fokus begegnet", stellt Hendrik Zörner, Pressesprecher des Deutschen Journalistenverbandes (DJV). Dieser sei in Deutschland im Moment klar im Vormarsch, was auch das entsprechende Ausbildungsangebot an den fachspezifischen Bildungseinrichtungen im Land beweisen würde. "Natürlich ist es absolut notwendig, dass Journalisten wissen, wie man Inhalte für Online-Medien aufbereitet. Vor allem die Integration von Bewegtbild-Material gewinnt hier zunehmend an Bedeutung", meint Zörner.


Der Fehler: Aus- und Weiterbildung einsparen

Der DJV-Sprecher geht davon aus, dass sich die Entwicklung in Zukunft noch weiter in diese Richtung bewegen werde. Dass gerade in wirtschaftlich schwierigen Phasen oft zu allererst versucht wird, bei der Aus- und Weiterbildung der eigenen Mitarbeiterschaft zu sparen, sei dabei keine neue Erkenntnis. "Wir haben schon vor der derzeitigen Krise festgestellt, dass die Verlage bei der journalistischen Ausbildung zu sparen versuchen. Diese Entwicklung ist bereits seit einigen Jahren im Gange", schildert Zörner. Aber nicht nur die Aus-, sondern auch die Fortbildung komme leider vielfach zu kurz. "Journalisten müssen sich bis zu ihrer Pensionierung kontinuierlich weiterbilden. Das kann aber nur funktionieren, wenn der Arbeitgeber auch die notwendige Finanzierung hierfür bereitstellt", so Zörner abschließend.(pte)

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