Finnische Reederei erhielt Lösegeldforderungen

15. August 2009, 22:37
31 Postings

Moskau verfolgt laut kapverdischem Vertreter Kurs des Schiffes - Verbleib weiter unklar

Praia/Moskau/Helsinki - Die finnische Reederei des Frachters "Arctic Sea" hat nach Polizeiangaben Lösegeldforderungen für das vor mehr als zwei Wochen verschwundene Schiff erhalten. Die Reederei Sol Chart habe eine "Forderung nach Lösegeld" erhalten, sagte ein Sprecher der finnischen Nationalen Ermittlungsbehörde NBI am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Von wem die Forderungen stammen und in welcher Höhe sie liegen, wurde nicht bekannt.

Sol-Chart-Chef Viktor Matwejew lehnte eine Stellungnahme zu einer Lösegeldforderung ab. Er konzentriere sich derzeit darauf, das verschollene Schiff zu finden. "Ich schlafe nicht, ich esse nicht. Ich arbeite derzeit 24 Stunden am Tag", sagte der Reederei-Chef der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir hoffen, dass die Besatzung am Leben ist."

Schiff wird verfolgt

Russland und die NATO verfolgen nach Angaben eines Militärvertreters der Kapverden mit Hilfe von Satelliten und "anderen Mitteln" den Kurs der "Arctic Sea". Das Schiff mit seiner russischen Besatzung setze seine Fahrt weiterhin mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 20 Knoten fort, sagte der mit "Sicherheits- und Verteidigungsfragen" betraute Militärvertreter am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Nach seinen Angaben dürfte sich die "Arctic Sea" inzwischen bereits südlich der afrikanischen Inselrepublik befinden.

Die Küstenwache der Kapverden hatte am Freitag mitgeteilt, das Schiff mit seiner 15-köpfigen russischen Besatzung 400 Seemeilen vor der Inselrepublik ausfindig gemacht zu haben. Die russische Botschaft erklärte daraufhin, sie sei nicht "offiziell" über die Ortung des Frachters informiert worden. Das unter maltesischer Flagge fahrende Schiff hatte zuletzt am 28. Juli Funkkontakt mit der britischen Küstenwache und sollte am 4. August in der algerischen Küstenstadt Bejaia eintreffen.

Signal empfangen

Eine russische Marine-Website meldete, am Samstagvormittag sei ein Signal der "Arctic Sea" aus dem Golf von Biskaya empfangen worden. Möglicherweise befinde sich aber das Gerät des Automatischen Identifikationssystems (AIS) nicht mehr an Bord des Frachters, schrieb die Seite "Sowfracht". Das Signal sei nach etwa einer Stunde verschwunden. Der französische Marinesprecher Kapitänleutnant Jerome Baroe dementierte die russischen Angaben und erklärte, das Signal sei von russischen Kriegsschiffen auf dem Weg vom Mittelmeer in die Ostsee gekommen.

Warum das Schiff plötzlich verschwand, war unklar. Nach Angaben ihres russischen Betreibers hat die "Arctic Sea" Lebensmittel und Treibstoff bis zum Monatsende an Bord. Der Frachter hatte sich zuletzt am 28. Juli per Funk bei den britischen Behörden gemeldet und fuhr anschließend durch den Ärmelkanal.

Nach vorliegenden Informationen hat er Holz der finnischen Firma Rets Timber im Wert von 1,3 Millionen Euro geladen. Experten vermuteten aber, dass er möglicherweise eine geheime Ladung an Bord hatte. Denkbar sei auch, dass ein Handelsstreit mit dem Verschwinden zu tun habe. Selbst ein Piratenüberfall wurde nicht ausgeschlossen - bisher hat es allerdings noch keinen derartigen Angriff in europäischen Gewässern gegeben. (APA/AP/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der vermisste Frachter auf einem undatierten Archivbild.

Share if you care.