Selbstmordanschlag vor NATO-Hauptsitz in Kabul

15. August 2009, 12:44
138 Postings

Mindestens sieben Tote, fast 100 Verletzte - Fünf Tage vor Präsidentenwahl - Taliban: US-Botschaft eigentliches Ziel - mit Video

Kabul - Fünf Tage vor der Präsidentenwahl in Afghanistan haben Aufständische das Hauptquartier der NATO-Schutztruppe in der Hauptstadt Kabul ins Visier genommen. Vor dem Tor des Geländes zündete ein Selbstmordattentäter am Samstagmorgen eine gewaltige Bombe in seinem Auto und riss mindestens sieben afghanische Zivilpersonen mit sich in den Tod. Fast 100 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Ein Sprecher der radikal-islamischen Taliban bekannte sich zu dem Anschlag und erklärte telefonisch, die Bombe habe 500 Kilogramm Sprengstoff enthalten.

Nach der Explosion irrten blutüberströmte Menschen in der Nähe des Tatorts umher. Über der Stadt stieg eine dichte Rauchwolke auf. Unter den Verletzten waren den Behörden zufolge auch eine Parlamentsabgeordnete, afghanische und ausländische Soldaten sowie mehrere Kinder. Letztere versammeln sich regelmäßig vor dem Hauptquartier, um Kaugummi und andere Waren an vorbeikommende Ausländer zu verkaufen. Die meisten erlitten Verletzungen durch herumfliegende Glassplitter.

"Ich habe gerade in meinem Büro Tee getrunken, als sich plötzlich diese enorme Explosion ereignete", sagte der junge Afghane Abdul Fahim, der Verletzungen an den Beinen erlitt. "Ich habe mich auf den Boden geworfen, und dann habe ich überall die Opfer gesehen."

Karzai verurteilt Anschläge

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat den Anschlag auf das NATO-Hauptquartier in Kabul als Tat der "Feinde Afghanistans" verurteilt. Mit solchen Anschlägen werde versucht, vor der Präsidentenwahl Angst und Schrecken zu verbreiten, erklärte Karzai am Samstag. Die Afghanen ließen sich davon aber nicht einschüchtern, "und sie werden ihre Stimme abgeben".

Schutzmauer hielt Schäden in Grenzen

Schutzbarrieren begrenzten offenbar die Schäden an dem NATO-Gebäude, in dem auch der Oberkommandierende der Schutztruppe ISAF, US-General Stanley McChrystal, seinen Sitz hat. Es befindet sich in derselben Straße wie die US-Botschaft und der Präsidentenpalast. Allerdings wurde eine gegenüberliegende Schutzmauer schwer beschädigt; die Reste des in Stücke gerissenen Autos und die Wracks mehrerer anderer zerstörter Wagen waren zu sehen. Der Angreifer habe nicht bis zur US-Botschaft vordringen können, sagte ein Sprecher der Taliban-Rebellen.

Der Leiter der polizeilichen Ermittlungsbehörde bemaß die verwendete Sprengstoffmenge auf etwa 270 Kilogramm, also wesentlich weniger als von den Taliban angegeben. Gleichwohl galt die Menge als groß genug, um eine Verwicklung des Terrornetzwerks Al-Kaida zur Unterstützung der örtlichen Taliban zu vermuten.

Die islamisch-fundamentalistische Taliban-Miliz hat wiederholt damit gedroht, die Präsidentenwahl massiv zu stören. Die Aufständischen haben die Bevölkerung aufgerufen, die Abstimmung zu boykottieren. Auch ihre Angriffe im Süden und Osten verstärkten sich jüngst und wurden auch verstärkt auf den Norden und Westen Afghanistans ausgedehnt. Mit einem Anschlag auf das NATO-Quartier wollten die Taliban Beobachtern zufolge offensichtlich demonstrieren, dass sie jederzeit zu Übergriffen auf die Besatzungstruppen fähig sind. Immerhin musste der Attentäter drei Kontrollstellen der Polizei durchfahren, um zu seinem Ziel zu gelangen.

Es war der erste große Anschlag in Kabul seit Februar. Damals griffen acht Taliban-Kämpfer in einer koordinierten Kommandoaktion drei Regierungsgebäude an. 20 Menschen sowie die Attentäter kamen dabei ums Leben.

Auf verschiedenen Stützpunkten in Kabul sind insgesamt 6.200 ISAF-Soldaten stationiert. McChrystal befehligt insgesamt mehr als 100.000 internationale Soldaten in Afghanistan. (APA/AP/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Britischer ISAF-Soldat versperrt Schaulustigen den Weg.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Soldaten sperrten den Ort des Anschlags im Kabuler Botschaftsviertel ab.

Share if you care.