Nach 25 Jahren Kampf der kurdischen PKK Hoffnung auf Frieden

14. August 2009, 20:56
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1984 nahm die PKK den bewaffneten Kampf auf - Öcalan will am Samstag Lösungsvorschlag für Kurden-Frage vorlegen

Wien - Der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan hat angekündigt am Samstag anlässlich des 25. Jahrestags des ersten bewaffneten Anschlags der verbotenen Kurden-Organisation eine "Road Map" zur Kurdenfrage zu veröffentlichen. Obwohl Öcalan von der Regierung in Ankara nicht als Gesprächspartner akzeptiert wird, wird sein angekündigter Vorschlag mit viel Spannung und Hoffnung erwartet. Denn die Türkei war Beobachtern zufolge einer Lösung des Konfliktes seit einem Viertel Jahrhundert noch nie so nahe wie heute.

Seit 25 Jahren kämpft die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (Partiya Karkeren Kurdistan) für einen eigenen Staat "Kurdistan" oder mindestens für eine weitreichende Autonomie der rund 14 Millionen Kurden in der Türkei. Seit Beginn des bewaffneten Kampfes der PKK gegen die türkische Regierung sind auf beiden Seiten rund 40.000 Menschen getötet worden.

1984 nahm die sechs Jahre zuvor gegründete PKK nach jahrelanger politischer Agitation den bewaffneten Untergrundkampf gegen die türkische Staatsmacht auf. Am 14. August erschoss die 1978 von Abdullah Öcalan gegründete Kurden-Organisation im Südosten der Türkei zwei Soldaten. Öcalan, Sohn einer armen Bauernfamilie aus Südostanatolien, hatte in Ankara Politikwissenschaft studiert und war hier mit den sozialistischen Ideen in Kontakt gekommen. Anfängliches Ziel der PKK war die kommunistische Revolution und die Gründung eines unabhängigen kurdischen Staates.

Im Visier der PKK, die vor allem im Südosten der Türkei agiert, waren Polizisten und Soldaten, dennoch kamen bei den Anschlägen immer wieder Zivilisten ums Leben. 1987 verhängte Ankara den Notstand über die Kurden-Gebiete. Höhepunkt der Gewalt zwischen Armee und PKK waren die Jahren zwischen 1991 und 1993. Zahlreiche kurdische Dörfer wurden von der türkischen Armee im Namen des "Kriegs gegen den Terror" niedergebrannt, tausende Menschen wurden getötet oder flüchteten massenweise in die Westtürkei.

Die Figur Öcalans, auch bekannt unter dem Decknamen Apo, prägte die PKK bis zu seiner Festnahme im Jahr 1999 maßgeblich. Nachdem er jahrelang in Syrien gelebt hatte, wurde der "Staatsfeind Nummer eins" 1999 vom türkischen Geheimdienst aus Kenia entführt und zum Tode verurteilt. Das Todesurteil wurde nach Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei 2002 in lebenslange Haft umgewandelt. Seit zehn Jahren sitzt der PKK-Führer nun auf der Gefängnisinsel Imrali bei Istanbul in Einzelhaft. Nach seiner Verhaftung erklärte der prominente PKK-Führer den bewaffneten Kampf für beendet.

Als starker Mann in der Untergrundorganisation gilt seither der Hardliner Murah Karayilan, der die PKK von seinem Versteck im Nordirak aus lenkt. Ab 2004, als die PKK den Waffenstillstand aufkündigte, verstärkten sich die Kämpfe zwischen PKK und türkischer Armee wieder deutlich. Eine Unterorganisation der PKK, die "Freiheitsfalken Kurdistan" (TAK) verübten im Sommer 2005 Anschläge in Cesme und Kusadasi, bei denen bewusst Touristen ins Visier genommen wurden. Auch in den Folgejahren wurden immer wieder Bombenattentate in Großstädten der Türkei verübt.

Weil der Nordirak als Rückzugsgebiet der PKK-Kämpfer gilt, wo die PKK mehrere Lager unterhalten soll, startete die türkische Armee in den vergangenen Jahren wiederholt Offensiven im Nordirak, die Hunderte Tote und Verletzte forderten. Die einst mächtige Kurden-Organisation, die auch von der EU und den USA als terroristische Organisation eingestuft wird, gilt heute als deutlich geschwächt. Derzeit verfügt die PKK aber immer noch über schätzungsweise 3.000 bis 5.000 Kämpfer.

Eine neue Entspannung in der türkischen Kurden-Politik zeichnete sich in den vergangenen Monaten ab. Nachdem der konservative Premierminister Tayyip Erdogan die Kurden zunächst mit seinen nationalistischen Tönen verschreckt hatte, setzte seine Regierung seit Jahresbeginn versöhnliche Schritte. So gründete das Staatsfernsehen einen kurdischer TV-Kanal und erlaubte erstmal Kurdisch-Fakultäten an Universitäten und den Gebrauch der kurdischen Sprache in Gefängnissen. (APA)

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