Aufruf zu friedlicher Lösung des Kurden-Konflikts

16. August 2009, 20:16
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Beginn des PKK-Aufstands jährt sich zum 25. Mal - Regierung zu "radikaler Lösung" bereit

Istanbul- Zum 25. Jahrestag des ersten Anschlags der PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) haben Kurden und die türkische Regierung zu einer friedlichen Lösung des Konflikts aufgerufen. In der Stadt Eruh im Südosten des Landes erinnerten mehrere tausend kurdische Aktivisten bei einer Kundgebung am Samstag friedlich an den Beginn des Aufstands im August 1984. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, das Land sei zu einer "radikalen Lösung" bereit.

Man müsse sich dem Problem stellen und es mit demokratischen Mitteln lösen, sagte Erdogan am Freitag. "Wir werden Schritte unternehmen, koste es, was es wolle." Einzelheiten zu einer Friedensinitiative hat die Regierung bisher aber nicht vorgelegt. Innenminister Besir Atalay traf am Sonntag im Zuge einer diplomatischen Initiative zur Aussöhnung mit den Hinterbliebenen getöteter Soldaten und Polizisten zusammen.

Friedensplan

Es wurde erwartet, dass auch der seit 1999 inhaftierte Chef der verbotenen PKK, Abdullah Öcalan, in Kürze über seinen Anwalt einen Friedensplan vorstellt. Ob dieser grundlegend neue Ideen enthalten könnte, war zunächst unklar.

In der südtürkischen Stadt Adana wurde ein Polizist bei einem Einsatz gegen kurdische Demonstranten erstochen. Der 24-Jährige war Teil einer Einheit, die am Samstag eine Protestaktion kurdischer Jugendlicher auflösen sollte, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Die Demonstranten hätten Reifen verbrannt und mit Steinen geworfen. Der Polizist habe eine Stichwunde in der Brust erlitten und sei am Samstagabend in einem Krankenhaus gestorben.

Am 15. August 1984 fand der erste Anschlag der PKK statt, die für einen unabhängigen Staat der Kurden im Südosten der Türkei kämpft. Sie ist inzwischen zwar nicht mehr so stark wie in früheren Jahren, verfügt aber immer noch über tausende Kämpfer. Der Konflikt hat schätzungsweise 40.000 Menschen das Leben gekostet.

Die türkische Regierung, die einen Beitritt des Landes zur Europäischen Union anstrebt, sieht sich auch wachsendem Druck seitens der EU ausgesetzt, den Kurden mehr Rechte zu gewähren. Die nationalistische Opposition vertritt dagegen die Ansicht, dass jegliche Zugeständnisse an die PKK die Türkei spalten würden.

Dem widersprach Parlamentspräsident Mehmet Ali Sahin. Er forderte im Fernsehen dazu auf, alle Vorurteile hinter sich zu lassen und die Aussöhnung mit der kurdischen Minderheit zu suchen, die etwa 20 Prozent der türkischen Bevölkerung ausmacht. (APA/AP)

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