22 Tote bei Schießerei im Gazastreifen

15. August 2009, 14:07

Hamas-Sicherheitskräfte gegen Anhänger eines radikalen islamischen Predigers - Mehr als 120 Menschen verletzt

Gaza - Ein blutiger Streit ist zwischen Hamas und extremistischen Gotteskriegern im Gazastreifen ausgebrochen: Bei den heftigsten innerpalästinensischen Auseinandersetzungen seit der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen vor zwei Jahren sind mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 120 verletzt worden. Während der stundenlangen Gefechte, die sich bis Samstag früh hinzogen, starb nach Angaben des Innenministerium in Gaza auch der Anführer der Al Kaida nahestehenden Gruppe Jund Ansar Allah, Abdel Latif Mussa. Zuvor hatten seine Anhänger Rache geschworen, sollte ihrem Imam etwas zustoßen.

Extremistische Gruppe zerschlagen

Nach Einschätzung von Beobachtern ist die extremistische Gruppe jetzt allerdings weitgehend zerschlagen. Sie hatte großen Zulauf bekommen, nachdem sich die islamistische Hamas im Juni 2007 im Gazastreifen gegen die Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas durchgesetzt hatte. In den vergangenen Monaten sollen ihre Kämpfer wiederholt Restaurants und Internet-Cafés in die Luft gesprengt und Anschläge auf Hochzeitsgesellschaften verübt haben.

"Islamisches Emirat" ausgerufen

Die Kämpfe in der südlichen Stadt Rafah brachen aus, nachdem Imam Mussa in der Ibn-Tahmed-Moschee beim Freitagsgebet ein "islamisches Emirat" im Gazastreifen ausgerufen hatte. Mussa forderte die Einführung der strengen islamischen Scharia-Rechtsprechung, die zum Teil drakonische Strafen wie das Abhacken der Hand bei Dieben vorsieht. Vor dem muslimischen Gotteshaus waren Dutzende vermummte, mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffnete Mitglieder der Jund Ansar Allah (Armee der Anhänger Gottes), dem bewaffneten Arm der Gruppe Jihad al-Salafi, in Stellung gegangen.

Nach dem Ende der Predigt kam es zu Kämpfen mit den Sicherheitskräften der radikal-islamischen Hamas. Bewohner von Rafah berichteten von "intensivem Gewehrfeuer" und Explosionen rund um die Moschee. Polizei und Kämpfer der Hamas stürmten schließlich das an die Moschee angrenzende Haus des Predigers, in dem er sich mit seinen Anhängern verschanzt hatte. Anschließend sprengten sie das Haus. Laut Innenministerium waren unter den Toten sechs palästinensische Polizisten, ein Kind, ein anderer Unbeteiligter sowie zwölf Menschen, die sich in der Moschee aufgehalten hatten.

Israel spricht nicht mit der Hamas

Innenministeriums-Sprecher Ihab al-Ghusseini machte Jihad al-Salafi voll für die Zusammenstöße verantwortlich und warf der Gruppe vor, auch in engem Kontakt zu den Sicherheitskräften der von der rivalisierenden Fatah kontrollierten Autonomiebehörde im Westjordanland zu stehen. Die Gruppe sei vom israelischen Geheimdienst dazu angespornt worden, Hamas im Gaza-Streifen anzugreifen. Israel lehnt jedes Gespräch mit Hamas ab, weil die Organisation den jüdischen Staat nicht anerkennt. Bei einer israelischen Militäroffensive im Gazastreifen waren zur Jahreswende mehr als 1400 Palästinenser ums Leben gekommen

Hamas-Sprecher Taher al-Nunu forderte alle Anhänger Mussas dazu auf, sich den Behörden zu stellen und die Waffen abzugeben. Die Hamas-Regierung werde "eine Rückkehr des Sicherheitschaos in den Gazastreifen niemals zulassen". Die Anhänger des Predigers würden sich außerhalb des "nationalen und islamischen Konsens" bewegen. In jüngster Zeit sind vermehrt Vorwürfe laut geworden, in den Gazastreifen seien militante Islamisten etwa aus Afghanistan und dem Irak eingesickert. Die Hamas-Regierung bestreitet das vehement.

Seit ihrer Machtübernahme hatten sich vor allem Hamas-Gefolgsleute blutige Auseinandersetzungen mit Fatah-Anhängern geliefert. So starben bei einem Gewaltausbruch zwischen den verfeindeten Parteien im November 2007 sieben Menschen, im August vergangenen Jahres neun. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 228
1 2 3 4 5 6
Thinking_Citizen
 
70
16.8.2009, 14:30
Reflektionen...

Ich denke dass der israelische Geheimdienst hier im Spiel sein koennte.
Gegenwaertig, die zentrale Agenda des israelischen Staates ist es, die Macht der Hamas im Gazastreifen zu brechen.
Es waere in Israels Tradition, dies mit der Foerderung von mehr fundamentalistischen/religioeseren Kraeften zu verfolgen. Immerhin hatte Israel auch urspruenglich die Vorgaenger-Organisation der Hamas anerkannt und gefoerdert, um die Macht der Fatah zu brechen (zu jener Zeit war Arafat der Erzfeind Israels).

Siehe z.b.: http://online.wsj.com/article/S... 11847.html

Daher mein vorhergehender Kommentar: Ein Fall von "Divide et impera"?

Versucht Israel, nach dem brutalen Gazafeldzug radikale Kraefte in Gaza zu foerdern um Hamas zu schwaechen?

deralltaeglichewahnsinn.wordpress.com
 
11
17.8.2009, 00:16

Klar, Israel fördert radikalere Kräfte als die Hamas um diese zu schwächen, damit nicht mehr die Hamas sondern jemand anders Raketen auf israelische Städte schießt....halt, Moment....vielleicht sollte Israel da nochmal drüber nachdenken, oder?

(Achtung, Ironie)

Mr. Hyde sen.
00
17.8.2009, 17:38
Naja, moderate Kräfte und fehlende Radikalisierung in GAZA

stellen für die Nationalisten, radikalen Siedler und Großisraelisten wirklich eine Bedrohung dar.

Das schlimmste, was der israelischen Führung passieren kann ist das Fehlen von Extremisten auf der anderen Seite.
Und nachdem sich Ahmadinedschad zur Zeit um neue Feinde umschauen muss, bzw. im Innern unter Druck geraten ist,
und nachdem sich die Hamas ruhig verhält,

ist das ein schlechtes Vorzeichen für Lieberman und Netanjahu,
gerade in Anbetracht des internationalen Drucks.

Da wird's schon Zeit, dass ein paar palästinensische Extremisten wieder Raketen werfen, sonst muss man noch wirklich ernsthaft verhandeln...

1116er
41
16.8.2009, 09:27
sind jetzt die hamas die 'lieben'?

weil es da jemand gibt, der noch pöser ist?

übrigens, da verwette ich doch glatt haus und hof, wenn der isr. geheimdienst nicht seine finger im spiel hat.

scrollradl
 
13
16.8.2009, 07:52

zum Bild links oben:
Eigenartige "Ministranten" hat dieser "Pfarrer".

Omega Duck
 
12
16.8.2009, 01:46

"In den vergangenen Monaten sollen ihre Kämpfer wiederholt Restaurants und Internet-Cafés in die Luft gesprengt und Anschläge auf Hochzeitsgesellschaften verübt haben."

Wieso hört man nix davon? Weil Israel nichts damit zu tun hatte?

Urbin
110
15.8.2009, 23:02
Freunde!

Wenn wir mit diesen Typen nicht einverstanden sind, dann müssen wir es unseren Volksvertretern auch sagen!

hechterdavid
417
15.8.2009, 22:16

arm ist israel, dass es mit solchen menschen zu tun hat.

Raptor Jesus
11
16.8.2009, 04:58
Wieso?

Die sind doch gerade fröhlich am selbstdezimieren.

Ava Tar
40
16.8.2009, 03:17

ja, knapp die Mehrheit. Diese Rechtswähler, pfui deibel.

Bernout
 
00
17.8.2009, 13:17
lol

Weil die Palis alle links sind, gell?

Nick Tameer
83
16.8.2009, 00:41

Die groß zu machen es mitgeholfen hat, ähnlich wie die USA bei den Taliban, mit dem Ziel, al-Fatah zu schwächen. Das ist ja auch gelungen.

hamstertier
33
16.8.2009, 01:49
an tameer

die USA haben den emir unterstützt? echt? sind's da sicher? gaaanz sicher?

Urbin
112
15.8.2009, 22:53
Richtig

Bei solchen Nachbarn brauchst du kein Fernsehprogramm mehr.

alt-heli .
09
15.8.2009, 21:04
Alleinig das Foto dieser seltsamen Spezies...

... da habe ich schon --- auf Österreichisch: "gfressn" wenn ich solche "Menschen" nur sehe...

....sorry - da habe ich ein Problem mit "Toleranz"...

Thinking_Citizen
 
183
15.8.2009, 19:42

Israelischer Geheimdienst?
Ein Fall von "Divide et impera"?

Nick Tameer
00
16.8.2009, 01:03

Auszuschließen ist auf diesem Gebiet sicher überhaupt nichts, aber ohne konkrete Indizien ist die Behauptung nichts wert.

Aber es zeigt sich, dass verführerisch-pauschalierende Betrachtungen à la Hamas --> Islamisten --> Terroristen --> Al Kaida (was immer das sein mag) in die Irre führen, weil die Realität wieder mal ein wenig komplizierter ist.

Chien de Pique
19
15.8.2009, 22:40
"Wieso, warum sind sie dran schuld?"

"Kind, das verstehst du nicht, sie sind dran schuld!
Und sie mich auch! Sie sind dran schuld!"

Ob es regnet, ob es hagelt, ob es schneit oder ob es blitzt,
Ob es dämmert, ob es donnert, ob es friert oder ob du schwitzt,
Ob es schön ist, ob’s bewölkt ist, ob es taut oder ob es gießt,
Ob es nieselt, ob es rieselt, ob du hustest, ob du niest.

gideon
00
15.8.2009, 22:25
eindeutig wieder ein Fall von bösartiger Schweinegrippe!

GiordanoB
15
15.8.2009, 21:47

Wozu?
Die machen nichts anderes als die sog arabische Welt historisch nicht schon immer gemacht hat.
Sonst wären nicht von den ersten 5 rechtgeleiteten Kalifen alle bis auf den ersten bereits ermordet worden.

schmeiser
01
16.8.2009, 09:14

ich find das ereignis auch nicht überraschend. aber der mehr als 1000jährige rückgriff auf die ersten kalifen ist billiger unfug.
um diese zeit waren im Frankenreich ungefähr 8 von 12 monaten der inneren und äußeren kriegführung gewidmet. dagegen ist das heutige palästina eine friedensinsel.

Nick Tameer
11
16.8.2009, 01:13

Rechtgeleitet oder nicht, sie scheinen sich bei den falschen Leuten unbeliebt gemacht zu haben - und der FC Islam hatte mal wieder einen Trainer verschlissen.

Cuca Racha
 
16
15.8.2009, 21:27
Wir alten Lateiner...

Thinking_Citizen ?
Ein Fall von antisemitischer Paranoia?

(Empfehlung: Th -> Dr)

Thinking_Citizen
 
00
16.8.2009, 14:33

Nein, danke.
Kritik am (oder wie hier das Anstellen von Vermutungen ueber Aktionen des) israelischen Staat, seines Sicherheitsapparates und Militaers ist, zumindest gemaess meines Woerterbuchs, kein Antisemitismus.

a las barricadas
516
15.8.2009, 18:41
na da werden sich jetzt

die linken antisemiten von der gaza beach am donaukanal auf den bauch hauen und betroffen was von menschenrechtsverletzung schwafeln.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 228
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.