Fröhliche Weihnachten!

14. August 2009, 18:37
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Eine kleine Idee zur Hebung der Kauflust.

Die Krise ist vorüber, nicht vorüber, sicher vorüber, sicher nicht vorüber, keine Sau kennt sich da mehr aus. Klar: Die Investmentbanker an Wall Street & Sonstwo sackeln jetzt wieder fette Boni ein, nachdem sie zuerst einmal die Staatbudgets nach Kräften ausgesackelt haben. Klingt alles nach Business as usual.

Aber: Wie schaut's beim gemeinen Konsumenten aus, der das Wirtschaftswerkel letztlich in Gang hält? Nicht auszudenken, was hier eintreten könnte: gesamtgesellschaftliche Käufer-Unlust, hitziges Hamsterverhalten, massives Ressentiment gegen Waren aller Art, schlimmstenfalls eine echte Deflationsspirale. Würden alle Schuppenshampoo-Konsumenten mit einem Mal aufhören, Schuppenshampoo zu konsumieren, wäre dies ein Debakel für alle Schuppenshampoo-Fabrikanten und alle Angestellten von Schuppenshampoo-Fabrikanten, ganz abgesehen von der degoutanten Perspektive, dass man sich im zwischenmenschlichen Umgang ständig mit schuppigen Kommunikationspartnern auseinandersetzen müsste.

Was also tun? Eine Idee: Vermehrt auf die kaufkraftstimulierende Potenz der Weihnachtsfeiertage setzen und am 24. August Parallelweihnachten ausrufen. Die Idee ist nicht neu und nicht schlecht, nur hapert es meist daran, dass die Herstellung einer überzeugenden Weihnachtsatmosphäre im Hochsommer schwierig ist. Mit etwas Fantasie ließe sich aber einiges tricksen: Kunstschnee auf die Schwimmflossen, ein paar Änderungen bei der Auswahl des Grillguts (Zimtstollen statt Koteletts, Vanillekipferl statt Bratwürsten) sowie Ausschank von heißem Rumpunsch anstelle von Budweiser im Schweizerhaus. Und dann einkaufen wie die Bösen! In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!

Jetzt aber zu etwas ganz anderem. Ein befreundeter Psychiater hat mir erzählt, dass jeder Urlauber im Urlaub zirka 20 Prozentpunkte von seinem IQ einbüße. Wenn die graue Materie beim phlegmatischen Fläzen am Strand länger ungenutzt bleibt, wird man zwangsläufig zum Kretin.

Daraus muss man Schlüsse ziehen. Etwa: Wenn Sie in den nächsten Wochen zuhause, im Büro oder auf der Straße lauter Trottel antreffen, sollten Sie das nicht ernst nehmen. Es handelt sich um eine nur temporäre, weil urlaubsbedingte Vertrottelung. Binnen drei oder vier Tagen werden Sie es wieder mit den selben Intelligenzbestien zu tun haben wie sonst das ganze Jahr über. (Christoph Winder, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 14./15./16.8.2009)

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